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Niedrige Rente : „Seniorenaufstand“: Rentner in SH wehren sich gegen Altersarmut

vom

Rentner erhöhen den Druck auf die Politik. SPD-Landeschef Ralf Stegner stellt die aktuelle Rentenformel in Frage.

margret kiosz von
erstellt am 19.Apr.2015 | 20:09 Uhr

Kiel | Die Rentner im Norden machen mobil und finden mit ihrer Aktion „Seniorenaufstand“ gegen Altersarmut weit über die Landesgrenzen hinaus Unterstützung. „Seit 20 Jahren werden wir beschimpft, auf Kosten der jüngeren Generationen ein Leben in Saus und Braus zu führen. In Wirklichkeit verschlechtert sich die Lage der allermeisten Senioren von Jahr zu Jahr“, erklärte der Sprecher der Gruppe, Reiner Heyse aus Wattenbek bei Neumünster. Wie groß der Leidensdruck sei, lasse sich an der Welle der Zustimmungen ablesen, die die Aktion ausgelöst hat. Im Internet meldeten sich binnen kurzer Zeit 3400 Unterstützer.

„Die Senioren haben sich bisher kaum gewehrt“, beklagt Heyse. Selbst gegen drastische Verschlechterungen der Rentenleistungen habe es kaum Protestaktionen gegeben. Das soll sich jetzt ändern. „Wer Rentner quält, wird nicht gewählt“, lautet der neue Schlachtruf der Senioren im Norden. Politiker die sich nicht öffentlich dafür einsetzen, dass die sukzessive Absenkung des Rentenniveaus von 53 Prozent im Jahr 2000 auf demnächst 43 Prozent revidiert wird, sollen bei Wahlen abgestraft werden. Dabei ist die Parteizugehörigkeit den Aktivisten von „Seniorenaufstand“ – darunter viele Gewerkschaftsmitglieder – egal.

Leidtragende des „Rentenbeschiss’“ seien nicht nur die heutigen Senioren. „Die Jungen, die 2030 in Rente gehen, sind noch viel stärker betroffen“, erklärt Heyse. Ein Rentner, der 45 Jahre Beiträge auf Durchschnittseinkommen zahlt, bekommt heute noch eine Nettorente von 1139 Euro, wer in 15 Jahren in Rente gehe, erhalte nur noch 1000 Euro. Gegenüber dem Ausgangsniveau im Jahr 2000 sei das eine Absenkung um 19 Prozent. Die gesetzliche Durchschnittsrente (West) beträgt derzeit 734 Euro.

Inzwischen hat auch die SPD eingesehen, dass die Klagen der Senioren berechtigt sind. „Die Herabsetzung des Niveaus auf unter 50 Prozent wird vor allem für Menschen mit unteren und mittleren Einkommen problematisch sein und kann so nicht hingenommen werden“, stellte SPD-Landeschef Ralf Stegner am Wochenende die aktuelle Rentenformel in Frage. Die Rente sei die Anerkennung von Lebensleistung. „Wer sein Leben lang hart gearbeitet hat, verdient auch im Alter ein adäquates Auskommen.“

Der Chef der schleswig-holsteinischen Senioren-Union und langjährige CDU-Bundestagsabgeordnete Wolfgang Börnsen warnt sogar „vor einer Pegida-ähnlichen Protestwelle, falls das explosive Thema nicht zügig und transparent diskutiert wird“. Nötig sei ein „Rentengipfel“ und ein „Rat der Weisen“, der „frei von Lobbyisten der Versicherungswirtschaft und deren interessengeleiteten Gutachter“ endlich Lösungsvorschläge für die Renten- und Generationengerechtigkeit erarbeitet“.

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