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Waltraud Wende : Scheitert die nächste Quereinsteigerin?

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

In Kiel muss der gerade neugewählte Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD) die Trümmer der Ära Gaschke beseitigen, da droht der Landespolitik das nächste Scheitern einer Quereinsteigerin. Bildungsministerin Waltraud Wende steht im Kreuzfeuer der Kritik.

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erstellt am 20.Apr.2014 | 12:55 Uhr

Ein halbes Jahr nach ihrem Amtsantritt als Bildungs- und Wissenschaftsministerin in Kiel hatte Waltraud Wende Ende 2012 ein erstes Fazit gezogen: „Als Profipolitikerin sehe ich mich nicht – und ich weiß auch nicht, ob das mein Ziel ist.“ Heute, im Frühjahr 2014 meinen ihre Kritiker, die parteilose Ex-Präsidentin der Uni Flensburg habe den Wechsel in die Politik noch immer nicht richtig geschafft; sie denke und agiere zu sehr als Wissenschaftlerin.

In der letzten Sitzungswoche erlebte das Kieler Landeshaus den ersten richtigen Oppositionsauftritt dieser Legislatur – im Kreuzfeuer der Kritik stand Frau Wende. Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) sah sich genötigt, der mit den Tränen kämpfenden Ministerin demonstrativ den Rücken zu stärken. „Sie ist eine der starken Ministerinnen, mutig und klug.“ In der Koalition gibt es erklärte Wende-Fans, aber auch Kritik: Zu akademisch gehe sie vor, auch von „Selbstüberhöhungstendenzen“ ist die Rede. Unweigerlich kommen da Erinnerungen an das Scheitern von Susanne Gaschke als Kieler Oberbürgermeisterin auf. Auch die ehemalige Zeit-Journalistin war eine Quereinsteigerin, wurde als intelligent gelobt. Auch sie verstand sich, wie Waltraud Wende, eher aus einem elitären Zirkel stammend. Auch Gaschke nahm für sich in Anspruch „querzudenken“ und ebenso wie die Ministerin zeigte sich die gescheiterte Oberbürgermeisterin unter der massiven politischen Kritik als nah am Wasser gebaut.

Anders als Gaschke hat Waltraud Wende jedoch noch die Rückendeckung von Albig und dem stets streitbaren Fraktionschef Ralf Stegner, der jedoch sehr wohl registriert, dass Wende der bislang kaum auffälligen Opposition ein gemeinsames Ziel bietet, sich politisch zu profilieren.

In ihrer 22-monatigen Amtszeit hat die Ministerin unter anderem den ersten Bildungs- und Hochschuldialog im Land angeschoben, ein neues Schulgesetz unter Dach und Fach gebracht, ein neuartiges Promotionsmodell für Fachhochschulen angeschoben und zuletzt die umstrittene Reform der Lehrerausbildung angefasst. Doch gerade deren Verschiebungen zwischen Kiel und Flensburg fallen jetzt der ehemaligen Flensburger Unipräsidentin massiv vor die Füße. Susanne Gaschke dagegen war der Steuerdeal mit einem international anerkannten Augenarzt und Klinikbetreiber zum Verhängnis geworden, dem sie Säumnisgebühren und Zinsen in Höhe von 3,7 Millionen Euro erließ. Dafür wollte der Mediziner seine Steuerschulden auf Immobiliengeschäfte aus den 90er Jahren in Höhe von 4,1 Millionen Euro begleichen. Bei der Krisenbewältigung machte die Journalistin alles falsch, was falsch zu machen ist – und verlor endgültig den Spaß am OB-Stuhl. So weit ist die Ministerin noch nicht. Waltraud Wende fühlt sich trotz aller Kritik nach eigenem Bekunden weiter pudelwohl in ihrem Amt – „weil es mir wahnsinnig viel Spaß macht“.

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