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Reaktionen : "Schlag ins Gesicht": Wende eckt bei Lehrerverbänden an

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Nach ihrer Äußerung, Lehrer sollten auch in den Ferien mehr arbeiten, hat Bildungsministerin Waltraud Wende viel Zorn hervor gerufen. Lehrerverbände und Opposition sind empört.

shz.de von
erstellt am 13.Mai.2013 | 07:35 Uhr

Kiel | Kollektive Empörung bei Schleswig-Holsteins Lehrerverbänden: Mit dem Hinweis, nur sechs von jährlich zwölf Wochen Schulfeiern seien für Lehrkräfte echter Urlaub, ansonsten sei zwar unterrichtsfrei, aber nicht arbeitsfrei, hat Bildungsministerin Waltraud Wende in ein Wespennest gestochen.
"Als Schlag ins Gesicht und Missachtung ihrer tagtäglichen Leistungen", empfindet die Lehrergewerkschaft GEW die Forderung der parteilosen Ministerin, die übrigen sechs Wochen für Fortbildung und gemeinsame Schulprojekte zu nutzen. GEW-Landeschef Matthias Heidn plädiert stattdessen für Arbeitsentlastung, Absenkung der Pflichtstundenzahl und deutlich mehr Planstellen. "Alle bisherigen Arbeitszeituntersuchungen für Lehrkräfte haben ergeben, dass Lehrer selbst unter Anrechnung der Ferienzeiten höhere Jahresarbeitszeiten aufweisen als der öffentliche Dienst", so sein Argument.

Geschürte Vorurteile und Beamtenschelte


Auf die Palme bringt den GEW-Mann auch Wendes Äußerung, dass die Nichtübertragung des Tarifergebnisses auf den Beamtenbereich "der Untergang des Abendlandes aus der Sicht der Klientel" sei. "Lehrer arbeiten länger, ihre Belastung ist enorm. Das Weihnachtsgeld wurde längst gestrichen oder stark gekürzt. Sich in einer solchen Situation in diesem Ton über die berechtigte Besoldungsforderung zu äußern, ist eine Brüskierung der Lehrerschaft", ereifert sich Heidn.
Auch der Lehrerverband IVL spart nicht mit Kritik. Schon jetzt gelte die Regelung, dass Fortbildungen in der unterrichtsfreien Zeit stattzufinden haben, erklärt IVL-Landesvorsitzende Grete Rhenius. Der Angriff gehe nach hinten los: "Angesichts der steigenden Belastungen durch die Lieblingsprojekte der Ministerin - hier seien nur Inklusion und Längeres gemeinsames Lernen genannt - werden diese Äußerungen nur zu einer weiteren Demotivierung der Kollegen führen", vermutet Rhenius. Einer Präsenzpflicht der Lehrkräfte erteilt sie schon aus rein praktischen Gründen eine Absage: Dafür seien Millionen-Investitionen für ordentliche Arbeitsplätze in den Schulen nötig. Rhenius wirft der Ministerin vor, Vorurteile gegen Lehrer nach dem Motto "Halbtagsjob, lange Ferien und sehr hohe Bezahlung" zu schüren. Philologenverbandschef Helmuth Sigmon pflichtet ihr bei: Wende gieße "Öl ins Feuer und spaltet die Gesellschaft mit dem bekannten Muster der Lehrer- und Beamtenschelte".

Wende fühlt sich missverstanden


Schützenhilfe kommt von der Opposition. Man sei "bestürzt darüber, dass Wende den fatalen Eindruck erzeugt, dass die Lehrer in Schleswig-Holstein zu wenig arbeiten und zu viel Freizeit haben", erklärte FDP-Bildungsexpertin Anita Klahn.
Wende selbst fühlt sich missverstanden. Sie habe in einer Podiumsdiskussion die Kritik am mangelhaften Arbeitseifer der Lehrer zurückgewiesen und klargestellt, dass die Pädagogen nicht etwa zwölf Wochen im Jahr Ferien hätten, sondern dass es sich um unterrichtsfreie Zeit handele.
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