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Ländervergleich : SH hinkt bei der Bildung hinterher

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Für die Bildung bekommt SH im Ländervergleich nur mäßige Noten. Klassenbester ist das Land nur beim Thema Bildungsgerechtigkeit.

shz.de von
erstellt am 19.Aug.2014 | 14:55 Uhr

Kiel | Schleswig-Holsteins Bildungssystem ist im Vergleich der Bundesländer eher unteres Mittelmaß. Das geht aus dem gestern veröffentlichen Bildungsmonitor 2014 hervor. In der Studie des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) verlor Schleswig-Holstein gegenüber der Vorjahresstudie einen Platz und landete auf Rang 12.

Das leistungsfähigste Bildungssystem hat laut Monitor Sachsen, am Ende des Rankings steht Berlin. Der Bildungsmonitor stützt sich auf Daten der Jahre 2011 und 2012. Die Studie bewertet anhand von zwölf Handlungsfeldern und 93 Indikatoren, inwieweit ein Bundesland Bildungsarmut reduziert, zur Fachkräftesicherung beiträgt und Wachstumskräfte stärkt. Schleswig-Holstein schneidet in den untersuchten Handlungsfeldern unterschiedlich ab. Stärken weist das Land bei den Handlungsfeldern Zeiteffizienz (Platz 1) und Bildungsarmut (Platz 5) auf.

Verbesserungsbedarf besteht vor allem bei der Internationalisierung (Platz 15), im Bereich Hochschule und bei den sogenannten MINT-Fächern Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik (15) der Förderinfrastruktur (15), und der beruflichen Bildung (15). Bei der Zeiteffizienz ist das Land bei der Umsetzung des Bologna-Prozesses relativ weit vorangekommen. 2012 begannen laut Studie 77,5 Prozent der Studienanfänger in Schleswig-Holstein einen der neuen Bachelorstudiengänge. Im Bundesdurchschnitt belief sich dieser Anteil auf 74,5 Prozent. Auch die Wiederholerquoten waren demnach 2012 geringer als in den meisten anderen Bundesländern. In den Grundschulen betrug die Wiederholerquote 0,3 Prozent und war damit die zweitniedrigste aller Bundesländer.

Schleswig-Holstein steht dem Monitor zufolge vor großen demografischen Herausforderungen. Das Land hat durch Fortschritte im Bildungssystem in den letzten Jahren in hohem Maße zur Fachkräftesicherung beigetragen und das Wachstum gestärkt. Seit 2000 haben rund 16.900 Jungakademiker mehr die Hochschulen in Schleswig-Holstein verlassen, als unter der damaligen Absolventenquote zu erwarten gewesen wäre. In den kommenden Jahren, so die Studie, wird sich darüber hinaus die Umstellung auf das Abitur nach 8 Jahren (G8) positiv auszahlen, da die Abiturienten als Hochschulabsolventen oder Fachkräfte ein Jahr eher in den Arbeitsmarkt eintreten können.

Für die Behauptung, durch G8 verschlechtere sich Leistung und Wohlbefinden der Abiturienten, habe man keine Belege gefunden, sagte INSM-Geschäftsführer Hubertus Pellengahr. Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) äußerte die Hoffnung, dass die Ergebnisse zu einer Versachlichung der Debatte über das acht- und neunjährige Gymnasium beitrage. Entscheidend für gute Schule sei nicht die Systemfrage, sondern ein klarer Kurs.

Das Bildungsranking

1. Sachsen: 67,2 Punkte (von 100)

2. Thüringen: 64,3

3. Bayern: 59,6

4. Baden-Württemberg: 57,5

5. Hamburg: 52,5

6. Sachsen-Anhalt: 51,0

7. Hessen :48,3

8. Mecklenburg-Vorpommern: 48,2

9. Niedersachsen: 48,1

10. Rheinland-Pfalz: 49,0

11. Saarland: 47,5

12. Schleswig-Holstein: 44,7

13. Bremen: 44,0

14. Brandenburg: 43,8

15. Nordrhein-Westfalen: 43,6

16. Berlin: 40,9

 

Niedersachsen kehrt ab 2015 auf Druck von Eltern wieder zum neunjährigen Gymnasium zurück. In Hamburg findet Mitte September eine Volksinitiative statt. Ein solches Volksbegehren war in Bayern zuvor gescheitert, gleichwohl werden mit Eltern, Lehrern und Hochschulen Reformen am Gymnasium diskutiert. Schleswig-Holstein hat Ausnahmen von G8 zugelassen.

Im Kieler Bildungsministerium hieß es, dass der 12. Platz nicht die ganze Leistungskraft des Bildungssystems wiedergebe, Die Studie habe sich auf eine ökonomische Sichtweise beschränkt, da im Fokus die Sicherung der Fachkräfte für die Wirtschaft liege. Positiv aufgenommen wurden die Spitzenwerte für die Bildungsgerechtigkeit und die geringsten Wiederholerquoten an den Schulen. Weiter sagte eine Ministeriumssprecherin: „Durch die Ausführungen der Studie zum Thema G8 fühlen wir uns darin bestätigt, beide Wege anzubieten, sowohl G8 im Regelfall an den Gymnasien wie auch G9 an den Gemeinschaftsschulen mit Oberstufe. Die Hinweise, dass Schleswig-Holstein besser werden sollte bei der Internationalisierung und bei den Prüfungen in der beruflichen Bildung nehmen wir ernst.“

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