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Kabinettssitzung in Kiel : Schüler geben Torsten Albig Nachhilfe in Flüchtlingspolitik

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Schüler präsentieren Albig & Co Ideen für die Integration von Zuwanderern. Die Jugendlichen sind von dem Treffen ebenso angetan wie der Regierungschef.

shz.de von
erstellt am 01.Mär.2016 | 14:48 Uhr

Kiel | Ganz junge „Regierungsberater“ hat sich der schleswig-holsteinische Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) ins Haus geholt. Zwei Schulstunden lang diskutierten Oberschüler aus Neumünster und Heikendorf (Kreis Plön) am Dienstag mit den Kabinettsmitgliedern darüber, wie Zuwanderer möglichst gut in die Gesellschaft und in den Arbeitsmarkt integriert werden können.

Die Integration von Flüchtlingen ist eine der anspruchsvollsten Aufgaben der Bundes- und Landesregierungen in der Flüchtlingskrise. Die Unterbringung ist eine Seite, die sprachliche und berufliche Integration eine andere. 

Die Schüler warben unter anderem dafür, dass ältere Schüler jüngeren in der Schule die Flüchtlingssituation erklären. In Neumünster wurde das bereits umgesetzt. Auch gemeinsame Behördengänge mit Flüchtlingen, Praktika vorwiegend im Handwerk und eine Subventionierung des Mindestlohns gehören zu den Vorschlägen der Schüler. Sie zeigten sich nach der „Doppelstunde“ vor der regulären Kabinettssitzung ebenso angetan wie Ministerpräsident Torsten Albig. Die Schüler hätten sehr praxisorientierte Ideen eingebracht, sagte der SPD-Politiker.

Die Minister hätten viele Ideen richtig gut gefunden, freute sich Svenja Sachau von der Alexander-von-Humboldt-Schule Neumünster. „Das war eine tolle Veranstaltung“, sagte die 16-Jährige. „Die Diskussion war sehr viel direkter, als ich es am Anfang dachte“, meinte Joshua Fechner (16). „Ich dachte, jeder Minister gibt jetzt einmal seinen Senf dazu.“ Es sei dann aber sehr viel produktiver geworden als gedacht.

„Beide Schulen haben exzellente Präsentationen gemacht“, befand Albig. Sie hätten bewiesen, auf der Höhe der Debatte zu sein, und konkrete Vorschläge zum Aufbau von Internet-Plattformen, zur Organisation von Patenschaften, zur Sprachausbildung oder zur Verteilung von Flüchtlingen im Land unterbreitet. Die Ideen seien für die Landesregierung relevant. Bei Themen wie der Subventionierung von Mindestlöhnen hätten die Schüler auch die politischen Fallstricke gesehen. „Gute Beratungsstunde für das Kabinett“, resümierte Albig.

In Neumünster hätten Oberschüler bereits jüngeren geholfen, die Flüchtlingssituation zu begreifen und sich selber eine Meinung zu bilden, sagte Joshua Fechner. Die Regierung werde jetzt auf alle Schulen im Land zugehen und sie bitten, Bemühungen von Oberstufenschülern unbürokratisch zu unterstützen, „ohne tausend Kontrollen, ohne irgendwelche Zertifikate in den Unterstufen die Welt zu erklären“.

Obwohl er vor dem Abitur stehe, würde er gern Flüchtlingen zum Beispiel bei Behördengängen helfen, sagte Nicolas Voß (19) von der Heinrich-Heine-Schule in Heikendorf. „Das bringt Spaß.“ Die Beteiligung sei freiwillig. „Insofern soll sich keiner gezwungen fühlen, irgendwas da beizutragen - allerdings: Diejenigen, die es gern möchten, die sollen auch unterstützt werden.“

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