Landwirtschaft : Schleswig-Holstein wird gentechnikfrei

Auf EU-Ebene wird laut Umweltminister Habeck auch der Vorschlag diskutiert, dass Mitgliedsstaaten den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen verbieten können. Foto: dpa
Auf EU-Ebene wird laut Umweltminister Habeck auch der Vorschlag diskutiert, dass Mitgliedsstaaten den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen verbieten können. Foto: dpa

Schleswig-Holstein kehrt in das Europäische Netzwerk gentechnikfreier Regionen zurück. Umweltminister Habeck sieht darin einen wichtigen Standortvorteil für die Landwirtschaft.

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02. August 2012, 09:14 Uhr

Kiel | Schleswig-Holsteins neue Landesregierung setzt ein Signal gegen die Gentechnik in der Landwirtschaft. Zwar gibt es nach Angaben des Agrarministeriums aktuell keine Flächen zwischen Nord- und Ostsee, auf denen gentechnisch verändertes Saatgut ausgebracht wurde; das soll aber auch so bleiben, sagt Umwelt- und Landwirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne). Deshalb kehrt Schleswig-Holstein in das Europäische Netzwerk gentechnikfreier Regionen zurück.
Habeck sieht im Verzicht auf die Gentechnik einen wichtigen "Standortvorteil für unsere Landwirtschaft". Dem Netzwerk gehören 55 europäische Regionen mit mehr als 140 Millionen Einwohnern an. Die Initiative will zugleich Druck auf die Europäische Kommission ausüben, restriktivere Regeln für den Umgang mit der Gentechnik in der Landwirtschaft auf den Weg zu bringen.
"Diese Sorgen nehmen wir ernst"
Schleswig-Holstein war 2003 Gründungsmitglied des Netzwerks, trat aber in der Zeit der großen Koalition aus CDU und SPD im Jahre 2005 aus. Im Koalitionsvertrag hatten die jetzigen Regierungsparteien SPD, Grüne und SSW den erneuten Beitritt zu der Initiative vereinbart.
"Gentechnisch veränderte Konstrukte verbreiten sich unkontrolliert und sind nicht rückholbar, wenn sie einmal in der Natur sind", sagte Habeck. Eine deutliche Mehrheit der Menschen lehne gentechnisch veränderte Lebensmittel auf ihren Tellern ab. "Dies zeigen alle Umfragen. Diese Sorgen nehmen wir ernst."
Habeck: "Die Bundesregierung sperrt sich"
Auf EU-Ebene werde auch der Vorschlag diskutiert, dass Mitgliedsstaaten den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen verbieten können. "Aber die Bundesregierung sperrt sich", kritisierte Habeck. Zugleich forderte der Minister die Bundesregierung auf, den Ländern die Möglichkeit einzuräumen, den gentechnikfreien Anbau in Zukunft selbst besser gewährleisten zu können. Bisher genehmigen EU-Behörden mögliche Freisetzungsversuche; die Länder sind lediglich für die Überwachung zuständig.
Die letzten Freisetzungsversuche in Schleswig-Holstein liegen nach Angaben der Landesregierung bereits fünf Jahre zurück. Damals war - begleitet von Protesten - auf einer Fläche von knapp einem Hektar im Kreis Schleswig-Flensburg das Gen-Konstrukt NK 603 angepflanzt worden. Dieser Mais galt als resistent gegen ein Herbizid.

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