zur Navigation springen

Bildungsministerin von SH : Schul-Tüv: Britta Ernst legt sich mit Lehrern an

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Inspektoren sollen Schulen testen. So will es Bildungsministerin Britta Ernst. Doch Lehrer kritisieren: Es gibt viel wichtigere Probleme.

Kiel | Als erstes Bundesland führte Schleswig-Holstein 2002 den Schul-Tüv ein. Als alle anderen Kultusminister endlich nachgezogen hatten, schaffte Schleswig-Holstein die Inspektion 2009 wieder ab. In den Augen von Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) war das eine Fehlentscheidung. Mit ihrer Initiative, die Kontrollbesuche durch Schulinspektoren zumindest auf freiwilliger Basis im kommenden Jahr wiederzubeleben, stößt sie jedoch auf wenig Gegenliebe.

Ab Februar 2016 sollen Schulen extern ihre Arbeit beurteilen lassen - auf freiwilliger Basis, aber nach einigen Jahren soll dies verbindlich werden. „Schleswig-Holstein ist das einzige Bundesland, in dem keine externe Evaluation der Schulen mehr stattfindet“, sagt Ernst. „Wir sind da in einem schwarzen Loch.“

Der Nutzen solcher Evaluationen, bei denen ein externes Expertenteam den Unterricht unter die Lupe nimmt und Befragungen von Lehrern, Eltern und Schülern durchführt, sei „erschreckend gering“, erklärte am Donnerstag der Philologenverband. Er empfiehlt der Ministerin, „die kostspielige und arbeitsintensive Neuentwicklung vorerst auf Eis zu legen“. Verbandschef Helmut Siegmon führte als Argument auch die Flüchtlingsproblematik an. „Angesichts der gewaltigen Herausforderung der Integration von mehreren Tausend Flüchtlingskindern in die Schulen und angesichts der Bewältigung der unzureichend kalkulierten Reformfolgen werden alle Kräfte in den Klassenzimmern gebraucht.“ Da könne sich der Norden „eine neue Ressourcen verschlingende Baustelle nicht mehr leisten“. Siegmon verwies darauf, dass durch Vergleichsarbeiten wie VERA und interne Evaluationen die Schulen schon jetzt genug zu tun haben.

Doch Ernst bleibt dabei: Überprüfung von außerhalb sei ein wertvolles Instrument für schulische Arbeit. „Wir brauchen eine Qualitätsstrategie, denn Schule muss auf immer neue Herausforderungen reagieren und sich entwickeln“, sagte sie auf einer Fortbildungsveranstaltung in Kiel. Schon kurz nach ihrem Amtsantritt vor gut einem Jahr hatte sie angekündigt, die Fehler des ersten Systems zu vermeiden. So soll der Schwerpunkt mehr auf dem Unterricht und dem Lernen liegen, der Aufwand für Dokumentationen auf jeden Fall reduziert werden. Zudem soll zunächst keine Schule zur Teilnahme gezwungen werden, wenn im Februar in Hamburg ausgebildete Schulprüfer wieder durchs Land ziehen.

Doch auch für diese Light-Version kann sich die der SPD nahe stehende Lehrergewerkschaft GEW nicht erwärmen und fragt die Ministerin: „Warum sollten sich Schulen dem Prozess einer Evaluation unterziehen, wenn anschließend keine Mittel bereit stehen, um Defizite, zum Beispiel durch Fortbildung, abzubauen?“

Schützenhilfe bekommt Ernst allerdings von den Eltern. „Wir begrüßen die Einführung des Schul-Tüvs, bedauern aber, dass er nur auf freiwilliger Basis erfolgen soll“, erklärt Thomas Hillemann vom Landeselternbeirat der Gymnasien. Die Folgen seien absehbar: „Zum Tüv werden sich nur die guten Schulen anmelden, um sich ihre Leistung bescheinigen zu lassen. Die, die es nötig hätten, werden sich drücken.“

zur Startseite

von
erstellt am 10.Nov.2015 | 07:44 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen