zur Navigation springen

Flüchtlingskrise in Europa : Schleswig-Holstein: 800 Flüchtlinge an einem Wochenende

vom

Nach der Öffnung der österreichischen und deutschen Grenze hat Schleswig-Holstein zugestimmt, 250 Flüchtlinge aufzunehmen um Bayern zu entlasten. Insgesamt sind 800 Flüchtlinge in Schelswig-Holstein angekommen.

Kiel | Laut Polizeiangaben hat Schleswig-Holstein an diesem Wochenende mit insgesamt rund 800 Flüchtlingen den bisher größten Zustrom an einem Wochenende zu verzeichnen. Zu diesen zählen auch die 250 Flüchtlinge, die über Ungarn nach Deutschland eingereist sind. Diese Menschen werden am 7. September gegen 1.30 Uhr auf dem Bahnhof in Neumünster ankommen und zentral in der dortigen Erstaufnahmeeinrichtung untergebracht.

Der österreichische Bundeskanzler Werner Faymann und Bundeskanzlerin Angela Merkel hatten in der Nacht auf Samstag beschlossen, aus Ungarn kommenden Flüchtlingen ungehindert Einreise nach Österreich und Deutschland zu erlauben. Schleswig-Holstein hatte angekündigt, seinen Beitrag zu leisten und 250 Flüchtlinge aufzunehmen um Bayern zu entlasten.

Ralph Müller-Beck, Kieler Staatssekretär für Bundesangelegenheiten und Mitglied des nationalen Koordinierungsstabes für Flüchtlingsangelegenheiten in Berlin berichtete gegenüber Schleswig-Holstein am Sonntag, dass man sich „in einer Telefonschalte“ geeinigt habe, die Ankommenden nach dem Königsteiner Schlüssel auf die Länder zu verteilen. „Damit haben wir unseren solidarischen Beitrag geleistet, um Bayern zu entlasten“, sagte der Staatssekretär.

„Trotz der sehr angespannten Unterbringungskapazitäten gelingt es durch das enge Zusammenwirken des Landesamtes für Ausländerangelegenheiten, des Deutschen Roten Kreuzes und der Landespolizei - die in ihrem Führungsstab auch die beteiligten Ministerien Schleswig-Holsteins koordiniert - weiterhin, die neu hinzukommenden Flüchtlinge sicher und angemessen unterzubringen“, sagt Bernd Olbrich von der Landespolizei Schleswig-Holsten.

Die Verteilung der nach Deutschland kommenden Flüchtlinge auf die Länder geschieht dann nach dem „Königsteiner Schlüssel“. Grundlage für dessen Berechnung sind Bevölkerungszahl (ein Drittel) und Steuereinnahmen (zwei Drittel). Die Quote wird von der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz jährlich neu ermittelt. 2015 nimmt Nordrhein-Westfalen die meisten Flüchtlinge auf, gefolgt von Bayern und Baden-Württemberg. Die niedrigsten Quoten haben Bremen, das Saarland und Mecklenburg-Vorpommern. Den „Königsteiner Schlüssel“ an sich gibt es seit 1949: Die Bundesländer einigten sich damals im hessischen Königstein auf einen Schlüssel zur Finanzierung von Forschungseinrichtungen außerhalb der Universitäten. Das Instrument wird inzwischen aber auch für andere Fragen rund um die Lastenverteilung unter den Ländern genutzt. Seit Anfang 2005 dient der Schlüssel als Basis für die Verteilung von Asylbewerbern.

Mit Applaus hatten am späten Samstagabend Hunderte Helfer in Hamburg Flüchtlinge aus Ungarn empfangen. Etwa 175 Menschen kamen mit einem Zug am Bahnhof in Hamburg-Harburg an. Sie wurden in die dortige Erstaufnahmeeinrichtung gebracht, wie ein Sprecher der Innenbehörde am Sonntag sagte.

Etwa 500 bis 700 freiwillige Helfer nahmen die erschöpften Menschen am Bahnhof in Empfang und gaben ihnen zahlreiche Spenden - etwa Wasserflaschen, Obst, Kleidung und Spielzeug. Sie klatschten, als die Neuankömmlinge aus dem Zug stiegen - und standen Spalier für sie. Unter den Flüchtlingen waren zahlreiche Familien mit kleinen Kindern.

Am Sonntagmorgen traf zudem ein ICE aus Süddeutschland mit etwa 120 weiteren Flüchtlingen aus Ungarn in Hamburg ein. In Hamburg-Harburg seien nur 15 von ihnen ausgestiegen, berichtete der Behördensprecher. Die anderen fuhren bis zum Hamburger Hauptbahnhof, um von dort in Richtung Dänemark und Schweden zu kommen.

zur Startseite

von
erstellt am 06.Sep.2015 | 17:51 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert