zur Navigation springen

„Fachplan Küstenschutz“ : Schutzbedürftig: 536 Kilometer Ostseeküste in SH

vom

Steilufer brechen ab, Sturmfluten fressen Küstenabschnitte, der Meeresspiegel steigt: Wie sich Schleswig-Holsteins Ostseeküste seit den ersten Messungen 1872 verändert hat, dokumentiert der „Fachplan Küstenschutz Ostseeküste". Und er soll in Zukunft helfen.

shz.de von
erstellt am 07.Feb.2014 | 15:42 Uhr

Als „Meilenstein“ für den Küstenschutz hat Schleswig-Holsteins Umweltminister Robert Habeck (Grüne) die erste Gesamtanalyse der 536 Kilometer Ostseeküste Schleswig-Holsteins gewürdigt. Der politische Mehrwert des Mammutwerks bestehe darin, eine objektiven Bezugsrahmen zu liefern für Diskussionen über notwendige oder auch verzichtbare Küstenschutzmaßnahmen, sagte Habeck am Freitag in Kiel bei der Präsentation. „Die Sinnhaftigkeit von Küstenschutzmaßnahmen lässt sich einschätzen.“ 

Der „Fachplan Küstenschutz Ostseeküste“ wurde gleichzeitig im Internet veröffentlicht. Auf eine gedruckte Fassung der umfassenden Dokumentation mit Grafiken und Fotos hat das Ministerium verzichtet. Sie wäre so dick wie ein Telefonbuch, so Habeck. Der Fachplan solle in Zukunft fortgeschrieben und immer wieder aktualisiert werden. Den Fachplan finden Sie hier.

Der Report liefere Basiswissen für die Frage, wie Küstenschutz angesichts steigender Meeresspiegel in Zukunft gestaltet werden müsse, betonte der Minister. Auch die Kommunen können darauf zurückgreifen.

Experten des Landesbetriebs für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz arbeiteten fünf Jahre an dem Fachplan. Vergleichbare Fachpläne gibt es bisher nur für die Nordseeinseln Sylt, Amrum und Föhr. Für das Wattenmeer ist ein Fachplan in Arbeit.

„Das Faszinierende an der Ostseeküste ist ihr stetiger Wandel“, betonte Habeck. Küstenschutz bedeute hier, der Natur so viel Raum wie möglich zu geben. Die Ostseeküste lebe vom ständigen Wechsel von Abbruch und Anlandung. „Der Fachplan hilft, Küstenschutzmaßnahmen jeweils so zu planen, dass sie möglichst geringe Auswirkungen auf benachbarte Küstenabschnitte haben“, sagte Habeck. Es sollte so wenig Eingriffe wie möglich erfolgen, aber so viele wie nötig.

Im 20. Jahrhundert ist der Meeresspiegel der Ostsee um 15 Zentimeter und der Nordsee um 20 Zentimeter gestiegen. Für das 21. Jahrhundert rechnen Experten mit einem Anstieg um 30 bis 80 Zentimeter - abhängig von der Klimaerwärmung. Das Kieler Ministerium geht in seinen Planungen von einem Mittelwert von 50 Zentimetern aus.

Ein Drittel der Landeschutzdeiche werde verstärkt werden müssen, sagte der Leiter der Abteilung Küstenschutz, Dietmar Wienhold. Ein besonderes Problem sei bei der Ostsee, dass Hochwasser bei Stürmen nicht wie in der Nordsee durch den Tiedenhub so schnell wieder sinke. In der Vergangenheit habe sich Hochwasser - etwa bei der Schneekatastrophe 1978 - bis zu vier Tage und Nächte gehalten.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen