UKSH : Schwarze Null ist nur die halbe Wahrheit

Rote Zahlen schrieb das UKSH Jahre lang. Nach einer Sanierung hat es stolz eine "schwarze Null" verkündet. Doch das ist nicht die ganze Wahrheit.

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14. Februar 2011, 09:04 Uhr

Kiel | Der Patient ist auf dem Weg der Genesung, lautete Freitag die Botschaft von Wissenschaftsminister Jost de Jager (CDU). Das Uniklinikum Schleswig-Holstein setze seinen "stabilen Wachstumskurs fort" und schreibe mit einem Jahresergebnis von 500.000 Euro endlich keine roten Zahlen mehr. "Die schwarze Null ist unter den Bedingungen des Wirtschaftsplans 2010 erreicht worden", so de Jager.
Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Rückstellungen für Altersteilzeit und Abfindungen in Höhe von knapp 6,7 Millionen Euro wurden "vor die Klammer gezogen", wie de Jager zugab. Außerdem wurde der Landeszuschuss für die akademische Ausbildung am Klinikum um 5,4 Millionen Euro gekürzt. De facto geht das Krankenhaus der Maximalversorgungen mit seinen 1000 Mitarbeitern in Kiel und Lübeck also mit einem Jahresfehlbetrag von über elf Millionen Euro aus dem Jahr 2010. Gleichzeitig wächst der Schuldenberg (Verlustvortrag) auf 120 Millionen Euro, nach 90 Millionen vor drei Jahren.
Umstrittene Fallpauschalen
Erst kürzlich hatte UKSH-Chef Jens Scholz das strukturelle Defizit des Klinikums auf 30 Millionen Euro beziffert. Schuld sind die umstrittenen Fallpauschalen. Würde das Klinikum für seine Leistungen genauso viel Geld bekommen wie zum Beispiel die Kliniken in Rheinland-Pfalz, "hätten wird 37 Millionen Euro mehr in der Tasche", gab Scholz zu Bedenken. Zudem verliert das UKSH durch die schlechte Baustruktur jährlich 30 Millionen Euro.
Bei der Sanierung hat der Vorstand jedoch einiges erreicht. "Die Wachstums- und Ergebnisziele haben wir deutlich übertroffen", so Scholz. So sei die Zahl der stationären Patienten um 2,8 Prozent auf 93.120 gestiegen, der Personalaufwand nur um knapp ein Prozent. Das sei nur durch Arbeitsverdichtung, Optimierung der Abläufe und den Beitrag des Personals im Rahmen des Sanierungstarifvertrages möglich geworden.
Ob der "Patient UKSH" jemals seine Krücken wegschmeißen kann, bleibt allerdings fraglich. Bereits im kommenden Doppelhaushalt will die Landesregierung die Zuweisungen erneut um jeweils fünf Millionen Euro kürzen - also den eigenen Haushalt entlasten und das Defizit der Klinik erhöhen. Auch die Frage, wie der Investitionsstau (700 Millionen) aufgelöst werden soll, ist offen. Erste Weichen könnten am Dienstag gestellt werden, wenn das Kabinett über das Markterkundungsverfahren im Vorfeld der von der Koalition vorangetriebenen Privatisierung berät. Bis 2015 kommt allerdings ein vollständiger Verkauf nicht in Frage. Eine andere Option wäre, dass private Investoren notwendige Bauten finanzieren und an das Klinikum vermieten.

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