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Überlastete NOtaufnahme : So geht es nicht weiter

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Kliniken im Land überlastet

shz.de von
erstellt am 05.Aug.2015 | 07:01 Uhr

Alarm oder Alarmismus? Vieles spricht dafür, dass der Ansturm auf die Notfallambulanz des Neumünsteraner Krankenhauses ein Ausnahmefall ist und nicht überall im Lande nachts und am Wochenende hilfesuchende Flüchtlinge vor der Tür stehen. In Neumünster hat es sich offenbar herumgesprochen, dass man in der – nur einen Katzensprung vom Erstaufnahmelager entfernten – Klinik rund um die Uhr behandelt wird. So wie die Bundesbürger den bequemen Weg in die Ambulanzen statt zum Hausarzt gehen, nutzen auch die Asylbewerber diesen Vorteil. Zumal der für sie eigentlich vorgeschriebene Weg aufs Amt, um einen Behandlungsschein zu beantragen, mühsam ist. Viele kommen – wie die Klinik bestätigt – mit Wehwehchen und Lappalien, die einer teueren Krankenhausbehandlung nicht bedürfen. Fatal dabei: Sie rauben dem ohnehin am Limit arbeitenden Personal die Zeit für die echten, schweren Fälle. So geht es nicht weiter.

Der Lösungsvorschlag von Schleswig-Holsteins Ex-Gesundheitsminister Heiner Garg hilft allerdings auch nicht weiter. Zusätzliche Dolmetscher, die nachts ad hoc abrufbereit sind, um die Verständigung zwischen Arzt und Patient zu gewährleisten, sind ein Hirngespinst. Was nützt es, wenn ein Syrer und ein Serbe als Übersetzer vor Ort sind, aber eine Schwangere aus Afghanistan wissen will, ob es ihrem Kind gut geht? Solch ein Rundum-Verständigungspaket kann sich keine Klinik leisten und bezahlt auch keine Kasse.

Gelöst werden muss das Problem vielmehr in den Erstaufnahmeeinrichtungen. Hier ist das Land in der Pflicht. Es hat nach dem Asylbewerberleistungsgesetz die medizinische Betreuung der Flüchtlinge sicherzustellen. Wenn für 1200 Asylbewerber in Neumünster drei Mediziner nicht reichen, müssen eben mehr eingestellt werden – notfalls im Schichtbetrieb. Den Kliniken kann man diese zusätzliche Aufgabe jedenfalls nicht aufbürden. Wer ihr Aufgabenspektrum allerdings erweitern möchte – egal ob für Bundesbürger oder Flüchtlinge – muss erklären, wie er den

Systemwandel finanzieren will.

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