Kommentar : Schrumpfende Parteien: Aktiv sein und aktiv sein lassen

Jung und erfolgreich: In Bremen konnte zuletzt die 29-Jährige Lencke Steiner der FDP den Wiedereinzug in die Bürgerschaft sichern.
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Jung und erfolgreich: In Bremen konnte zuletzt die 29-Jährige Lencke Steiner der FDP den Wiedereinzug in die Bürgerschaft sichern.

Überalterung – aber auch eine mangelhafte Förderung junger Mitglieder lassen die Parteien schrumpfen. Ein Kommentar von Stefan Beuke.

shz.de von
31. August 2015, 09:35 Uhr

Es ist nicht witzig für eine Partei wie die CDU, dass sie in den letzten zehn Jahren um knapp ein Drittel geschrumpft ist und damit 8500 Mitglieder verloren hat. Nur zum Verständnis: Das ist in etwa die Größe von Städten und Gemeinden wie Plön, Timmendorfer Strand oder Kappeln an der Schlei. Wenn nur vier Prozent der CDU-Mitglieder jünger als 30 Jahre alt sind, ist die Entwicklung sogar besorgniserregend. Für die CDU, aber auch für die anderen Parteien, die sich – wenn auch in nicht ganz so starkem Maße – allesamt mit dem Problem des Mitgliederschwunds rumschlagen.

Dafür gibt es Gründe: Zum Einen sind die Parteien – vor allem CDU und SPD – überaltert, die Mitglieder sterben weg. Zum Anderen haben die Politiker natürlich recht, wenn sie darauf hinweisen, dass es nicht mehr en vogue ist, sich langfristig zu engagieren. Allerdings muss man auch sehen: Wenn die derzeitigen Verantwortlichen junge Menschen nicht begeistern können, wer dann? Politik ist nicht immer nur spaßig, Politik kann anstrengend sein, in der Politik kann man aber auch Sachen anschieben. Nur: Der Nachwuchs muss – wie alle Parteimitglieder – auch die Möglichkeit dazu bekommen. Die Menschen, die in Parteien aktiv sind, wollen Verantwortung übernehmen, weit über Flyer verteilen und Plakate kleben hinaus – und das ist gut so.

So lässt sich aus dem Mitgliederschwund sogar etwas Positives interpretieren. In den vergangenen Jahrzehnten begnügten sich viele Parteikameraden damit, passiv ihre Solidarität zu zeigen. Sei es durch das Bezahlen des Mitgliedsbeitrags, sei es durch einen Parteiaufkleber am Auto. Das ist heute anders.

Für die Demokratie wäre sogar schon in kleinerem Maße viel gewonnen. Nämlich, wenn die Parteien mit ihren Botschaften und Aktionen die Bürger mobilisieren und sie dafür gewinnen, sich mit ihnen gemeinsam für ein besseres Miteinander und gegen Unrecht einzusetzen. Das, was gerade in Deutschland auf den Straßen passiert, ist das beste Beispiel. Es ist ein riesiger Erfolg, wenn sich die Bürger hier engagieren – auch ohne Parteibuch in der Tasche.

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