Parteitag : SPD-Chef Stegner zwischen Wiederwahl und Protest

Blumen für den neuen und alten Vorsitzenden: SPD-Parteichef Ralf Stegner steht beim Parteitag in Büdelsdorf in Schleswig-Holstein nach seiner Wiederwahl neben Stellvertreterin Bettina Hagedorn. Foto: dpa
1 von 7
Blumen für den neuen und alten Vorsitzenden: SPD-Parteichef Ralf Stegner steht beim Parteitag in Büdelsdorf in Schleswig-Holstein nach seiner Wiederwahl neben Stellvertreterin Bettina Hagedorn. Foto: dpa

Beim Landesparteitag in Büdelsdorf stimmt SPD-Chef Ralf Stegner die Delegierten auf die Kommunalwahl ein. Die wählen ihn wieder. Doch vor der Halle demonstrieren die Beamten.

shz.de von
29. April 2013, 09:56 Uhr

Büdelsdorf | Der Empfang ist laut. Rund 400 Polizisten und Lehrer stehen vor der ACO Messehalle in Büdelsdorf bei Rendsburg und machen ihrem Ärger lautstark Luft. Mit so vielen Teilnehmern haben vorher nicht einmal die Gewerkschaften gerechnet. Mit Trillerpfeifen und Sprechchören fordern die Beamten die SPD auf, ihnen nach dem Tarifabschluss für die Länder die gleichen Gehälter zu zahlen, die auch ihre angestellten Kollegen bekommen. Die Landesregierung lehnt das mit Verweis auf die klammen Kassen ab.

Der alte und neue Landeschef Ralf Stegner steht vor den Demonstranten und versucht, gelassen zu bleiben. Aus den Lautsprechern tönt ein Lied, in dem es heißt "Schnauze voll, Taschen leer, wir lassen es krachen, ohne uns ist ohnehin kein Staat zu machen". Stegner sagt nur: "Das mit der Musik auf den Parteitagen finde ich gut", und ringt sich ein gequältes Lächeln ab. Aber er signalisiert den Gewerkschaften auch die von ihnen so vehement geforderte Verhandlungsbereitschaft: "Es wird Veränderungen am Beamtengesetz geben", ruft er. Aber auch: "Wir können das Geld nicht drucken."

"Die Fraktion ist der Schrittmacher"

Einige Stunden später ist seine Laune besser. Wie seine Stellvertreter Andreas Breitner und Bettina Hagedorn wird der Landeschef wiedergewählt - auch wenn am Ende nur 78,2 Prozent von 198 Delegierten für ihren nicht immer geliebten Landeschef stimmen. Stegner findet das Ergebnis "ehrlich und gut". Er habe sein Profil nicht versteckt und sei diese Ergebnisse schon gewohnt. Sagt er. Dabei hat Stegner den Genossen zuvor in seiner Rede Selbstbewusstsein gegeben, für die er am Ende sofort stehende Ovationen bekommt. Stegner genießt das sichtlich - genauso wie die warmen Worte, die er in der Aussprache zu hören bekommt. "Es läuft ganz gut", sagt Stegner über die Bilanz der Landesregierung. Und über sich: "Die Fraktion ist der Schrittmacher."

Die Delegierten klatschen immer laut, wenn er über Gerechtigkeit in sozialen und Bildungsfragen spricht. "Wir wollen Partei ergreifen für die Schwächeren. Wer den ärmsten etwas wegnimmt, ist feige", ruft der mittlerweile hemdsärmelig sprechende Landeschef. Das wärmt die Seele der Partei. "Das gibt uns Rückenwind", sagt ein Delegierter. "Es tut gut, so einen Landesvorsitzenden zu haben." Selbstbewusst sei die SPD jetzt, und so ziehe sie auch in die Kommunalwahl Ende Mai. Nur da werden auch die Demonstranten ihre Stimme abgeben, die als Gewerkschaftsmitglieder eigentlich der SPD zuneigen müssten. Aber wie sagt ein protestierender Lehrer vor der Halle: "Nochmal SPD wählen? Ich bin doch nicht verrückt."

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen