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Entschädigung : SH zahlt 2,3 Millionen Euro an Impfopfer

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Eigentlich soll der kleine Piecks schützen. Doch manchmal führen Impfungen zu Komplikationen. Dann haftet das Land. Einige Betroffene leben teilweise seit den 1950er Jahren in Pflegeheimen und leiden unter den Folgen.

Kiel | Die Pockenschutzimpfung im Jahr 1968 führte bei einem geimpften Kind zu einer Hirnschädigung. Der Betroffene erhält inzwischen eine Grundrente, eine Ausgleichsrente, einen Berufsschadensausgleich, eine Pflegezulage für die Heimkosten und eine Schwerstbeschädigtenzulage. Monatlich 4871 Euro zahlt Schleswig-Holstein für die Versorgung des Betroffenen.

Er ist einer von 137 Menschen im Norden, die im vergangenen Jahr eine finanzielle Entschädigung des Landes erhielten, weil sie einen nachgewiesenen Impfschaden erlitten hatten. Insgesamt zahlte das Land 2,3 Millionen Euro an Opfer nachgewiesener Impfschäden. Sie leben teilweise seit den 1950er Jahren in Pflegeheimen und leiden unter den Folgen. Es gibt aber auch jüngere Fälle. Im Dezember 2009 erlitt ein Betroffener nach einer Grippe-Impfung Lähmungen, Koordinations- und Sensibilitätsstörungen. Ihm werden nach Informationen der Ärztezeitung monatlich 932 Euro gezahlt. Im vergangenen Jahr stellten vier Menschen aus Schleswig-Holstein einen Antrag auf Entschädigung. Zwei von ihnen sind noch in der Prüfung, zwei wurden abgelehnt.

Gesundheitsministerin Kristin Alheit (SPD), die mit diese Zahlen auf eine kleine Anfrage der Piratenpartei (Drucksache 18/1389 des Landtages Schleswig-Hosteins) antwortete, betonte gegenüber Schleswig-Holstein am Sonntag, dass Impfschäden im Vergleich zur hohen Zahl an vorgenommenen Impfungen sehr selten sind. So gab es im Jahr 2012 in ganz Schleswig-Holstein keinen Impfschaden, der dem Ministerium bekannt wurde – bei 786.885 Impfungen im Norden. Ein Jahr zuvor gab es einen Impfschaden bei 908.301 Impffällen. In Bezug auf die nicht unumstrittene Verwendung von Kombinationsimpfstoffen, erklärte die ministerin, dass die Landesregierung keine Veranlassung sehe, von Bewertungen der Fachbehörden und der Fachkommission abzuweichen. Das Robert Koch-Institut hatte dazu erklärt: „Kombinationsimpfstoffe erlauben eine erhebliche Reduzierung der Injektionen und fördern damit die Umsetzung der Impfempfehlungen. Die zugelassenen und auf dem Markt befindlichen Impfstoffe sind bezüglich ihrer Einzelkomponenten in den Kombinationsimpfstoffen intensiv auf ihre Wirksamkeit hin untersucht, so dass auch in Kombinationsimpfstoffen die einzelnen Antigene eine sichere Wirksamkeit aufweisen.“ 

Gegen bestimmte Krankheiten (Pertussis, Mumps, Röteln) sind in Deutschland aktuell keine monovalenten Impfstoffe verfügbar, sodass hier zwangsläufig Kombinationsimpfstoffe gegeben werden müssen (z. B. Nachholen einer fehlenden Mumps- oder Röteln-Impfung). Ein Großteil der Zahlungen leistet das Land wegen lang zurückliegender Schädigungen, wie etwa heute nicht mehr vorgenommenen Pockenimpfungen.

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erstellt am 16.Feb.2014 | 14:32 Uhr

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