Festakt in Lübeck : Stegner: Brandt hat SPD und Deutschland geprägt

Der SPD-Politiker und Brandts bundespolitischer Weggefährte Egon Bahr (l.) und der SPD-Landesvorsitzende Ralf Stegner stehen in der Lübecker St. Petri Kirche.
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Der SPD-Politiker und Brandts bundespolitischer Weggefährte Egon Bahr (l.) und der SPD-Landesvorsitzende Ralf Stegner stehen in der Lübecker St. Petri Kirche.

Schleswig-Holsteins SPD ehrt Willy Brandt. Die Partei hat zu einem Empfang in Lübeck geladen. Dieses Jahr wäre der frühere Kanzler 100 Jahre alte geworden.

shz.de von
22. November 2013, 19:34 Uhr

Lübeck | Mit einem kleinen Festakt hat Schleswig-Holsteins SPD am Freitag in Lübeck an den Friedensnobelpreisträger, früheren Bundeskanzler und SPD-Ehrenvorsitzenden Willy Brandt (1913-1992) erinnert. Neben dem Landesvorsitzenden Ralf Stegner tauschten in der St. Petri-Kirche auch Schleswig-Holsteins früherer Ministerpräsident Björn Engholm und Brandts langjähriger Weggefährte Egon Bahr ihre zum Teil sehr persönlichen Erinnerungen aus. Der frühere norwegische Ministerpräsident Thorvald Stoltenberg hatte seine ursprünglich geplante Teilnahme wegen Krankheit abgesagt.

„Willy Brandt hat das heutige Deutschland und die deutsche Sozialdemokratie geprägt wie kein anderer. Er war von 1964 bis 1987 Parteivorsitzender der SPD - länger als jeder andere Vorsitzende vor oder nach ihm“, sagte Stegner (54). In seiner Politik habe Brandt die Empörung über Unrecht und Ungerechtigkeit mit Pragmatismus verknüpft und dabei weit über den Horizont hinaus gedacht. „Er hatte den Mut zu einer großen historischen Initiative, der Friedens- und Entspannungspolitik, die den Weg zur späteren deutschen Einheit bahnte“, sagte Stegner weiter.

Björn Engholm (74) würdigte den Werdegang Brandts vom armen Arbeiterjungen bis zum international geachteten Politiker. „Herbert Wehner haben wir respektiert und auch gefürchtet. Helmut Schmidt haben wir hoch geachtet. Doch Willy Brandt haben wir verehrt und gelegentlich sogar geliebt“, sagte Engholm.

Egon Bahr (91), einer der entscheidenden Vordenker und Mitgestalter der Ostpolitik der Regierung Brandt, schilderte den SPD-Kanzler als machtbewussten Menschen. „Er brauchte keine Richtlinienkompetenz. Er führte sein Kabinett nach dem Grundsatz: Gewinnen durch überzeugen“, sagte Bahr.

Willy Brandt wurde am 18. Dezember 1913 als Herbert Frahm in Lübeck geboren. Vor den Nationalsozialisten floh er 1933 ins Exil nach Norwegen. Dort lebte er unter dem Decknamen Willy Brandt, den er nach seiner Rückkehr nach Deutschland beibehielt. Für seine Entspannungspolitik, die in der Unterzeichnung der Ostverträge mit Polen und der Sowjetunion sowie des Grundlagenvertrags mit der DDR im Jahr 1972 gipfelte, wurde er 1971 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.

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