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Ohne Abschluss : Schulen in SH machen es ausländischen Kindern schwer

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

In Schleswig-Holstein werden weniger ausländische Schüler ins Bildungssystem integriert. Die Zahl der Abbrecher steigt. Das geht aus neuesten Zahlen des Bildungsmonitors hervor.

Die Schulen in Schleswig-Holstein sind offenbar besonders schlecht für das Unterrichten der in rasch wachsender Zahl kommenden Flüchtlingskinder vorbereitet – denn kaum ein Bundesland hat ausländische Schüler in jüngster Zeit mit weniger Erfolg ins Bildungssystem integriert als das nördlichste. Das geht aus Daten des „Bildungsmonitors 2015“ hervor, den die arbeitgebernahe „Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft“ gestern in Berlin vorgestellt hat.

Während demnach von den deutschen Schülern in Schleswig-Holstein zuletzt nur jeder vierzehnte ohne Abschluss blieb, war es von den ausländischen gleich jeder siebte. Besonders dramatisch: Der Anteil der ausländischen Schulabbrecher ist binnen Jahresfrist sogar deutlich gestiegen – ein Jahr zuvor verließ nur jeder neunte die Schule erfolglos. „In Schleswig-Holstein“, kritisierte Stiftungschef Hubertus Pellengahr, „ist die Quote signifikant nach oben gegangen.“ Sie ist inzwischen sogar höher als in jedem anderen westdeutschen Bundesland. Nur in den Ost-Ländern Sachsen, Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern haben es ausländische Jugendliche noch schwerer (siehe Tabelle).

Abbrecher: Anteil unter ausländischen Schülern
Land Prozent
Brandenburg 6,0
Hamburg 9,5
Hessen 9,7
Saarland 9,8
Baden-Württemberg 10,0
Nordrhein-Westfalen 10,2
Rheinland-Pfalz 10,3
Bundesdurchschnitt 10,7
Bayern 10,9
Berlin 12,5
Bremen 12,7
Sachsen-Anhalt 12,9
Niedersachsen 13,7
Schleswig-Holstein 13,9
Thüringen 15,1
Sachsen 15,2
Mecklenburg-Vorpommern 16,9
Quelle Bildungsmonitor 2015

Hinzu kommt in Schleswig-Holstein, dass es für ausländische Schüler auch beim Abitur schlecht aussieht: Während fast jeder dritte deutsche Jugendliche an den allgemeinbildenden Schulen des Landes die Hochschulreife schafft, ist es bei den Ausländern nur jeder neunte. Auch mit dieser dürftigen Quote liegt das Land weit hinten auf Platz zwölf der Bundesländer. „Auf Seiten der Politik ist deutlich mehr Ehrgeiz gefordert“, mahnte Pellengahr die Schleswig-Holsteiner. Dies sei schon aus dem „ganz eigennützigen Interesse“ des Landes nötig, dass es künftig wegen des steigenden Fachkräftemangels mehr Zuwanderer für den Arbeitsmarkt brauche. „Nur dort, wo Integration funktioniert, lassen sich Zuwanderer gern nieder“, sagte Pellengahr. Wie es besser geht, zeigt Hamburg: Dort schafft fast jeder dritte ausländische Schüler das Abi.

Die Kieler Bildungsministerin Britta Ernst räumte ein, dass die hohe Zahl der Schulabbrecher „weiter eine der großen aktuellen Herausforderungen“ im Land sei. „Wir wollen und müssen an dieser Stelle besser werden“, verkündete die Ministerin, die erst seit einem Jahr im Amt ist. Um nicht zuletzt den neu ins Land kommenden Flüchtlingskindern gute Startchancen zu verschaffen, habe das Land auch schon 125 neue Lehrerstellen für das Fach Deutsch als Zweitsprache (Daz) eingerichtet. „Für die Flüchtlingskinder ist das schnelle Lernen der deutschen Sprache Grundvoraussetzung für Integration und schulischen Erfolg“, sagte SPD-Politikerin Ernst. Sie sei daher „sehr glücklich, dass wir das Daz-System mit rund 100 Daz-Zentren im ganzen Land haben“. Doch auch aufs Erwerbsleben will Ernst die Neuankömmlinge vorbereiten: „Wir haben begonnen, an den regionalen Bildungszentren und den Berufsschulen Angebote zur beruflichen Orientierung für 1200 Flüchtlinge im Alter zwischen 16 und 21 zu schaffen.“

Dass Schleswig-Holstein im jährlich veröffentlichten Bildungsmonitor auch diesmal wieder weit hinten landet auf Platz 13, liegt nicht nur an der bisher schlechten Integration ausländischer Schüler. Vielmehr kritisieren die Studienautoren auch die mangelhafte Unterrichtsversorgung an Gymnasien, die geringe Attraktivität der Universitäten für Studenten anderer Bundesländer und Nationen sowie die niedrige Zahl an Ingenieursabsolventen. Ganz vorn im Bildungsmonitor landen trotz der unzureichenden Ausländerintegration die Länder Sachsen und Thüringen.

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erstellt am 04.Sep.2015 | 17:18 Uhr

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