Neubau von Windkraftanlagen : SH erzielt Rekord bei der Energiewende

159 neue Windräder sind seit Januar in Schleswig-Holstein entstanden.
159 neue Windräder sind seit Januar in Schleswig-Holstein entstanden.

Schleswig-Holstein baut bereits im ersten Halbjahr 2014 mehr Windanlagen als jemals zuvor in einem gesamten Jahr.

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30. Juli 2014, 06:39 Uhr

Kiel/Berlin | In Schleswig-Holstein ist  in der ersten Hälfte dieses Jahres mehr Leistung an Windenergie installiert worden als jemals zuvor in einem ganzen Jahr. Von Januar bis Juni waren es 443 Megawatt, 15 Megawatt mehr als von Januar bis Dezember 2013. Bereits das war ein Rekord - für ein Gesamtjahr. 

159 neue Windräder sind seit Januar bereits in SH entstanden – das ist jedes vierte in der gesamten Republik. Das Eiltempo hat dabei gleich zu einem weiteren Rekord beigetragen: Mit 29 Prozent ist der Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromproduktion im ersten Halbjahr 2014 so hoch wie noch nie gewesen. Ein Drittel davon erzeugen Windräder.

„Die Bereitschaft zur Energiewende ist in Schleswig-Holstein sehr groß“, lobte am Dienstag der Präsident des Bundesverbands Windenergie, Hermann Albers, bei der Vorstellung der Zahlen in Berlin. Der Grund für den Ausbaurekord liege vor allem darin, dass die Landesregierung die Windkraftflächen zuletzt verdoppelt hat. Daneben machte Albers Vorzieheffekte wegen der künftigen Kürzungen im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) für den Boom verantwortlich: „Da die Investoren unsicher waren, was das EEG 2014 bringen würde, haben sie Windkraftprojekte mit Hochdruck realisiert.“

So kommt es, dass die Windkraftbranche für dieses Jahr ein deutliches Überschreiten der von der großen Koalition eingeführten Ausbau-Obergrenze von 2500 Megawatt Leistung erwartet. Laut Albers werden die Windmüller voraussichtlich bundesweit rund 3500 Megawatt neu aufstellen – so viel wie noch nie. Konsequenzen hätte das aber noch keine: Die gesetzliche Obergrenze gilt erst ab nächstem Jahr. Wird sie dann erneut überschritten, würde die Vergütung für neue Windräder ab 2016 gekürzt. Möglich ist das: Albers geht für 2015 zwar von einem geringeren Wachstum aus als in diesem Jahr, aber rechnet immerhin mit 3000 Megawatt Zubau.

Gleichzeitig warnte Albers erneut vor den ab 2017 geplanten Ausschreibungen für Windparks, wie sie in anderen EU-Staaten üblich sind. Durch die aufwendigen Verfahren würden nicht nur Bürgergenossenschaften abgeschreckt. Vielmehr sei auch keineswegs sicher, dass die Förderkosten sinken: „Viele Ausschreibungsländer liegen deutlich über dem deutschen Niveau.“

Kommentar: Toller Erfolg – bitte nicht wiederholen

Das ist ein toller Rekord: In einem halben Jahr hat Schleswig-Holstein so viel neue Windkraftleistung installiert wie bisher noch kein Land in einem ganzen! Damit wird der Kieler Energieminister Robert Habeck dieses Jahr locker sein Ziel erreichen, den Strombedarf des ganzen Landes rechnerisch komplett aus  hiesigen erneuerbaren Quellen decken zu können. Ein schöner Erfolg – nicht nur für Habeck und seine Küstenampel, sondern auch für die schwarz-gelbe Vorgängerregierung, die die Verdopplung der Windkraftflächen schon vorantrieb.

Allerdings sollte es in diesem Affenzahn nicht weitergehen. Oder erst dann, wenn der Netzausbau Schritt hält. Noch aber sind die Stromautobahnen für den Transport der Windenergie in Richtung Süden lange nicht fertig. Würde der Windkraftausbau daher in diesem Rekordtempo fortgesetzt, wäre zu befürchten, dass immer mehr Strom vergeblich produziert würde, weil er keine Abnehmer findet. Das wäre nicht nur volkswirtschaftlich unsinnig, sondern triebe auch die Kosten für die Verbraucher in die Höhe.

Dass es so wohl nicht kommen wird und sich der Ausbau nicht im Eiltempo fortsetzt, liegt nicht nur an der neuen Obergrenze, die Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel durchgesetzt hat. Vielmehr wird das Land nicht noch mal  in größerem Umfang neue Flächen freigeben können. Denn auch in vielen Orten Schleswig-Holsteins gibt es   Widerstand gegen Windräder. Und der wird noch wachsen, wenn ab 2017 tatsächlich bei Ausschreibungen nur noch Großinvestoren statt lokaler Bürgergenossenschaften als Windparkbetreiber zum Zuge kommen.

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