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Bus und Bahn : Schleswig-Holsteiner fahren nur selten schwarz

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An Kiel und Lübeck kann es nicht liegen, dass Schwarzfahrer bald höhere Bußgelder zahlen müssen. Das fordert zumindest Alexander Dobrindt.

shz.de von
erstellt am 30.Mai.2014 | 06:59 Uhr

Kiel/Berlin | Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) will Schwarzfahrern ans Portemonnaie. Wer in Bussen oder Bahnen ohne gültiges Ticket erwischt wird, soll höhere Bußgelder zahlen. Dobrindt ermunterte die Länder auf der Jahrestagung des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) zu einer Initiative im Bundesrat. VDV-Präsident Jürgen Fenske forderte, das „erhöhte Beförderungsentgelt“ zur wirkungsvolleren Abschreckung von 40 auf 60 Euro anzuheben.

Nach Verbandsangaben fahren bundesweit etwa 3,5 Prozent der Fahrgäste schwarz. Deshalb entgingen Nahverkehrsunternehmen jährlich bis zu 250 Millionen Euro Einnahmen. Hinzu kämen Kosten von 100 Millionen Euro für den Einsatz von Kontrolleuren.

Zeitlich passend dazu wurde in dieser Woche ein Studie veröffentlicht, die das Portal  „reisen.de“ in Auftrag gegeben hat. Demnach zählten die Behörden 170.000 Schwarzfahrten allein in den 80 größten Städten. Deutschlandweit waren es insgesamt 253.312 Delikte – das sind vier Prozent mehr als im Vorjahr. Erfreulich: Schleswig-Holstein wird dabei als „ehrliches Land“ eingestuft.

Nach Recherchen kommen rund 95 Prozent der Schwarzfahrten nicht zur Anzeige und Millionen von Passagieren können „für lau“ von öffentlichen Verkehrsmitteln transportiert werden. Setzte man die von einigen Verkehrsministern geforderten 60 statt 40 Euro als Bußgeld für jedes der über 253.000 Delikte an, flössen den Unternehmen 15 Millionen Euro in die Kassen.

Unter den untersuchten 80 deutschen Großstädten befinden sich auch Kiel und Lübeck. Kamen im Bundesschnitt auf 100.000 Einwohner 584 strafrechtlich verfolgte Schwarzfahrten, waren es in der Landeshauptstadt nur 301 – in der Travestadt sogar nur 197. Damit lag Kiel 48 Prozent unter dem Bundesschnitt, Lübeck sogar 71 Prozent. Und das obwohl die Ticketpreise im Norden überproportional hoch sind.

Ob eine Bußgeldanhebung wirklich abschreckt, ist umstritten. Besonders in Großstädten wird Schwarzfahren offenbar als Sport gesehen. Sanktionsforscher Professor Wolfgang Heinz aus Konstanz sagte der Tageszeitung „Die Welt“, die einzig wirksame Maßnahme sei es, Fahrgäste permanent zu kontrollieren. „Das ist das, was die Leute wirklich abschreckt.“ Nur in Deutschland könne man in einen Zug einsteigen, ohne vorher kontrolliert zu werden.

Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Reinhard Meyer (SPD) ist trotzdem dafür, an der Bußgeldschraube zu drehen und erinnert Dobrindt daran, dass die Landesressortchefs den Bund bereits im vergangenen Jahr einstimmig aufgefordert hätten, für eine Anhebung auf 60 Euro zwei Verordnungen zu ändern. „Im Moment spielen wir Schwarzer Peter bei Schwarzfahrern.“

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