Erstaufnahmeeinrichtung in Neumünster : So viele Flüchtlinge wie noch nie in SH

Die Erstunterkunft in Neumünster stellt Klappbetten auf. Die Flüchtlinge werden jetzt schneller an die Kreise verteilt.

shz.de von
28. Januar 2015, 10:46 Uhr

Neumünster | Schleswig-Holsteins einzige Erstaufnahmestelle für Flüchtlinge platzt aus allen Nähten. Am letzten Wochenende drängten sich 950 Personen in der Einrichtung in Neumünster. Ausgelegt ist sie eigentlich für 650. Auch derzeit seien noch 800 Menschen in der Erstaufnahme teils notdürftig untergebracht, so die stellvertretende Leiterin des Landesamts für Ausländerangelegenheiten, Katja Ralfs.

Um des Andrangs Herr zu werden, mussten Aufenthalts-, Sport- und Freizeiträume zu Schlafsälen umfunktioniert werden. Dazu wurden Klappbetten aufgestellt, die die Einrichtung im Keller lagert. „Unseren selbst gesetzten Standard von sechs Quadratmetern Fläche pro Person konnten wir nicht mehr aufrechterhalten“, sagt Ralfs. Sie spricht von der „bisher absoluten Spitze“.

Für die nächsten Tage rechnet sie zwar damit, die Belegung „weiter massiv abzubauen“. Allein im laufenden Monat Januar musste die Erstaufnahmestelle 899 Neuzugänge unterbringen. Hochgerechnet auf den gesamten Januar erwartet Ralfs über 1100 Neuankömmlinge – 170 Prozent mehr als im Januar 2014.

Unter diesem Druck wird die Erstaufnahme die Aufenthaltsdauer weiter verkürzen, kündigt Ralfs an – von derzeit bis zu drei Wochen auf maximal zwei Wochen. Deshalb verteilt das Land Flüchtlinge ab sofort an die Kreise weiter, ohne dass die Personen zuvor in Neumünster einen Asylantrag gestellt haben. Dafür wären aus Termingründen drei Wochen erforderlich.

„Mir ist bewusst, dass die Verteilung ohne Antrag für alle, vor allem auch für die Asylsuchenden selbst, eine große Belastung darstellt“, schreibt Ralfs in einer E-Mail an die Kreise. Dies sei aber unumgänglich, „um die Funktionsfähigkeit der Erstaufnahme sicherzustellen“.

Beibehalten will das Land die Praxis, den Kreisen zehn Tage im Voraus mitzuteilen, wie viele Flüchtlinge sie aufnehmen müssen. Die Meldung geht jetzt allerdings sofort raus, sobald ein Flüchtling in Neumünster eintrifft. Bisher wurde damit mehrere Tage gewartet, bis Termine für den Asylantrag standen.

shz.de besuchte die Erstaufnahmeeinrichtung im Dezember

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