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SPD-Parteitag : „Stolz, dass wir regieren dürfen“ – Albigs Funke springt nicht über

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Albig und seine Parteigenossen fremdeln miteinander. Aber der Ministerpräsident will bei der Landtagswahl in zwei Jahren „als erster durchs Ziel“ gehen.

Neumünster | Torsten Albig müht sich. Er müht sich nach Kräften. 70 Minuten lang tut er dass – mal lautstark und energisch, mal leise und nachdenklich. Doch der Funke mag nicht überspringen zwischen dem Ministerpräsidenten und den Genossen beim Parteitag in Neumünster. Irgendwie, so scheint es, fremdeln sie miteinander – der Herr aus der Staatskanzlei und die Delegierten „seiner“ schleswig-holsteinischen SPD. Wer Mitglieder des Parteivorstandes mit solchen Beobachtungen konfrontiert, der jedenfalls hört neuerdings kaum mehr Widerspruch.

Der Beifall nach Albigs Rede ist mit nicht einmal einer Minute kaum mehr als eine Höflichkeitsfloskel. Nach zwei Wortmeldungen ist die Debatte über den Auftritt des Regierungschefs beendet. „Eine paar konkretere Ideen, wo es hingehen soll“ in der Zukunft, gibt der Juso-Landesvorsitzende Niclas Dürbrook, Albig mit auf dem Weg, die hätte er sich schon gewünscht.

Dabei war die Regie genau so abgesprochen. Den Sonnabend sollte Parteichef Ralf Stegner mit einer Bilanz der bisherigen Arbeit in der Küstenkoalition bestreiten. Der Sonntag war für den Albig-Auftritt reserviert. Einen entschlossenen Blick nach vorn hatten sie erwartet. Stattdessen kam reichlich viel Rückblick: Sozialer, gerechter und erfolgreicher sei Schleswig-Holstein geworden. Drei „ehrliche“ und „beglückende“ Jahre habe die Küstenkoaliton hingelegt, habe umgesetzt, was man versprochen habe.

Stolz dürfe man in der SPD sein, „dass wir regieren dürfen“, ruft Albig den Delegierten zu. Das könne man nicht nur besser als „die anderen“, die in der Opposition „extrem schwach“ seien. Das mit dem Regieren soll nach der Landtagswahl 2017 auch so bleiben. Und zwar am besten mit Grünen und SSW, und selbst dann im Dreierbündnis, wenn die Dänenpartei dazu rechnerisch nicht gebracht werde.

Flemming Meyer, der zuvor als erster SSW-Landesvorsitzender ein Grußwort auf einem Parteitag der SPD gesprochen hat, hörte es gern. Und auch dies ist klar seit dem Wochenende. Albig will bei der Landtagswahl in zwei Jahren „als erster mit Euch durchs Ziel gehen“.

Soll heißen: Albig, der um die Jahreswende auch schon mal laut darüber nachgedacht hat, sich einen Job im fernen Ausland vorstellen zu können, will es noch einmal richten für die SPD – als Spitzenkandidat 2017. Das alles freilich hatten die Delegierten auch schon am Vortag einmal gehört. Der hatte ganz im Zeichen von Parteichef Stegner gestanden, der vor vier Jahren beim Mitgliederentscheid um die Spitzenkandidatur gegen Albig den Kürzeren gezogen hatte.

Es war Albig, der dem Unterlegenen damals zum Ärger der Stegner-Kritiker in der Partei antrug, den Parteivorsitz zu behalten und ihm so den Rücken frei zu halten. Zusammen sei man ein „gutes Team“, versichert Stegner bei jeder sich bietenden Gelegenheit. Albig nickte freundlich. Die Partei dankt es dem Vorsitzenden und bestätigte Stegner im Amt - zum fünften Mal seit 2007 und mit 81,9 Prozent. 177 der 216 Delegierten wählten den 55-Jährigen, 31 stimmten gegen ihn, acht enthielten sich. „Ich bin zufrieden“, sagte Stegner, der vor zwei Jahren mit 78,2 Prozent noch einen Dämpfer erhalten hatten. „Ein schönes Ergebnis“, kommentierte Albig ebenso knapp wie vielsagend.

Hätte Stegner mehr als 90 Prozent erhalten, die Spekulationen über das politische Gewicht des Regierungschefs hätte neue Nahrung erhalten. Dass hinter Stegner, der die SPD-Fraktion im Landtag anführt, die Figur des „lieben Torsten“ verblasst, wie der Vorsitzende Regierungschef Albig im Rechenschaftsbericht nennt, treibt manchen Genossen Sorgenfalten auf die Stirn. Im Schlagschatten des politischen Alpha-Tiers Stegner, heißt es, wirke Albig seit längerem schon seltsam blass und unambitioniert.

Geliebt wird Stegner, der ein paar Semester in Harvard studierte, zwar nicht in der Partei. Das aber will der Polarisierer auch gar nicht. Er sei eben kein Vorsitzender, der jedem nach dem Munde redet. Respektiert als unendlich fleißiger Arbeiter wird er dafür bei den Delegierten umso mehr. So fest wie heute saß der Karriere-Sozi wohl nie zuvor im Sattel. Mühen, dies zu erreichen, hat Stegner freilich auch nie gescheut.

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