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Abi-Traumnoten : Schluss mit Kuschelkurs: Minister wollen mehr Gerechtigkeit an Schulen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Immer mehr Einser-Abschlüsse: Zweifel am Wert der Reifeprüfung wachsen.

shz.de von
erstellt am 11.Jun.2015 | 18:39 Uhr

Kiel | Die Abi-Noten werden immer besser: 2013 stand in Schleswig-Holstein bei 17,6 Prozent der Gymnasiasten eine Eins vor dem Komma – 2014 war das schon bei 20 Prozent der Fall. In den meisten anderen Ländern ist der Anteil der Einser-Absolventen sogar noch deutlich höher. An der Spitze steht Thüringen mit 37,8 Prozent. Da die Abiturienten bundesweit um Studienplätze konkurrieren, haben die Noten-Unterschiede eine Debatte über Chancengleichheit und Wertigkeit des Abis entfacht.

„Irritierend“ findet die Traumnoten der Geschäftsführer der Lehrer-Gewerkschaft GEW, Bernd Schauer. „Da sollte man bei der Vergabe von Studienplätzen lieber losen statt sich auf fragwürdige Noten zu verlassen.“ Trotz der besseren Noten auch in Schleswig-Holstein bringen die Schüler aus fast allen anderen Ländern einen noch besseren Abi-Schnitt mit. Nur in Rheinland-Pfalz und Niedersachsen ist der Notendurchschnitt schlechter.

Der Vorsitzende des Philologenverbands, Helmut Siegmon, sieht trotz immer besserer Durchschnittsnoten und mehr Einser-Abis eine „sinkende Leistungsfähigkeit“ der Schüler. So würden „immer mehr Hochschulen in Mathe und Naturwissenschaften Vorbereitungskurse einrichten, damit die Studienanfänger die Fächer überhaupt bewältigen können – bei immer noch hohen Abbrecherquoten. Siegmon beklagt zugleich „einen latenten Druck auf die Lehrer, gute Noten zu geben, vor allem von Eltern“. Teils drohten sie mit dem Anwalt. Auch für die CDU-Bildungsexpertin Heike Franzen „passt nicht zusammen, dass bei immer besseren Durchschnittsnoten die Unis über mangelndes Grundwissen klagen.“ Sie fordert nicht nur zentrale Abi-Aufgaben. Bundesweit müsse auch geregelt werden, „welche Leistungsansprüche für die Hochschulreife erwartet werden.“

Nach Einschätzung von Thomas Schunck, Sprecher im Kieler Bildungsministerium, sind die Schüler weder klüger noch dümmer geworden. Schleswig-Holstein arbeite daran, länderübergreifend mehr Transparenz und Vergleichbarkeit der Anforderungen herzustellen“. So berät die Kultusministerkonferenz heute über einen bundesweiten Aufgaben-Pool mit orientierendem Charakter für das Abi.
 

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