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Zeugnisse : Schleswig-Holstein rechnet sich das Abi schön

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Noten in Abschlusszeugnissen der Gymnasiasten täuschen über mangelnde Mathematik-Kenntnisse hinweg.

Kiel | Die Abi-Noten werden immer besser: Bei 20 Prozent der schleswig-holsteinischen Abiturienten stand in diesem Jahr eine Eins vor dem Komma. Insgesamt pendelt der Notendurchschnitt seit einigen Jahren um die 2,5. Diese Traumnoten täuschen jedoch über schwere Defizite in einzelnen Fächern – besonders in der Mathematik – hinweg, wie eine aktuelle Statistik des Bildungsministeriums in Kiel zeigt. Demnach erreichten Abiturienten der Gymnasien in Mathe nur einen Schnitt von 3,2 – an Gemeinschaftsschulen von 3,6 und an berufsbildenden Schulen von 3,7. An Gemeinschaftsschulen fielen sogar 30 Prozent bei der Matheprüfung durch.

Besonders auffällig ist jedoch, dass viele Abiturienten sich um die Matheprüfung drücken, indem sie von ihrem Wahlrecht Gebrauch machen. Die Prüfungsordnung in Schleswig-Holstein schreibt nämlich einen schriftlichen Leistungsnachweis in zwei von drei Kernfächern (Mathe, Englisch Deutsch) vor. Entsprechend nahmen an den Gymnasien immerhin noch 66 Prozent an den schriftlichen Mathe-Arbeiten teil, an den Gemeinschaftsschulen mit Oberstufe hingegen nur 44 Prozent. Zum Vergleich: In Deutsch und Englisch liegen die Teilnahmequoten jeweils deutlich über 70 Prozent.

„Das Abitur-Ergebnis im Fach Mathematik an Gemeinschaftsschulen und Beruflichen Gymnasien ist leider Besorgnis erregend“, warnt deshalb auch die FDP-Bildungsexpertin Anita Klahn, die die Zahlen beim Ministerium abgefragt hatte. Ihre Diagnose:

„Insgesamt werden die Probleme bei den Mint-Fächern in Schleswig-Holstein größer statt kleiner“. „Mint“ steht für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik. Klahn fordert deshalb von Ministerin Britta Ernst (SPD), den Ursachen nachzugehen. „Wir bauchen dringend eine Mathematik-Offensive, die schon in den Grundschulen ansetzt“, meint die FDP-Politikern. Für die weitere Ausbildung seien Mathematik-Kenntnisse von erheblicher Bedeutung. Schulabgänger, die in diesem Fach Schwächen haben, würden Studiengänge meiden, in denen diese Defizite zum Tragen kommen. „Wir befinden uns in einer Abwärtsspirale, die unbedingt aufgehalten werden muss“, so Klahn.

Zu vor hatte schon der Vorsitzende des Philologenverbands, Helmut Siegmon, trotz immer besserer Durchschnittsnoten und mehr Einser-Abis eine „sinkende Leistungsfähigkeit“ der Schüler festgestellt. So würden „immer mehr Hochschulen in Mathe und Naturwissenschaften Vorbereitungskurse einrichten, damit die Studienanfänger die Fächer überhaupt bewältigen können – „bei immer noch hohen Abbrecherquoten“. Auch für die CDU-Bildungsexpertin Heike Franzen „passt nicht zusammen, dass bei immer besseren Durchschnittsnoten die Unis über mangelndes Grundwissen klagen“.

Das ist zumindest in Deutsch und Englisch etwas besser als in Mathe. Im Fach Deutsch lagen die Durchschnittsergebnisse 2015 bei einer glatten 3 bei Gymnasiasten, bei 3,3 an Gemeinschaftsschulen und bei 3,4 in berufsbildenden Schulen. In Englisch schnitten die Gymnasiasten sogar mit 2,8 ab, Gemeinschaftsschüler mit 3,1 und die Abiturienten an Berufsbildenden Schulen mit 3,4. Dass die Gesamtnoten mit etwa 2,5 so viel besser ausfallen, liegt daran, dass die Prüflinge relativ schlechte Noten in den Kernfächern durch Traumnoten in ihren Neigungsfächern – von Sport und Musik bis zu Geschichte und Physik – wettmachen können.
 

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erstellt am 10.Aug.2015 | 17:08 Uhr

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