zur Navigation springen

Einsparungen bei der Polizei : SH: Erneuter Angriff auf den Verkehrskasper

vom

„Bei Rot da musst du stehen, bei Grün da darfst du gehen!“ Seit 60 Jahren bringen Polizeipuppenbühnen Kindern Verkehrsregeln bei. Nun droht dem Verkehrskasper wieder einmal das Aus.

Kiel | Regelmäßig kämpft er in schleswig-holsteinischen Kindertagesstätten gegen Verkehrsrüpel und bringt dem Nachwuchs bei, sich im Straßenverkehr richtig zu verhalten. Doch jetzt scheint der Verkehrskasper selbst in Gefahr zu sein. Denn im Zuge der von der Landesregierung beschlossenen Einsparungen, sollen bei der Polizei 122 Stellen gestrichen werden. Und darunter könnten sich auch die neun Beamten befinden, die derzeit samt Puppenbühne und Kasper durchs Land reisen, um in Kitas und Schulen Verkehrsunterricht zu geben.

Im Herbst will Innenminister Andreas Breitner entscheiden, welche Stellen dem Rotstift zum Opfer fallen. Derzeit warte der SPD-Politiker noch auf eine Vorlage von Landespolizeidirektor Ralf Höhs, wie Thomas Giebeler, Pressesprecher des Innenministeriums, mitteilte. Einsparpotenziale sieht Höhs im Bereich der IT-Dienstleistungen, bei der Wasserschutzpolizei und der Verkehrsüberwachung – zu der auch der Verkehrskasper gehört.

Auch für die Gewerkschaft der Polizei (GdP) ist ein Ende der Verkehrserziehung per Puppe kein Tabu. Zwar besitze die Arbeit der Beamten einen hohen Wert, doch müsse im Zuge der verordneten Einsparungen überlegt werden, ob die Arbeit durch die Polizei geleistet werden muss, sagte der GdP-Landesvorsitzende Manfred Börner. Börner machte allerdings deutlich, dass er Stellenkürzungen grundsätzlich für falsch halte. Zudem lobte er die Arbeit der Beamten in der Verkehrserziehung ausdrücklich: „Sie ist ein großer Erfolg, gerade was die Nachhaltigkeit betrifft.“ Dennoch: So gut die Arbeit auch sei, sie gehöre nicht zu den Kernaufgaben der Polizei, so Börner. Und weiter: „Das ist Bildungsarbeit.“ Entsprechend müsse überlegt werden, die Verkehrserziehung aus dem Bildungshaushalt zu finanzieren. Letztlich handele es sich bei der Frage aber um eine politische Entscheidung.

Die Diskussion um den Verkehrskasper ist nicht neu. Zwei Mal gab es in den vergangenen zehn Jahren bereits Überlegungen, die Puppe abzuschaffen. 2004 plante der damalige Innenminister Klaus Buß (SPD), die Kosten für die Puppenbühnen einzusparen. Doch massive öffentliche Kritik verhinderte das Vorhaben. Der nächste Vorstoß folgte 2010 – initiiert unter anderem vom Landespolizeiamt. Doch der damalige CDU-Innenminister Klaus Schlie machte sich für den Kasper stark und stoppte Pläne, die Verkehrserziehung zu beenden.

Nun also der erneute Angriff auf den Verkehrskasper – und das vor dem Hintergrund, dass die Zahl der bei Verkehrsunfällen verletzten Kinder zwischen sechs und zehn Jahren im vergangenen Jahr um 6,7 Prozent gestiegen ist. Laut Verkehrssicherheitsbericht waren insgesamt 1216 Kinder an Verkehrsunfällen beteiligt. 15 mehr als noch 2012. Weiter heißt es in dem Bericht: „Die Präventionsarbeit muss weiterhin konsequent fortgesetzt werden.“ Herausgeber ist übrigens das Landespolizeiamt.

Bereits 1949 hatte ein Hamburger Polizeidirektor die Idee, den Verkehrsunterricht mittels Handpuppen durchzuführen. Fünf Jahre später folgte auch Schleswig-Holstein diesem Beispiel. 1954 wurde die erste Polizeipuppenbühne in Neumünster eingerichtet. Es folgten weitere in Flensburg und in Bad Oldesloe. 2013 haben die Puppenbühnen 570 Kitas besucht und damit mehr als 20000 Kinder erreicht.
zur Startseite

von
erstellt am 04.Aug.2014 | 18:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen