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Land der Windkraft : SH als Vorreiter der Energiewende

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Die Energiewende gerät ins Stocken: Horst Seehofer will „SuedLink“ stoppen, Ministerpräsident Albig und Energieminister Habeck protestieren. Derweil kommen neue Zahlen zur Windkraft in Schleswig-Holstein und ein weiteres Signal: Die „New Energy“ in Husum.

Kiel | In Schleswig-Holstein sind im vergangenen Jahr 162 neue Windräder gebaut worden, die insgesamt 428 Megawatt leisten. Der Norden steht damit an der Spitze aller Bundesländer, teilte der Bundesverband Windenergie heute in Kiel mit. Der Bundesverband kritisierte unterdessen die geplante Drosselung des Windkraftausbaus durch Sigmar Gabriel (SPD). 

Unterdessen startet in Husum am 20. März die Messe „New Energy“, die mit Pionierleistungen aus dem Bereich der erneuerbaren Energien aufwarten soll. Es werden etwa 300 Aussteller aus 15 Ländern erwartet, die neben Europa auch aus China, Japan, Indien, Südkorea und den USA nach Husum reisen werden. Schwerpunkte werden die Erzeugung und Speicherung erneuerbarer Energien, die Elektromobilität und energieeffizientes Bauen. Vier Tage lang werden die Aussteller ihre Erzeugnisse und Ideen in den vier Messehallen auf einer Gesamtfläche von 16.000 Quadratmetern präsentieren. Die Veranstalter rechnen mit 15.000 Besuchern aus 25 Ländern.

Aus Sicht von Energieminister Robert Habeck hat die Messe Pioniercharakter. Sie zeige "Spürnasencharakter", so Habeck. Angesichts der aktuellen politischen Diskussion kommen die Signale aus dem Norden vielleicht zum richtigen Zeitpunkt.

In den vergangenen Tagen kocht das Thema Energiewende wieder hoch, nachdem das geplante „Suedlink“-Kabel von Schleswig-Holstein nach Bayern insbesondere von Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) torpediert wurde. Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig sagte am Mittwoch, dass der entschlossene Ausbau der Stromnetze unerlässlich sei, wolle man in der Zukunft Treibhausgase und Atomenergie vermeiden.

Albig kritisierte die aktuelle Haltung Seehofers, der fordert, den Netzausbau zunächst zu stoppen. Schleswig-Holsteins Ministerpräsident zeigte sich verärgert, müsse man den Menschen doch „ehrlich und mit Arsch in der Hose sagen, dass der Ausstieg aus der Atomenergie auch Folgen hat, die wir alle persönlich nicht mögen.“ Folgen allerdings, an denen niemand wegen einer Verstrahlung sterben werde.

Grund für die aktuelle Haltung aus Bayern ist die von Sigmar Gabriel geplante Drosselung des Windkraftausbaus. Dem Argument, dass man aus diesem Grunde weniger Netze benötige, widersprach Albig. Seiner Meinung nach sei das „Suedlink“-Kabel das Rückgrat der Energiewende. Rückgrat forderte Albig auch von Bayern. Eine Abkehr von der Energiewende wäre nach Albig verantwortungslos.

Die geplante Trasse soll von Wilster aus an Verden vorbei, zwischen Hannover und Lehrte durch, vorbei an Hildesheim in südwestlicher Richtung an Höxter, Warburg (NRW) und westlich an Kassel vorbeiführen. Von dort an Bad Hersfeld vorbei in Richtung Süden, um hinter Fulda in das bayerische Grafenrheinfeld zu münden. Die Trasse ist eine von drei großen Neubauprojekten im Zuge der Energiewende.

Die bisher veranschlagten Gesamtkosten liegen bei rund zehn Milliarden Euro für insgesamt 36 Ausbau- und Netzverstärkungsprojekte. Kosteneinsparungen, die auf eine überirdische Trassenverlegung abzielen, stoßen bereits auf massive Proteste, weshalb die CSU-Landesregierung in Bayern nun ein Moratorium fordert. Für Ministerpräsident Albig ist klar: „Windenergie braucht aber neue Netze, sonst steht unser Land bald ohne Strom da.“ Auch Energiewendeminister Robert Habeck forderte indes ein Machtwort der Kanzlerin.

Die Bundesregierung wies die Argumentation zurück, mit der von Gabriel angestrebten Ökostrom-Reform ändere sich auch die Geschäftsgrundlage beim Netzausbau. Eigentlich gebe es einen breiten Konsens zwischen Bund und Ländern. Es wäre nun nicht sehr hilfreich, die gesamte Netzarchitektur infrage zu stellen, sagte Gabriels Sprecher.

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erstellt am 06.Feb.2014 | 14:48 Uhr

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