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Krieg in Syrien : Salafisten aus SH: Die gefährlichen Rückkehrer

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Radikale Salafisten in SH und Hamburg machen den Verfassungsschützern Sorgen. Mehr als 50 Islamisten reisten nach Syrien, knapp 20 sind zurück.

Hamburg/Kiel | Mehr als 50 Salafisten aus Hamburg und Schleswig-Holstein sind nach Angaben des Verfassungsschutzes bislang ins syrische Kriegsgebiet aufgebrochen. Neun von ihnen sind nach Erkenntnissen der Behörden getötet worden. Allein aus Schleswig-Holstein reisten in den vergangenen anderthalb Jahren 23 radikale Islamisten in die Region. „Vier von ihnen sind im Ausland getötet worden“, sagte der Leiter des Kieler Verfassungsschutzes, Dieter Büddefeld, am Donnerstag. Neun Salafisten sind demnach in den Norden zurückgekehrt, die übrigen zehn befinden sich noch im Kriegsgebiet.

„Zudem tragen sich weitere 23 Salafisten aus dem Norden aktuell mit dem Gedanken, nach Syrien auszureisen und sich dort zu betätigen“, sagte Büddefeld. Es sei allerdings nicht bei allen davon auszugehen, dass sie sich kriegerisch betätigen. „Manche leisten auch logistische Hilfe, beispielsweise indem sie Autos überführen.“ Andere beteiligten sich lediglich finanziell.

„Das höchste Gefährdungspotenzial geht von den Rückkehrern aus“, sagte Büddefeld. Konkrete Erkenntnisse über mögliche terroristische Aufträge lägen allerdings nicht vor. „Das größere Risiko sehen wir darin, dass es Rückkehrer gibt, die einerseits ideologisch gefestigt sind und andererseits eine militärische oder gar terroristische Ausbildung in Syrien genossen haben.“ Sie hätten das „Know-how zur Durchführung von Anschlägen“ und könnten sich zu Taten hinreißen lassen.

Aus Hamburg reisten mehr als 30 Salafisten nach Syrien. „Gut die Hälfte davon hat die Grenze überquert. Mindestens fünf wurden getötet“, sagte Verfassungsschutzchef Torsten Voß in einem Interview des „Hamburger Abendblatts“. Ein Drittel der Ausgereisten seien Konvertiten. „Von denen, die Syrien erreicht haben, sind knapp zehn wieder zurück in Hamburg.“ Nach Einschätzung des Verfassungsschutzes haben einige wenige von ihnen Kampferfahrung. „Wir haben zwar derzeit keine konkreten Anschlagsdrohungen. Aber wir haben eine hohe abstrakte Gefährdung, die sich jederzeit bis hin zu Anschlägen konkretisieren kann.“ 

Bundesweit würden rund 6000 Menschen den Salafisten zugerechnet. „In Hamburg kennen wir 240 Salafisten“, sagte Voß. Das entspricht den Zahlen des Verfassungsschutzberichtes 2013, wonach Ende des vergangenen Jahres in Hamburg 2225 Personen islamistischen Bestrebungen zugerechnet wurden. 170 von ihnen gehörten dabei dem politisch-salafistischen Spektrum, 70 der dschihadistisch-salafistischen Strömung an. „Wir stellen fest, dass sich manche religiös motivierte Extremisten viel schneller radikalisieren als früher.“ Eine entscheidende Rolle spiele dabei das Internet. Abseits davon sei der wichtigste Anlaufpunkt der salafistischen Szene die Taqwa-Moschee in Hamburg-Harburg.

Eine wichtige Figur dort sei Imam Abdelhak Setti. „Öffentlich hält er sich zurück, er duldet aber offensichtlich Personen der dschihadistisch-salafistischen Szene in der Moschee“, sagte Voß der „Bild“-Zeitung. Dazu zähle auch der Salafist Pierre Vogel, der dort vor seinem Umzug nach Hamburg-Wilhelmsburg übernachtet habe. „Inzwischen hat er dort auch schon gepredigt und zur Solidarität mit Mounir El Motassadeq aufgerufen, einem Islamisten aus dem Umfeld von 9/11, der zurzeit im Gefängnis sitzt.“ Motassadeq war 2007 zu 15 Jahren Haft verurteilt worden.

Schleswig-Holsteins Verfassungsschutz-Leiter Büddefeld rechnet weiterhin mit einzelnen Auftritten Vogels auch in Schleswig-Holstein. „Das wird durch regionale Nähe noch ein bisschen ansteigen.“ Aktuell gibt es im nördlichsten Bundesland nach Einschätzung des Verfassungsschutzes rund 210 Salafisten. Zentren sind in Lübeck, Kiel, Neumünster und das Hamburger Umland.

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erstellt am 21.Aug.2014 | 12:33 Uhr

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