Kampf gegen Unterrichtsausfall in SH : SH holt Lehrer aus dem Ruhestand

Bereits im Januar hatte die Ministerin 300 kurz vor der Pensionierung stehenden Lehrkräften ein Angebot unterbreitet.
Bereits im Januar hatte die Ministerin 300 kurz vor der Pensionierung stehenden Lehrkräften ein Angebot unterbreitet.

1900 pensionierte Lehrkräfte bekamen Post von der Bildungsministerin. Die „Seniorexperten“ sollen an den Schulen in Schleswig-Holstein aushelfen – wegen des Mangels an qualifizierten Nachwuchskräften.

shz.de von
17. März 2014, 20:34 Uhr

Kiel | Schulen in Schleswig-Holstein sollen im Kampf gegen Unterrichtsausfall in Zukunft auf „Seniorexperten“ zugreifen können. Bildungsministerin Waltraud Wende (parteilos) hat dazu 1900 pensionierte Lehrkräfte angeschrieben, die seit Mitte des Jahres 2012 in den Ruhestand gegangen sind. Sie würde sich „freuen, die eine oder den anderen von Ihnen für einen ... begrenzten Einsatz im Unterricht gewinnen zu können“, heißt es in einem Schreiben Wendes an die Ruheständler, das unserer Zeitung vorliegt.

Die Ministerin begründet den „außergewöhnlichen Schritt“ mit dem bundesweiten Mangel an qualifizierten Nachwuchskräften vor allen in Mangelfächern. Dazu zählen die mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächer. Ziel sei es, Schulen für plötzlich eintretende, zeitlich befristete Vertretungssituationen rasch und unbürokratisch berufserfahrene Vertretungslehrkräfte an die Seite zu stellen, so Wende.

Bereits im Januar hatte die Ministerin 300 kurz vor der Pensionierung stehenden Lehrkräften ein entsprechendes Angebot unterbreitet. Immerhin 32 Seniorexperten signalisierten ihre Bereitschaft, den Ruhestand zeitweise wieder mit den Klassenraum zu tauschen. Wer diesen Schritt geht, darf bis zu 4800 Euro im Jahr dazuverdienen, ohne dass dies zu Kürzungen des Ruhegehalts führt. Die Operation ist Teil eines  Konzepts zur Vermeidung von Unterrichtsausfall. Dazu gehört auch eine „mobile Vertretungsfeuerwehr“, in der 80 Lehrkräfte, die bisher nur befristete Verträge erhielten, unbefristet beschäftigt werden.

Kritik kam von der CDU. „So lange die Bildungsministerin den Einsatz einer Vertretungskraft erst nach drei Wochen Krankheit genehmigt, wird auch diese Maßnahme verpuffen“, sagte die Bildungspolitikerin Heike Franzen. Die zunehmenden Beschwerden über Unterrichtsausfall „beweisen, dass Wendes Konzept vorne und hinten nicht reicht.“ Franzen erinnerte daran, dass die  Rahmenbedingungen zur Reaktivierung pensionierter Lehrkräfte von der CDU-geführten Vorgängerregierung geschaffen worden seien. Es sei „schade, dass die Ministerin dieses Potenzial erst jetzt erkennt“.

Die Lehrergewerkschaft GEW sprach von einer Notmaßnahme, „um das Elend zu managen“. Allerdings sei das Modell „Seniorexperte“ besser, „als irgendwen in den Unterricht zu schicken“, sagte Geschäftsführer Bernd Schauer. Längerfristig seien die Probleme der Schulen damit aber nicht zu lösen.

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