„Sie hat meinen Respekt“ : So reagieren die CDU-Politiker aus SH auf den Merkel-Rückzug

So reagieren CDU-Politiker in Schleswig-Holstein auf den Rückzug der Bundeskanzlerin vom Parteivorsitz.

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29. Oktober 2018, 22:03 Uhr

Es ist 14.07 Uhr als Daniel Günther am Montag auf dem Flur der CDU-Fraktion im Landtag grinsen muss. Gerade ist der Ministerpräsident und Landesvorsitzende von einem der vielen Medienvertreter gefragt worden, ob er für den CDU-Bundesvorsitz zur Verfügung stehe. Er habe mit der Frage gerechnet, sagt der 45-Jährige. Und er beantworte sie wie immer: „Ich bin Ministerpräsident in Schleswig-Holstein. Meine Aufgabe ist hier.“ Er wolle aus dem Norden die CDU bei ihrem Erneuerungsprozess unterstützen. „Aber ich habe keine Absicht für den Bundesvorsitz zu kandidieren und werde es auch nicht tun.“ Punkt.

Daniel Günther.
Markus Scholz
Daniel Günther.

Und sonst? Ja, er habe Merkel immer unterstützt, als die gesagt habe, dass Parteivorsitz und Kanzlerschaft zusammengehören. Während ihrer Amtszeit habe sie eine personelle Erneuerung geschafft, „die viele Amtsvorgänger immer gewünscht, aber nie hinbekommen haben“. Allerdings hätten eine neue Generalsekretärin, neue Ministerpräsidenten und neue Minister nicht dazu geführt, „dass die Menschen wieder Vertrauen in die Arbeit der Union bekommen. Von daher verstehe ich, dass sie sich so entschieden hat.“ Günther glaubt aber, dass es möglich ist, dass Parteivorsitzender und Kanzlerin Hand in Hand arbeiten können. Seine Hoffnung sei es, dass allein die schlechten Wahlergebnisse und sinkenden Umfragen dafür sorgen, dass sich die Parteien in Gänze disziplinieren.

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Die nordfriesische CDU-Kreischefin Astrid Damerow nennt Merkels Entscheidung einen „Paukenschlag“. Die Eckernförder CDU-Fraktionsvorsitzende Katharina Heldt bewundert, dass Merkel „persönliche Konsequenzen zieht und mit ihrem Schritt einen Teil der Verantwortung übernimmt – im Gegensatz zu Horst Seehofer.“

Der maritime Koordinator der Bundesregierung und Lauenburger CDU-Abgeordnete Norbert Brackmann fordert ebenfalls den Rücktritt des CSU-Chefs und Innenministers. „Ich hoffe, unsere bayrischen Freunde nehmen sich ein Beispiel an uns.“ Brackmann appelliert an Seehofer, Parteivorsitz wie Ministeramt abzugeben: „Wir brauchen dringend einen Wechsel in beiden Positionen.“ Für Merkel hat er lobende Worte: „Dass sie selbst den Übergang in die Wege leitet, zeigt, wie stark sie ist.“

Der Chef der CDU-Landtagsfraktion und Kreisvorsitzende von Stormarn, Tobias Koch, betont, es gebe nichts Schwierigeres als einen Führungswechsel in der Regierung hinzubekommen. Merkel mache den Weg für einen Nachfolger frei. „Dafür zolle ich Ihr höchste Anerkennung, denn weder Konrad Adenauer noch Helmut Kohl ist Vergleichbares gelungen.“

Der Kreisvorsitzende von Schleswig-Flensburg, Johannes Callsen, bedauert Merkels Schritt. „Aber ihre Entscheidung macht den Weg für einen Neustart frei und sie hat meinen Respekt“, erklärt der Landtagsabgeordnete und mahnt zugleich: „Dennoch sollten wir jetzt nicht die großen Verdienste von Angela Merkel aus den Augen verlieren. Ihr ist es gelungen, die CDU in der Mitte der Gesellschaft zu verankern.“

Für Heiner Rickers, CDU-Kreisvorsitzender in Steinburg, ist Merkels Entscheidung „ein ganz hervorragender Schritt, geboren aus ihrer inneren Überzeugung, der Demokratie damit zu dienen“ . Die Partei habe jetzt Zeit bis zum Parteitag, einen Kandidaten zu finden.

Ähnlich zurückhaltend äußert sich Wolf Rüdiger Fehrs, CDU-Kreisvorsitzender in Neumünster: „Ich sehe zum jetzigen Zeitpunkt keinen klaren Favoriten, das kann sich in den nächsten Wochen aber noch herauskristallisieren.“ Dagegen hat sich Michael von Abercron, Bundestagsabgeordneter aus dem Kreis Pinneberg, bereits festgelegt: „Mit Friedrich Merz betritt eine Persönlichkeit die politische Bühne, die gerade in der letzten Zeit schmerzlich vermisst wurde. Meine Unterstützung auf dem Bundesparteitag ist ihm sicher.“

Arne Rüstemeier
Arne Rüstemeier.

Für Flensburgs CDU-Kreisvorsitzenden Arne Rüstemeier ist der frühere Unionsfraktionschef Merz dagegen mit seinen 62 Jahren zu alt für Parteivorsitz und Kanzleramt: „Nach der nächsten Wahlperiode wäre er 69 – ich glaube deshalb nicht, dass er die Aufbruchstimmung verbreiten könnte, die wir brauchen“, sagt Rüstemeier.

Ostholsteins Kreischef Ingo Gädechens hat mit dem 38-jährigen Gesundheitsminister Jens Spahn seinen Favoriten. „Er war bei mir im Wahlkampf – von daher hat er bei mir große Chancen.“ Spahn wäre aus Sicht des Bundestagsabgeordneten der richtige Mann, um das konservative Profil der CDU wieder zu schärfen.

Der Itzehoer CDU-Bundestagsabgeordnete Mark Helfrich fordert Merkel auf, auch den Kanzlerinnen-Posten vorzeitig abzugeben – in zwei Jahren. „Ich wünsche mir einen geordneten Übergang im Jahr 2020“, sagt Helfrich. Dann seien der neue Fraktionsvorsitzende Ralph Brinkhaus und die oder der neue Parteichef „schon einige Zeit im Amt“. Der Nachfolger der Kanzlerin könnte „2021 mit einem Amtsbonus ins Rennen gehen“. Einen Favoriten nennt er allerdings nicht.

Petra Nicolaisen (52)  ist seit der Wahl 2017 Abgeordnete im Bundestag. Zuvor saß die zweifache Mutter, die in Fahrdorf aufgewachsen ist und heute mit ihrer Familie in Wanderup lebt, seit 2009 im Kieler Landtag.
Deutscher Bundestag/Achim Melde
Petra Nicolaisen.
 

Für seine Bundestagskollegin Petra Nicolaisen steht hingegen eines fest: „Ich halte Angela Merkel weiterhin für die richtige Person im Kanzleramt.“

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