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Fehlende Lehrer : SH: Land der Schulausfälle

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Die Bildungspolitik hat einen neuen Begriff: „Struktureller Unterrichtsausfall“. Bis zu 20 Prozent der Schulstunden fallen aus, weil zu wenige Lehrer da sind.

shz.de von
erstellt am 17.Apr.2014 | 16:11 Uhr

Kiel | An Schleswig-Holsteins allgemeinbildenden Schulen fehlen zahlreiche Lehrer. Das Bildungsministerium räumte am Donnerstag Probleme in der Unterrichtsversorgung im Land ein. „Der strukturelle Unterrichtsausfall liegt im kommenden Schuljahr 2014/15 an allen allgemeinbildenden Schularten bei sechs Prozent“, sagte Pressesprecherin Beate Hinse.

Bildungsministerin Waltraud Wende (parteilos) kündigte an, die Unterrichtsversorgung in den kommenden Jahren Schritt für Schritt verbessern zu wollen. „Trotz rückläufiger Schülerzahlen haben wir zum Beispiel 300 von der Vorgängerregierung gestrichene Stellen an die Schulen zurückgegeben und zudem aus neun Millionen Euro Zensusmitteln zusätzliche 75 Stellen geschaffen“, sagte Wende. Bis 2017 würden die Schülerzahlen an den allgemeinbildenden Schulen von derzeit 291.000 auf 270.000 zurückgehen. „Eine verantwortungsvolle - die zukünftige Entwicklungen im Auge behaltende - Personalplanung muss kontinuierlich und maßvoll auf diesen Schülerrückgang abgestimmt sein.“ 

Noch größer als an den allgemeinbildenden ist der Lehrermangel an berufsbildenden Schulen. Dort beträgt er derzeit zwölf Prozent. Eine wesentliche Ursache hierfür ist nach Ministeriumsangaben eine Zunahme von sogenannten vollzeitschulischen Bildungsgängen aufgrund der Berufsschulpflicht. Dort findet Ausbildung ausschließlich in der Schule und nicht in einem Betrieb statt. Mehrere Lehrerverbände warnen deshalb vor einer zunehmend schlechteren Unterrichtsversorgung im Land.

Die Vorsitzende des Verbandes Junger Philologen, Imme Husmeier, startete deshalb eine noch bis Mitte Mai laufende Online-Petition. „Wir fordern die Landesregierung darin auf, alle öffentlichen Schulen derart mit Lehrerstellen auszustatten, dass wir eine 100-prozentige Unterrichtsversorgung gewährleisten können“, sagte sie. Bislang haben diese bereits mehr als 2000 Menschen unterzeichnet.

Nach Angaben der Lehrerverbände sind die Gymnasien vom Stellenabbau an den Schulen besonders betroffen. „Hier werden einige Jahrgänge verheizt“, kritisierte der Philologenverbands-Chef Helmut Siegmon. An einigen Schulen betrage der Unterrichtsausfall bereits 20 Prozent und mehr.

Die CDU-Bildungspolitikerin Heike Franzen warf Bildungsministerin Wende vor, den Unterrichtsmangel im Land zu verschärfen. „Ich kann verstehen, dass die Lehrkräfte auf der Zinne sind“, sagte sie. Die Landesregierung schaffe ständig neue Bedarfe und ziehe dafür an anderer Stelle dringend benötigte Lehrerstellen und finanzielle Ressourcen ab. „Das haben wir bei den neu geschaffenen Oberstufen an Gemeinschaftsschulen erlebt. Und wir erleben es jetzt bei der Lehrerausbildung“, sagte sie.

Die FDP-Bildungspolitikerin Anita Klahn warf der Koalition vor, die begrenzten Ressourcen zu verschwenden. Nach Ansicht des SPD-Bildungspolitikers Martin Habersaat wird sich die Lage an den Schulen in den kommenden Jahren dagegen verbessern. Grund sei, dass die Koalition nur die Hälfte der Stellen abbaue, die wegen des Schülerrückgangs abgebaut werden könnten. Die andere Hälfte fließe in die Verbesserung der Unterrichtsversorgung, sagte er.

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