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Selbstbestimmung für Todkranke : SH diskutiert über Sterbehilfe

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Bundestagsabgeordnete wollen Ärzten die Entscheidung freistellen. Die Kirchen haben eine andere Meinung dazu.

Kiel | Die Debatte über die organisierte Sterbehilfe in Deutschland schlägt auch in Schleswig-Holstein hohe Wellen. „Unser Ziel ist die menschenwürdige Begleitung im Sterben und nicht die Hilfe zum Sterben“, stellte  Franz-Joseph Bartmann, Chef der Ärztekammer Schleswig-Holstein, gestern  in Bad Segeberg klar.

Doch laut eines Eckpunktepapiers, das eine Gruppe von SPD- und Unions-Abgeordneten um den Bundestagsvizepräsidenten Peter Hintze  (CDU) vorgestellt hat, soll es  Ärzten auf freiwilliger Basis erlaubt sein, „sterbenskranken Menschen zu helfen, selbst aus dem Leben zu scheiden, friedlich zu entschlafen“.  Diese Frage müsse aber ausschließlich im Vertrauensverhältnis zwischen Patient und Arzt beantwortet werden.

Die Bundestagsabgeordneten wollen  organisierte Sterbehilfe verbieten, das Selbstbestimmungsrecht todkranker Menschen aber stärken. Der Mensch am Ende seines Lebens müsse – bei starken Schmerzen – „selbst bestimmen, was er noch ertragen kann“, sagte Hintze  in Berlin bei der Vorstellung des  Eckpunktepapiers. Organisierte Einrichtungen wie Sterbehilfevereine lehnt die Gruppe ab.

Einer dieser Vereine ist Dignitas Deutschland, der auch Menschen bei dem Weg in die Schweiz begleitet, wo sie dann mit Sterbehilfe aus dem Leben scheiden. „Dieser Weg steht den Menschen auch noch offen, wenn es unseren Verein nicht mehr geben sollte“, sagte die 2. Vorsitzende Sabine Laube. 

Rund 3000 Mitglieder zähle der Verein, etwa 100 pro Jahr würden den Weg in die Schweiz antreten.   „Die Menschen wollen aber nicht in die Schweiz, die wollen zu Hause sterben“, sagte Laube. Sie  begrüßt, dass sich der Bundestag mit dem Thema befasst, und am 13 November weiter diskutiert. Die Abstimmung über ein neues Gesetz wird jeder Abgeordnete ohne Fraktionsdisziplin treffen können. Laube: „Das Ende ist offen.“

Schwer tun sich die Kirchen im Norden mit einer Beurteilung des Vorschlages. In der Vergangenheit hatte sich die katholische Kirche immer gegen die Unterstützung bei Selbsttötungen ausgesprochen.  „Menschen können so verzweifelt sein, dass sie für sich keinen anderen Weg sehen als Sterbehilfe in Anspruch zu nehmen. Wir setzen uns für eine menschenwürdige Sterbebegleitung ein. Dazu gehört eine (palliativ-)medizinische, fürsorgende und seelsorgliche Betreuung bis zum Ende des Lebens“, sagt Manfred Nielen, Sprecher des katholischen  Erzbistums Hamburg.

Ähnlich sieht das die Nordkirche. Bischöfin Kisten Fehrs: „Mein Blick richtet sich eher auf Sterbebegleitung als auf Sterbehilfe. Fatal fände ich es, wenn es in der Debatte nur darum ginge, ob und unter welchen Bedingungen der Tod gezielt und aktiv herbeigeführt werden darf.“

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erstellt am 16.Okt.2014 | 21:53 Uhr

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