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Gefahr für Schweinswale und Seevögel : Todesfalle Stellnetz: Fischer akzeptieren Beschränkungen

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Stellnetze werden immer wieder zur Todesfalle für Schweinswale und Seevögel. Das Ausmaß ist ungewiss. Seit Ende 2013 hat sich die Hälfte der Ostsee-Fischer zu Beschränkungen in der Stellnetz-Fischerei verpflichtet.

Kiel | Gut die Hälfte der Fischereibetriebe an der schleswig-holsteinischen Ostseeküste hat zum Schutz von Schweinswalen und Seevögeln vor qualvollem Ertrinken in Stellnetzen Selbstbeschränkungen akzeptiert. Die 160 Betriebe legen deutlich weniger Stellnetze aus und meiden Gebiete, in denen viele Tauchenten Rast machen und Nahrung suchen. Die Ende 2013 abgeschlossene Vereinbarung stoße auf breite Akzeptanz, sagte Fischereiminister Robert Habeck (Grüne) am Freitag. Kontrollen ergaben nur sehr wenige Verstöße.

Ob die Schutzmaßnahmen tatsächlich unerwünschte Beifänge verringert haben, konnten das Ministerium und das Ostsee Info-Center in Eckernförde als Projektkoordinator nicht sagen. Es liegen keine seriösen Angaben vor, hieß es.

Bisher sind 21 Schutzgebiete definiert. Zwei davon will Habeck noch erweitern. Zwei weitere sollen dazukommen. Bei Schweinswalen soll die Lübecker Bucht einbezogen werden. Über seine Pläne hat der Minister bereits mit Fischerei-Vertretern gesprochen und dort keine Freude ausgelöst, wie er einräumte. Habeck setzt dennoch darauf, dass sich noch mehr Betriebe an den Vereinbarungen beteiligen werden, die zunächst bis 2017 gelten. Schleswig-Holstein sei das erste und bisher einzige Ostseeanrainer-Land, das diesen Weg gehe. „Das ist echte Pionierarbeit.“ Auch die EU sehe das so.

Die beteiligten Fischer setzen im Sommer deutlich weniger Stellnetze ein, als rechtlich zulässig wäre. So sollen in der Zeit vom 1. Juli bis 31. August unerwünschte Beifänge von Schweinswalen vermieden werden. Dann halten sich von ihnen besonders viele in den schleswig-holsteinischen Küstengewässern auf; außerdem ist Paarungszeit. Zum Schutz von Tauchenten werden im Winter bestimmte Gebiete komplett von der Stellnetzfischerei freigehalten. Per SMS und mit roten Ampeln werden die Fischer gewarnt.

Sein Ziel bestehe darin, die Tiere zu schützen und zugleich die kleinteilig strukturierte Küstenfischerei zu erhalten, die oft nur geringe Verdienstmargen habe, sagte Habeck. Als er sich Ende 2013 nach harten Konflikten mit den Fischern auf die freiwillige Vereinbarung einigte, handelte er sich harsche Kritik von Naturschutzverbänden ein, die weiter reichende Maßnahmen und gesetzliche Regelungen wollten. Er habe den Naturschutzverbänden jetzt gesagt, dass es mit freiwilligen Vereinbarungen funktioniere.

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erstellt am 24.Apr.2015 | 14:50 Uhr

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