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Kieler Oberbürgermeisterin : Susanne Gaschke - Rücktritt ohne Würde

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Susanne Gaschke legt ihr Amt nieder - und beschädigt sich ein letztes Mal selbst. Die Begründung der gescheiterten Kieler Oberbürgermeisterin ist hanebüchen. Ein Kommentar von Helge Matthiesen.

shz.de von
erstellt am 29.Okt.2013 | 07:35 Uhr

Susanne Gaschkes Entscheidung war überfällig. Die Begründung, die die gescheiterte Kieler Oberbürgermeisterin liefert, ist hanebüchen, denn sie ist frei von jeder Selbstkritik. Mit ihrer Tirade gegen Medien, Männer, verkrustete Strukturen und fiese Parteigenossen stilisiert sie sich zu einem Opfer, das sie ganz gewiss nicht ist. Sie nimmt dem an sich noblen Schritt – der ihr Nachteile bringt und den sie nicht gehen musste – die Würde. Damit beschädigt sie sich ein letztes Mal unnötig selbst. Ein Abgang mit Haltung sieht anders aus. Wer nachtritt, verdient keinen Respekt.

Vor allem ihrem Versuch, sich selbst zum Opfer zu machen, muss mit Nachdruck widersprochen werden. Sie selbst hat die Entscheidung getroffen, dem Augenarzt Uthoff einen Teil seiner Schulden zu erlassen. Sie selbst hat versucht, einen Teil der Verantwortung an ihren Vorgänger weiterzureichen. Sie selbst hat versucht, mögliche offene Flanken durch gezielte Interventionen beim Innenminister zu schließen. Sie selbst hat dabei Wege beschritten, die auch bei wohlwollender Betrachtung nicht als vernünftig gelten können.

Letztlich war sie unfähig, die einmal getroffene Fehlentscheidung zu revidieren und die Krise zu managen. Es gelang ihr nicht, Bundesgenossen und Unterstützer zu gewinnen, weil sie denkbare Partner unnötig verprellte. War das Starrsinn, Rechthaberei oder Unerfahrenheit? Man kann das tragisch finden, denn niemand bestreitet ihre guten Absichten.

Dass Politiker in ihrer Situation von den Medien nicht immer freundlich angefasst werden, gehört zu den Dingen, die man vermutlich auch in der Redaktion der „Zeit“ lernt – und praktiziert. Dass Politiker nicht immer fair behandelt werden, ist Teil der politischen Wirklichkeit. Ihr muss sich auch eine Seiteneinsteigerin stellen, selbst wenn sie das inakzeptabel findet. Sie muss damit umgehen können.

Eine Journalistin in der Politik: Das hätte eine schöne Sache sein können, denn ein frischer Blick auf die Dinge kann nur nützlich sein. Susanne Gaschke war der Aufgabe nicht gewachsen und das hat sie mit ihrer Rücktrittsrede noch einmal untermauert.
 

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