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Stellenabbau : Sparkurs bei der Wasserschutzpolizei

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Innenminister Andreas Breitner ist auf Rundreise durch die Küstenreviere: Die Arbeitsgruppe untersucht Einsparmöglichkeiten bei der Wasserschutzpolizei – Der Standort Flensburg verweist auf einen bereits erfolgten Aderlass, der im Zuge der Gerechtigkeits-Kampagne durchgeführt wurde.

shz.de von
erstellt am 15.Apr.2014 | 08:15 Uhr

Flensburg/Kiel | Andreas Breitner macht sich nichts vor. Mit Beifall ist auf seiner aktuellen Tournee durch die Dienststellen der Wasserschutzpolizei des Landes nicht zu rechnen. Der Innenminister ist in einer heiklen Mission unterwegs. Er kommt im Vorfeld der nächsten Einsparrunde im Personalbestand des öffentlichen Dienstes. Bis 2020 sollen landesweit 5300 Posten gestrichen werden, bei der Landespolizei 122 Stellen. Die Frage ist nur, wo? Ob die mit 260 Beamten vergleichsweise bescheiden aufgestellte Wasserschutzpolizei überhaupt weiter schrumpfen kann? Das ist Auftrag an eine hochrangig aufgehängte Arbeitsgruppe der Landespolizei und Aufklärungsziel der Ministerreise. Gestern war die Station Flensburg dran, zuständig für den Küstenbereich von Dänemark bis zur Eckernförder Bucht.

Hier kümmern sich laut Stellenplan rund um die Uhr und sieben Tage die Woche 27 Beamte um Sport- und Berufsschifffahrt und um die Fischereiaufsicht. Nominell sollten es 29 sein, sagt Revierleiter Matthias Randant, faktisch sind es aber nur 27. Das Durchschnittsalter liegt bei 47 Jahren, der Krankenstand ist relativ hoch, weil die Belastungen auf hoher See einfach härter sind als im Streifenwagen. Das Flensburger Revier hält das seegehende Küstenboot „Staberhuk“ mit sieben Crewmitgliedern vor. Auch sie sind rund um die Uhr einsatzbereit. „Schwer nachvollziehbar, wie die Erfüllung der Aufgaben bei weiterem Abbau weiter gewährleistet sein soll“, sagt Randant. Seine Leute bearbeiten Jahr für Jahr viele 1000 Fälle. „Glauben Sie mir, Langeweile ist nicht unser Problem!“

Er weiß, genauso argumentieren die Chefs der anderen, vor allem der großen Reviere wie Kiel, Travemünde, Brunsbüttel oder Husum. Für Flensburg aber spricht etwas anderes, das berüchtigte „Kramer-Papier“, dessen Umsetzung vor drei Jahren Gerechtigkeitslücken bei der Personalausstattung in Schleswig-Holstein ausgleichen sollte. Die Flensburger SPD-Landtagsabgeordnete Simone Lange, die Breitner begleitet, hat es noch als Kriminalbeamtin erlebt. „Aus Flensburg sind damals 20 Stellen abgewandert“, sagt sie. „Das war damals überproportional viel.“ Der Innenminister nickt freundlich, aber er lässt sich nicht locken. „Ich denke nicht, dass wir über eine Aufgabe von Revieren sprechen. Flensburg wird auch in einer künftigen Struktur eine wichtige Rolle spielen.“ Beim Thema Struktur warnt die Gewerkschaft der Polizei (GdP) gerne vor niedersächsischen Zuständen, nämlich die Auflösung der eigenständigen Organisation und Angliederung der Wasserschutzpolizei an die „regulären“ Direktionen. Breitner ist hier eher skeptisch. „Ich habe mich mit meinem Kollegen aus Hannover ausgetauscht. Das Ergebnis dieser Maßnahme ist eher durchwachsen. Die Maßnahmen dort haben faktisch zur Auflösung der Wasserschutzpolizei geführt – das ist sicher keine Blaupause für ein Land mit zwei langen Küsten“, sagt Breitner. „Bei der Reorganisation sollten wir in erster Linie auf uns selbst schauen.“ Viel Zeit bleibt nicht mehr. Zum 30. Juni soll der Bericht der Arbeitsgruppe fertig sein. Dann wird es ernst.

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