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Nach Schüssen im Finanzamt Rendsburg : Sicherheit in Behörden – von Pfefferspray bis Alarmknopf

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Nach den tödlichen Schüssen in Rendsburg rückt eine Frage in den Fokus: Wie wird in Schleswig-Holsteins Ämtern und Behörden die Sicherheit der Angestellten gewährleistet? shz.de mit einem Überblick.

Rendsburg | Schweigen. Das herrschte gestern um 10 Uhr genau für eine Minute in den Finanzämtern Eckernförde und Schleswig, wo die Mitarbeiter eine Gedenkminute für ihren am Montag erschossenen Kollegen Wolfgang B. aus Groß Vollstedt einlegten. Der Schock und die Betroffenheit unter Behördenmitarbeitern im ganzen Land ist groß.

Gegen einen 55-jährigen Steuerberater wurde Haftbefehl wegen Mordes erlassen. Angesichts der Tat fragen sich Mitarbeiter in Behörden, Arbeitsagenturen und Gerichten nun, ob ihre Arbeitsplätze sicher sind. Welche Vorkehrungen werden in Schleswig-Holsteins Einrichtungen getroffen? Eine Übersicht.

Jede Drohung ernst nehmen

Drohung
Foto: Imago

Drohungen, ob verbaler oder körperlicher Natur werden in Schleswig-Holsteins Behörden immer ernst genommen und je nach Situation weiter verfolgt und sanktioniert. So können in allen Behörden Hausverbote ausgesprochen werden. Im Einzelfall werden auch Strafanzeigen gestellt.

Schulungen

Schulung
Foto: Imago

Besonders im sozialen Bereich sind Behördenmitarbeiter häufig mit emotional stark involvierten Menschen in Kontakt. Spezielle Schulungen sollen diesen Mitarbeitern helfen, Eskalationen zu entschärfen und kritische Situationen richtig einzuschätzen.

Verbindungstüren

Tür Büro
Foto: Imago

Der enge Kontakt zu Kollegen vermittelt Sicherheit und gewährleistet ein schnelles Eingreifen im Notfall. Aus diesem Grund befinden sich in vielen Behörden Verbindungstüren zwischen den einzelnen Büros. Im Zweifelsfall bleiben solche Türen geöffnet. Diese gewähren neben der guten Anbindung an die Kollegen auch zusätzliche Fluchtwege im Ernstfall. Das Jobcenter und die Stadtverwaltung in Neumünster sowie das Husumer Sozialzentrum setzen beispielsweise auf diese Form der Absicherung. In der Schleswiger Kreisverwaltung wird nach den aktuellen Vorfällen ebenfalls über diese Option nachgedacht.

Pfefferspray

Pfefferspray
Foto: Imago/HRSchulz

Eine besondere Form der Verteidigung steht den Vorzimmerdamen der Sylter Bürgermeisterin zur Verfügung. Seit einem Vorfall in den 90er Jahren, bei dem die Frauen von einem Mann mit dem Messer bedroht wurden, sind sie mit Pfefferspraydosen für den Notfall ausgerüstet.

Sicherheitsdienste

Foto: Imago

Einige Behörden in Schleswig-Holstein arbeiten mit fest angestelltem Sicherheitspersonal. So beschäftigt beispielsweise das Amtsgericht in Neumünster einen Sicherheitsdienst, der im Notfall sofort zur Stelle ist. In besonders schwierigen Situationen oder im Fall von akuter Bedrohung durch besonders aggressive Bürger werden andernorts über längere Zeiträume Sicherheitsdienste beauftragt. Von dieser Option wurde beispielsweise im Flensburger Jobcenter und in der Husumer Kreisverwaltung bereits Gebrauch gemacht.

Alarmvorrichtungen

Notknopf
Foto: Volkert Bandixen

In den meisten Behörden und Ämtern mit Publikumsverkehr in Schleswig-Holstein existieren interne Alarmsysteme. In vielen Institutionen können Mitarbeiter beispielsweise über spezielle Tastenkombinationen auf der Computer-Tastatur herbeigerufen werden, wenn sich ein Angestellter bedroht fühlt – auch im Rendsburger Finanzamt hat es diese Option gegeben. Durch diese Tastenkombination wird ein stiller Alarm ausgelöst, der auf den Bildschirmen aller Angestellten ein Signal erscheinen lässt. Ein solcher PC-Alarm soll nun auch in der Neumünsteraner Stadtverwaltung und im Eckernförder Rathaus getestet werden. Eine Alternative dazu sind spezielle Alarmknöpfe, die für den Besucher unsichtbar an der Unterseite des Schreibtisches angebracht sind. Auch hierbei wird ein hausinterner Alarm ausgelöst. Eine lautstarke Alternative sind so genannte Signaleier, die unter anderem im Jobcenter Eckernförde bereitliegen. Ähnlich wie eine Handgranate zu bedienen, senden sie im Notfall ein lautes Signal.

Einlasskontrollen

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Foto: Imago

Wie auf dem Flughafen geht es in vielen Amtsgerichten zu. In Neumünster gibt es beispielsweise Sicherheitsschleusen, in denen Besucher durch geschultes Personal mit Metalldetektoren und Handgeräten durchsicht werden, bevor sie das Gebäude betreten dürfen. Hier wird nach den jüngsten Vorfällen darüber nachgedacht, die Sicherheitsvorkehrungen weiter auszuweiten. So könnten künftig auch bekannte Personen wie häufig einkehrende Rechtsanwälte gesondert per Hand durchsucht werden. Über ähnliche Maßnahmen wird auch im Amtsgericht Schleswig nachgedacht. Dort wird im Oktober eine solche Sicherheitsschleuse installiert. Bisher überwacht hier ein Pförtner die Aus- und Eingänge.

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erstellt am 03.Sep.2014 | 12:13 Uhr

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