zur Navigation springen

Tornado-Aufklärungsflugzeuge : Soldaten aus Jagel vor Einsatz im Kampf gegen den IS in Syrien

vom

Dieser Einsatz gilt als eine der heikelsten Mission in der Geschichte der Bundeswehr. Tornado-Aufklärungsflugzeuge aus Jagel sollen sich am Militäreinsatz gegen den IS beteiligen.

shz.de von
erstellt am 04.Dez.2015 | 10:37 Uhr

Jagel | Mit Tornado-Aufklärungsflugzeugen will sich Deutschland an der Koalition gegen die Terrororganisation Islamischer Staat (IS) beteiligen. Beim Taktischen Luftwaffengeschwader 51 in Jagel laufen die Vorbereitungen bereits auf Hochtouren. Der Bundestag stimmte dem Einsatz am Freitag zu – jetzt sollen die ersten Maschinen aus dem Norden bereits in der kommenden Woche in die Türkei fliegen.

Der Einsatz in Syrien ist umstritten. Die CDU verweist darauf, dass Deutschland Verantwortung im Nahen Osten übernehmen müsse. Die Linken weisen jedoch darauf hin, dass im Krieg immer auch unschuldige Menschen getötet werden.

Die eigentlichen Aufklärungsflüge selbst sind aber erst ab Januar geplant. Die deutschen Piloten sollen damit Nationen, die Luftangriffe auf mutmaßliche IS-Stellungen fliegen, unterstützen.

Pilot Alexander S. hockt auf dem Fliegerhorst in Jagel unter einem Tornado-Aufklärer des Taktischen Luftwaffengeschwaders 51 „Immelmann“. Neben ihm der Behälter mit dem Recce lite Kamera-Aufklärungssystem.
Pilot Alexander hockt auf dem Fliegerhorst in Jagel unter einem Tornado-Aufklärer des Taktischen Luftwaffengeschwaders 51 „Immelmann“. Neben ihm der Behälter mit dem Recce lite Kamera-Aufklärungssystem. Foto: Staudt
 

„Natürlich verursacht so ein Einsatz gemischte Gefühle und wenn man gerade Weihnachten weg muss, ist auch Wehmut dabei. Aber das ist unser Job”, sagte Geschwader-Kommodore Michael Krah. „Der Einsatz ist sicherlich gefährlich.“ Die Soldaten seien darauf jedoch gut vorbereitet. Nach Krahs Angaben wird parallel zu den ersten beiden Tornados ein Tankflugzeug von Köln aus mit dem Ziel Incirlik in der Türkei abheben. „Wir werden den Einsatz der Tornados aber nicht alleine stemmen“, sagte Krah. „Unsere Tornados sind eine wichtige Ergänzung der Kräfte im Kampf gegen den IS. Aufklärung kann man nie genug haben.”

Ein Tankflugzeug vom Typ A310 MRTT der Luftwaffe (hier bei der Betankung von zwei Eurofightern) wird nach Incirlik verlegt, um die Jets der Koalition gegen den IS in der Luft mit Treibstoff zu versorgen.

Ein Tankflugzeug vom Typ A310 MRTT der Luftwaffe (hier bei der Betankung von zwei Eurofightern) wird nach Incirlik verlegt, um die Jets der Koalition gegen den IS in der Luft mit Treibstoff zu versorgen.

Foto: Stefan Petersen

Das Taktische Luftwaffengeschwader 33 aus Büchel in Rheinland-Pfalz werde die Mission mit Personal und Material unterstützen. Nach vorläufigen Planungen soll das Geschwader aus Jagel vier der ersten sechs Maschinen stellen, Büchel zwei. Zum Luftwaffengeschwader „Immelmann“ in Jagel gehören 23 Maschinen. Krah: „Wir sind sehr gut vorbereitet durch die Einsatzerfahrungen auf dem Balkan und in Afghanistan. Wir gehen selbstbewusst, aber respektvoll an die Aufgabe heran.“

Der 40 Jahre alte Tornado-Pilot Alexander sagte: „Natürlich gibt es ein Risiko, dass kann man nicht wegdiskutieren. Aber die Risiko-Abwägung entspricht der des Einsatzes in Afghanistan. Auch dort und auf dem Balkan wollte man nicht in die Hände des Feindes fallen. Aber es gibt eine sehr gute Rettungskette, deren Einsatzmittel bei einer Notsituation sehr schnell vor Ort sind und eine Crew herausholen können.”

Kommodore Michael Krah bei der Pressekonferenz in Jagel.
Kommodore Michael Krah bei der Pressekonferenz in Jagel. Foto: Staudt
 

Nach einem Ministeriumsbericht sind bei der Luftwaffe von 93 angeschafften Tornados derzeit 66 in Betrieb. Davon wiederum sind nur 29 einsatzbereit. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) sieht wegen der kleinen Zahl aber keine Probleme für die Mission. Sie spricht allerdings ebenfalls von einem „gefährlichen Einsatz“. Er solle ein „Signal an die Menschen in Syrien“ senden. Den Begriff „Krieg“ vermeidet die Bundesregierung aber.

Tornado-Pilot Alexander hat am Zustand seines Fliegers keinen Zweifel: „Auch wenn die Hülle schon 21 Jahre im Einsatz ist, das Innere der Maschinen ist absolut modern.“ Er saß bereits während des Afghanistan-Einsatzes mehrfach im Cockpit eines Tornados.

Und dennoch schwingt beim Gedanken an die Bilder des vom IS verbrannten jordanischen Piloten Sorge mit. Das spiele in den Köpfen der Besatzungen natürlich eine Rolle, sagt Krah. Pilot Alexander meint: „Natürlich haben wir uns auch diese Videos angeschaut und natürlich ist das ganz schrecklich.“ Er habe jedoch Vertrauen in die internationale Rettungskette. „Das gibt uns die Zuversicht, dass man sehr schnell gerettet wird, wenn man irgendwo in diesem Land runterkommt.“ Ein gewisses Restrisiko bestehe aber immer. „Grundsätzlich gibt es in den Höhen, in denen wir fliegen, keine Bedrohungen“, sagt der Pilot und spricht etwas vage von „mittleren“ Höhen.

Die_Bundeswehr_im_Einsatz
Foto: dpa
 

„Das wird kein Tiefflug“, sagt Waffensystem-Offizier Nils. Zu ihrer Verteidigung werden die Maschinen im Gegensatz zum Afghanistan-Einsatz auch mit Luft-Luft-Raketen ausgerüstet. Das Risiko eines Angriffs vom Boden beispielsweise durch Raketenbeschuss hält Nils „für überschaubar“. Das Szenario gleiche in gewisser Weise dem in Afghanistan. „Es ist allerdings ein neuer Gegner, von dem wir nicht wissen, wie er reagiert.“

Das Einsatzgebiet der Bundeswehr umfasst neben Syrien und dem Irak auch das östliche Mittelmeer, das Rote Meer, den Persischen Golf sowie „angrenzende Seegebiete“. Es sollen immer nur zwei Maschinen in der Luft sein.

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen