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Uni-Kliniken Kiel und Lübeck : Sanierung des UKSH kostet mehr als halbe Milliarde

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Bundesweit einmalig: Das UKSH in Kiel und Lübeck wird mit einem Privatunternehmen saniert. Jetzt ist bekannt, wer den Zuschlag bekommt.

shz.de von
erstellt am 30.Sep.2014 | 14:27 Uhr

Kiel/Lübeck | Mit einem Aufwand von mehr als einer halben Milliarde Euro sollen am Universitäts-Klinikum in Kiel und Lübeck in den nächsten Jahren Gebäude gebaut und modernisiert werden. Ein privater Partner setzt das Projekt um. Den Zuschlag bekam am heutigen Dienstag das Konsortium BAM/Vamed, teilten Landesregierung und Klinikum mit.

Die BAM PPP Deutschland GmbH sei eines der führenden deutschen Bauunternehmen und Tochter der niederländischen Royal BAM Group, heißt es in einer Mitteilung des Landessozialministeriums. Die Vamed Gruppe habe sich auf die Errichtung, Erneuerung und Betrieb der Infrastruktur von Krankenhäusern spezialisiert.

Planung, Neubau und Sanierung sollen 520 Millionen Euro kosten. Die Bauarbeiten starten im nächsten Jahr und sollen bis 2021 dauern. Das gesamte Projekt hat bei einer Laufzeit von 30 Jahren ein Volumen von 1,7 Milliarden Euro. Es beinhaltet Betrieb und laufende Instandsetzung der Immobilien.

Mitte September hatte der Landtag beschlossen, die Sanierung mit Hilfe eines privaten Partners durchzuführen. Nur die Piraten stimmten mit Nein, weil sie das Projekt für überteuert halten. Die Landesregierung hatte den Investitionsstau mit 1,1 Milliarden Euro beziffert.

Der Zustand vieler Gebäude ist oft schlecht. Weil Stationen zu klein sind, müssen Ärzte, Schwestern und Patienten oft lange Wege zurücklegen. Deshalb ist die Versorgung häufig ineffizient. Nicht selten stehen Krankenbetten auch auf dem Flur. Patienten müssen mit Autos zur Operation gefahren werden, Röhren mit Blutproben werden zu Fuß ins Labor gebracht. Die Grenze des Zumutbaren für Mitarbeiter und beim Zustand von Gebäuden ist auch nach Einschätzung der Landesregierung erreicht.

Die Umsetzung des Projektes in öffentlich-privater-Partnerschaft zwischen dem Land und einem privaten Partner ist bundesweit einzigartig für ein Universitätsklinikum. Das UKSH ist im nördlichsten Bundesland der einzige medizinische Maximalversorger.

Das Klinikum soll eine exzellente Krankenversorgung gewährleisten, Forschung auf höchstem Niveau ermöglichen sowie den Studenten beste Lehre und Ausbildung in Kiel und Lübeck bieten. Ein Viertel der Sanierungskosten sollen private Investoren aufbringen, die dann für einen bestimmten Zeitraum Miete einnehmen.

Von einem Kraftakt über Jahre sprach Staatskanzleichef Thomas Losse-Müller, der als Finanzstaatssekretär das Vorhaben maßgeblich mit vorbereitet hatte. Es gebe Risiken, etwa in alter Bausubstanz. Zudem müsse die angestrebte „Effizienzrendite“ – sie soll etwa 50 Millionen Euro jährlich betragen - organisiert werden. Auch dürften nicht zu viele „Nachträge“ kommen. Bei einem Vorhaben dieser Dimension und Komplexität werde es immer viele Probleme geben.

Das UKSH, das in Kiel und Lübeck rund 12.500 Menschen beschäftigt und jährlich 400.000 Patienten betreut, erwirtschaftete 2013 ein Rekorddefizit von 38 Millionen Euro. Die Gesamtschulden belaufen sich auf 160 Millionen Euro.

Viele Einrichtungen werden in modernen Gebäuden zentralisiert. In Lübeck sind Augen- und HNO-Klinik noch in Lazarettbaracken von 1936 untergebracht, in Kiel befindet sich die Innere Medizin in einem Marinelazarett aus der Vorkriegszeit. Beide Standorte bekommen zentrale OP-Stationen, Kliniken werden zusammengelegt, sanierungsbedürftige Gebäude abgerissen. „Die Verwirklichung des baulichen Masterplans sichert die Krankenversorgung der Menschen in Schleswig-Holstein für die kommenden Dekaden und stärkt Innovationskraft von Forschung und Lehre“, sagte Klinikums-Chef Scholz.

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