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Ranking zu Schadstoffen : Stickstoffdioxid: Dicke Luft in Kiel

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Aus der Onlineredaktion

Leben am Meer, das heißt: viel frische Luft. Aber nicht in Kiel. Hier gibt es zu viel Stickstoffdioxid, beweist ein Ranking der Bundesregierung.

Kiel | In Kiel herrscht dicke Luft: Die Fördestadt ist eine der am höchsten mit Stickstoffdioxid belasteten Städte in Deutschland - nach Stuttgart, München, Reutlingen und Düren. Und das ganz ohne Talkessel. Das Ranking geht aus einer Antwort des Bundesumweltminsteriums auf eine Kleine Anfrage der Grünen-Fraktion hervor.

In Kiel liegt der Jahresmittelwert beim Stickstoffdioxid bei 67 Mikrogramm pro Quadratmeter am Theodor-Heuss-Ring. An der Bahnhofstraße wurden 37 Mikrogramm gemessen, an der Max-Planck-Straße 19. Zum Vergleich: In Hamburg rangieren die Werte von 16 Mikrogramm in Blankenese-Bauersberg bis 63 Mikrogramm an der Max-Brauer-Allee. Der Grenzwert liegt bei 40 Mikrogramm pro Kubikmeter. In Stuttgart ist - auch wegen der Lage in einem Talkessel - der Jahreswert beim Stickstoffdioxid teils mehr als doppelt so hoch wie der zulässige Grenzwert. Die Daten stammen aus dem Jahr 2013, laut Bundesregierung liegen noch keine „hinreichend validierten Daten“ für 2014 vor.

Stickstoffdioxid ist ein rotbraunes, giftiges, stechend riechendes Gas, das zum Husten reizt.  NO2 gehört zur Gruppe der Stickoxide. Das Gas entsteht bei der Verbrennung von Gas, Kohle und Öl und kommt in Abgasen vor. Stickstoffdioxid gilt als gesundheitsgefährdend. Wenn es eingeatmet wird, kann das zu Kopfschmerzen, Schwindel und Atemnot führen.

In dem Bundestagsdokument geht es nicht nur um die Stickstoffdioxid-Konzentration, sondern auch um andere Schadstoffbelastungen in Deutschland. Ein Überblick:

Feinstaub

Beim Feinstaub wurde der Grenzwert 2013 am Neckartor in Stuttgart an bis zu 91 Tagen überschritten, bei eigentlich maximal 35 zulässigen Überschreitungen in einem Jahr. Hier liegt Reutlingen auf Platz 2, es folgen Markgröningen, Tübingen, Gelsenkirchen, Hagen und Leipzig. Nach Angaben des Umweltbundesamtes besserte sich die Feinstaubbelastung am Neckartor 2014 aber etwas - der Grenzwert von 50 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter wurde im vergangenen Jahr aber immer noch an 63 Tagen überschritten.

Ozon

Die bundesweit höchste Ozonbelastung findet sich auf dem Fichtelberg bei Oberwiesenthal. Hier wurde an 46 Tagen im Jahr der Zielwert überschritten.

Nitrat im Grundwasser

Aus der Abfrage der Schadstoffbelastungen geht zudem hervor, dass das Grundwasser in einigen niedersächsischen Regionen am stärksten mit Nitrat belastet ist, wobei sich die höchste Belastung mit 320,5 Milligramm je Liter im rheinland-pfälzischen Meckenheim findet, der zulässige Wert liegt bei 50 Milligramm pro Liter. Diese Belastungen seien vor allem auf „menschlich verursachte Einträge insbesondere aus der Landwirtschaft“ zurückzuführen, heißt es in der Antwort des Parlamentarischen Staatssekretärs Florian Pronold (SPD).

Gift in Flüssen

Die Emscher bei Dinslaken (Nordrhein-Westfalen) ist der am höchsten mit Phosphat belastete Fluss, hier liegt der gemessene Höchstwert mit 1,1 Milligramm Phosphat pro Liter um das zehnfache höher als der sogenannte Anforderungswert. Die Ruhr bei Mülheim wiederum ist am stärksten mit Polychlorierten Biphenylen (PCB) belastet, aber auch die Havel bei Potsdam schneidet hier ökologisch nicht gut ab.

 

Die Vorsitzende des Umweltausschusses des Bundestags, Bärbel Höhn (Grüne), warf der Bundesregierung vor, das Problem zu ignorieren. „Erschreckend ist, an wie vielen Messstellen die Grenzwerte überschritten werden“, sagte sie. „In fast jedem Bundesland gibt es kritische Regionen.“ Leider habe die Bundesregierung keine Werte für die besonders gesundheitsgefährdenden Dioxine und Schwermetalle mitgeteilt.

Ihr Fraktionskollege Peter Meiwald betonte: „Sehenden Auges nimmt die Bundesregierung eine Verschlechterung des Gesundheitszustands vieler Menschen in Kauf.“ Offensichtlich versagten die Umwelt-Regelungen des Bundes an zahlreichen Stellen.

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erstellt am 24.Apr.2015 | 13:17 Uhr

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