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40 Jahre Spezialeinheiten : SEK und MEK: Die spektakulärsten Fälle in SH

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Vor 40 Jahren wurden die Spezialeinheiten der Landespolizei gegründet. Nicht nur einen RAF-Terroristen nahm das SEK fest.

shz.de von
erstellt am 21.Nov.2014 | 14:13 Uhr

Kiel | Die Spezialeinheiten der Landespolizei feiern ihren 40. Geburtstag. Trauriger Anlass für die Gründung des Mobilen Einsatzkommandos (MEK) und des Spezialeinsatzkommandos (SEK) war der Überfall palästinensischer Terroristen auf die israelische Olympiamannschaft während der Olympischen Spiele 1972 in München. Bei dem gescheiterten Befreiungsversuch kamen elf Geiseln, fünf der acht Terroristen und ein Polizeibeamter ums Leben.

Während das MEK verdeckte Observationen und die Fahndung übernimmt, ist das SEK für die Festnahme von bewaffneten und gefährlichen Tätern zuständig. In ihren Reihen gibt es Experten für die Erstürmung von Schiffen, Flugzeugen, Bussen und Bahnen sowie Präzisionsschützen. Unterstützt werden beide Gruppen von Spezialisten der Abteilung 5, die sich um die technische Überwachung und die Auswertung von Datenträgern kümmern.

„In Schleswig-Holstein wurde in den 40 Jahren unseres Bestehens nur in fünf Fällen die Schusswaffe gegen Menschen eingesetzt“, sagt Polizeidirektor Dirk Keller, Leiter der Abteilung 5 im Landeskriminalamt und damit Chef der Spezialkräfte. Dies sei ein Zeichen der hohen Professionalität der rund 100 Beamten. Das waren die spektakulärsten Fälle in Schleswig-Holstein:

Festnahme von Top-Terroristen

Foto: dpa
Foto: dpa
 

16. November 1982: Festnahme des Top-Terroristen Christian Klar an einem RAF-Waffendepot im Sachsenwald. Drei Wochen lang hatten die SEK-Männer in Erdlöchern gesessen und das entdeckte Depot observiert. Christian Klar, Kopf der Roten Armee Fraktion, hatte eine kleine Gartenschaufel bei sich, ein Fernglas, eine durchgeladene und entsicherte Automatikpistole vom Typ „Colt Commander“ sowie 465 D-Mark, die von einem Überfall in Bochum stammten. Er ließ sich widerstandslos festnehmen. Im Waffendepot lagen Revolver, Maschinenpistolen und gefälschte Ausweise.

Geiselnehmer im Knast überwältigt

Foto: dpa
Foto: dpa
 

1. Juli 1997: Ein Geiselnehmer in der Justizvollzugsanstalt Lübeck-Lauerhof wird überwältigt. Häftling Heiko S., damals 23 Jahre alt, hatte Anstaltspsychologin Meike Wille mit einem Messer bedroht, um seine Freilassung zu erpressen. Er drohte, die Ehefrau von Barschel-Ermittler Heinrich Wille zu töten. Die SEK-Beamten fuhren einen Fluchtwagen vor. Der 5er BMW war allerdings präpariert. Kurz hinter dem Anstaltstor wurde die Benzinzufuhr unterbrochen, im Wageninneren explodierte eine Blendgranate. Heiko S. wurde überwältigt, die Geisel in Sicherheit gebracht.

Panzerknackerbande überrumpelt

Foto: Krüger
Foto: Krüger
 

12. Dezember 2005: Getarnt mit Horrormasken besprühte die „Panzerknacker“-Bande die Überwachungskameras von Banken, sprengte dann die Geldautomaten in die Luft. Zehn waren es insgesamt. In Breitenfelde (Kreis Herzogtum Lauenburg) flog die Fassade mit auf die Straße. In Malliß (Mecklenburg-Vorpommern) griff schließlich das SEK zu und überwältigte die sechs Männer, als sie in einer Sparkasse gerade den Automaten für einen weiteren Coup präparierten. Einer der Täter zog eine Pistole. Als er auf die Rufe „Waffe weg“ nicht reagierte, schoss ihm ein SEK-Beamter in den Oberschenkel. 

„Kofferbomber“ in Kiel gefasst

Foto: dpa
Foto: dpa
 

19. August 2006: Festnahme des „Kofferbombers“ am Kieler Hauptbahnhof. Der Kieler Mechatronik-Student Youssef Mohamad El-Hajdib (21) aus dem Libanon hatte mit einem Komplizen zwei Bomben aus  Gasflaschen  gebaut. In einem Rollkoffer deponierte der Student eine davon am Kölner Hauptbahnhof in der Regionalbahn nach Koblenz. Beide Bomben zündeten konstruktionsbedingt nicht. Drei Wochen nach den fehlgeschlagenen Anschlägen wollte sich der Gotteskrieger nach Skandinavien absetzen. Im Kieler Hauptbahnhof wurde er von Spezialkräften überwältigt, MEK-Beamte hatten ihn an seinem Gangbild erkannt.

Razzia gegen Rockerclub

Foto: sh:z
Foto: sh:z
 

24. Mai 2012: Razzia gegen den Rockerclub „Hells Angels“. Über 1200 Polizisten waren in Norddeutschland im Einsatz. Durchsucht wurden Bordelle, Gaststätten und Wohnungen. Im Fokus der schleswig-holsteinischen Spezialkräfte stand der Präsident der Kieler „Hells Angels“. Im Morgengrauen sprengen sie seine Haustür im Obergeschoss aus den Angeln, überwältigen den damals 41-Jährigen. Auch vier weitere führende Köpfe des verbotenen Charters (Ortsvereins) wurden verhaftet. „Wir waren so schnell, dass kein Widerstand möglich war“, sagte der Leitende Polizeidirektor Joachim Gutt nach dem Einsatz.

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