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Neuer Vertrauensmann : So will SH den Tierschutz stärken

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Bilder von erschlagenen Ferkeln in Zuchtbetrieben schockieren die Konsumenten. In Bad Bramstedt wurde im Frühjahr der Vion-Schlachthof wegen Tierquälerei geschlossen. Minister Habeck reagiert.

shz.de von
erstellt am 19.Aug.2014 | 14:56 Uhr

Kiel | In Schleswig-Holstein gibt es zum ersten Mal einen Vertrauensmann für den Tierschutz in der Landwirtschaft. Landwirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) stellte am Dienstag in Kiel für dieses neue Amt den pensionierten Kieler Professor für Tierzucht und Tierhaltung, Edgar Schallenberger, vor.

Es komme in der Nutztierhaltung und der Fleischproduktion offenbar immer wieder zu gravierenden Regel- und Gesetzesverstößen, sagte Habeck. „Davon wollen wir so früh wie möglich Kenntnis haben.“ Der Vertrauensmann könne Hinweise über Missstände anonymisiert weitergeben. Hauptziel sei aber, das System der Fleischproduktion insgesamt nach ethischen Maßstäben zu verbessern.

Ein Beispiel dieser Verstöße wurde im Februar 2013 bekannt - bei der Razzia auf dem Vion-Schlachthof in Bad Bramstedt. Die Vorwürfe: Beim Töten der Rinder - bis zu 500 Schlachtungen am Tag - entstehe unnötiges Leid für die Tiere. Im Zentrum des Falls stand die Tötungsanlage des Schlachtofs, wo die Rinder mit einem Bolzenschuss betäubt werden. Die Funktion der sogenannten Betäubungsfalle war nach Ansicht des Ministeriums unzureichend - manche Rinderköpfe hatten mehrere Bolzeneinschusslöcher, andere gar keine. Außerdem gebe es Hygienemängel. Der Schlachthof wurde geschlossen, die Mängel wurden beseitigt. Inzwischen hat der Betrieb die Arbeit wieder aufgenommen.

Sauen werfen mehr Ferkel, als sie Zitzen haben. Manche Schweinezüchter erschlagen diese überzähligen oder nicht lebensfähigen Tiere - und lassen sie in der Stallgasse liegen. Zu sehen war diese Praxis vor gut einem Monat in einer Reportage der ARD. Der Bericht löste viel Entrüstung aus und stellte wieder die brisante Frage: Wie gehen wir mit den Tieren um, die später als Sonderangebot im Supermarkt-Regal und schließlich auf unseren Tellern landen?

Es ist nicht nur eine ethische Frage, sondern eine juristische. Laut Tierschutzgesetz droht eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren, wenn jemand ein Wirbelteier ohne vernünftigen Grund tötet oder es quält. In Mecklenburg-Vorpommern ist ein Zuchtunternehmen bei Wismar von dem Vorwurf nicht tiergerechter Tötungen betroffen. Anschließend gibt es weitere Vorwürfe: Die Tierschutzorganisation Animal Rights Watch filmte heimlich Ferkeltötungen in der Zuchtanlage von Gut Losten - die Staatsanwaltschaft Schwerin ermittelt seit dem 18. Juli gegen das Unternehmen.

Mecklenburg-Vorpommern will die Tierschutzverordnung künftig strenger auslegen. Tötungen in der Stallgasse soll es nicht mehr geben. Auch eine routinemäßige Tötung solle ausgeschlossen werden, sagte die Landestierärztin Maria Dayen am 2. Juli. Anfang August gab es auch in Sachsen-Anhalt einen entsprechenden Erlass.

Auch die Reaktionen sind später Thema in der Sendung „Report Mainz“.

Schleswig-Holstein setzt vorerst auf Vertrauen - und einen Ansprechpartner.

Kritik kommt prompt von der Piratenfraktion im Landtag: Die umweltpolitische Sprecherin Angelika Beer sagte, die Bestellung Schallenbergers mache „trotz der Kompetenz des Amtsinhabers den Eindruck, ein reines Placebo für die Öffentlichkeit zu sein. Getreu dem Motto: Wenn ich nicht mehr handeln kann, beruf' ich 'nen Vertrauensmann". Das Amt sei nicht dazu geeignet, Skandale in der Nutztierhaltung zu verhindern oder auch nur aufzudecken.

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