Bei Rivlin-Besuch in Kiel : Torsten Albig und die „Scheiß“-Geschenke

Israels Staatspräsident Reuven Rivlin mit Ministerpräsident Torsten Albig in Kiel.
Israels Staatspräsident Reuven Rivlin mit Ministerpräsident Torsten Albig in Kiel.

Am Mittwoch war der israelische Staatspräsident Reuven Rivlin zu Gast in Kiel. Albig sprach einen wenig ministerpräsidialen Satz.

Martin Schulte ist Leiter der Kulturredaktion des Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlags. von
14. Mai 2015, 19:38 Uhr

Eine der meistgeäußerten Lügen in deutschen Familien lautet wohl: „Das ist ein tolles Geschenk.“ Ob selbstgefilzte Socken oder die fünfte Geflügelschere, für den Familienfrieden und die Freundschaft ist eine kleine Lüge manchmal besser als die harte Wahrheit. Und höflicher ist es außerdem. In der Politik heißt die Höflichkeit meist Diplomatie, sogar in Schleswig-Holstein.

Wer am Mittwoch im „Schleswig-Holstein-Magazin“ das Filmchen vom Besuch des israelischen Staatspräsidenten Reuven Rivlin schaute, der wurde Zeuge, wie Albig seinem Gast ein Geschenk machte: Eine Grafik des schleswig-holsteinischen Ehrenbürgers Armin Mueller-Stahl, umrahmt vom wenig ministerpräsidialen Satz: „Nicht so`n Scheiß, den man immer gleich wegschmeißt.“ (im NDR-Beitrag etwa ab Sekunde 25)

Damit erfuhr der Zuschauer zweierlei: Der Ministerpräsident erhält öfter mal schlimme Geschenke – und er schmeißt diese immer gleich schnell weg. Ehrliche Worte, aber weder höflich noch diplomatisch.

Nicht nur in den SPD-Ortsvereinen des Landes, sondern auch in anderen Institutionen wird man sich fragen, was mit all den Weinflaschen, Wandtellern, Blumensträußen und Krawattennadeln passiert ist, die der Regierungschef rausgetragen hat. Von Rivlin bekam Albig übrigens eine Jerusalem-Plakette…und bedankte sich höflich.

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