Stille Örtchen als No-Go-Area : Saubere Schulklos: Land gibt weitere Millionen

Hier Stinkt's wohl: Finanzministerin Monika Heinold (Grüne, li.) lässt sich von Schulleiterin Heidrun Fischer die gerade entkernte Jungs-Toilette der Schule am Sonderburger Platz zeigen.
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Hier stinkt's: Finanzministerin Monika Heinold (Grüne, li.) lässt sich von Schulleiterin Heidrun Fischer die gerade entkernte Jungs-Toilette der Schule am Sonderburger Platz zeigen.

Der Zustand der Schulklos im Land ist nicht überall einwandfrei. Finanzministerin Heinold stellt Förderprogramm vor.

shz.de von
02. Februar 2018, 13:41 Uhr

Kiel | „Das stinkt ja zum Himmel!“ Auf den Zustand vieler Schulklos trifft dieser Spruch immer noch zu. Aus Ekel gehen viele Mädchen und Jungen möglichst nie auf die Schultoilette. Dem sanitären Notstand begegnet das Land Schleswig-Holstein mit einem neuen Förderprogramm in Millionenhöhe.

Für die Sanierung von Schulklos sollen in diesem Jahr 7,5 Millionen Euro an die Kommunen fließen, wenn der Landtag dem zustimmt. Das stille Örtchen solle nicht länger ein NoGo-Area sein, sagte Finanzministerin Monika Heinold (Grüne) am Freitag in Kiel. Sie besuchte in der Landeshauptstadt eine Grundschule, in der die Sanierung jahrzehntealter Toiletten an diesem Tag begonnen hat.

Ein erstes Förderprogramm in Höhe von zehn Millionen Euro war bereits 2017 initiiert worden. Die Mittel waren bereits nach kurzer Zeit ausgeschöpft. Heinold sprach von einer Erfolgsgeschichte. 180 Sanitärmaßnahmen seien bisher auf den Weg gebracht worden, durchschnittliche Förderhöhe: 50.000 Euro. „Viele Toiletten haben sich zu Orten des Ekels entwickelt“, sagte Bildungsstadträtin Renate Treutel. Es dürfe nicht sein, dass Kinder während des oft langen Schultags nicht ausreichend trinken, weil sie nicht auf die Toilette gehen wollen.

„Jungen-WCs sehen am schlimmsten aus und riechen am schlimmsten“

In der Kieler Schule mit 280 Schülern fand Heinold dann mit eigenen Augen bestätigt, was die Vorsitzende des Schulelternbeirats, Anne Fiedler, gesagt hatte: „Schultoiletten sind nie schön.“ Fiedler äußerte die Hoffnung, dass die Kinder die sanierten Toiletten dann auch besser sauberhalten werden als die alten. Auf Beschluss der Ratsversammlung gibt es im Jahr 750.000 Euro für eine zweite Toilettenreinigung nach der ersten großen Pause.

Das Problem in der von Heinold besuchten Schule am Sonderburger Platz: Die zur Verfügung stehenden 68.000 Euro, davon 41.000 Euro Fördergeld vom Land, reichen nur für die Sanierung der Jungenklos, die überall in einem schlechteren Zustand sind als die Mädchentoiletten. Die Kommunikation mit den Mädchen darüber sei jetzt eine pädagogische Herausforderung, sagte Schulleiterin Heidrun Fischer. Der Hintergrund: Je gefördertem Schulprojekt gibt es eine Obergrenze von 100.000 Euro. Nun will die Kieler Schule aus dem neuen Programm Mittel auch für die Mädchentoiletten beantragen.

„Jungen-WCs sehen am schlimmsten aus und riechen am schlimmsten“, sagte Bauingenieur Peter Beckmann. Deshalb werden auch nicht nur Urinale ausgetauscht, sondern es wird alles entkernt, um den Uringestank herauszubekommen. Zusätzlich gibt es unter den Urinalen eine Edelstahlrinne mit automatischer Spülung für das, was es nicht ins Urinal geschafft hat. Und die Bodenfliesen werden durch einen fugenfreien Kunststoffbelag ersetzt. Die Finanzministerin verfolgte voller Interesse die Ausführungen des Bauingenieurs und kommentierte: „Das ist echt eine Wissenschaft für sich.“

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