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Atomkraftwerk Brunsbüttel : Rostfässer: Schäden sind schlimmer als befürchtet

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Aus der Onlineredaktion

Bei Untersuchungen stießen Experten auf einen deformierten Behälter. Energieminister Habeck fordert eine Ausweitung des Bergungskonzepts. Fässer in Krümmel und Brokdorf sind laut einer Sprecherin Habecks in Ordnung.

Brunsbüttel/Kiel | Es ist noch schlimmer als bislang vermutet: In den Beton-Kavernen unter dem Atomkraftwerk Brunsbüttel  wurden wieder verrostete Fässer gefunden, aus denen auch schwach- und mittelradioaktives Material ausgetreten ist. In einigen Fällen sei der Übergang zwischen den einzelnen Behältern kaum mehr zu erkennen, sagt Energiewendeminister Robert Habeck (Grüne). „Wir hatten bei Öffnung der Kaverne I bereits mit größeren Schäden gerechnet. Das Ausmaß übertrifft aber unsere Befürchtungen.“

Der Betreiber Vattenfall hat 36 der 120 in Kaverne I eingelagerten Fässer mittels einer Spezialkamera untersucht, 17 davon sind marode, eines so sehr, dass es um 30 Zentimeter in sich zusammengesunken ist. Insgesamt lagern in den sechs unterirdischen Kavernen 631 Stahlfässer. Mit den nun inspizierten Behältern erhöht sich die Gesamtzahl der schwer beschädigten Fässer in den Kavernen auf 55. Bislang wurden 251  Fässer in insgesamt vier Kavernen untersucht.

„Der Betreiber Vattenfall muss das Bergungskonzept nun erneut erweitern, damit auch die deformierten Fässer sowie die Fassinhalte am Boden aus der Kaverne entfernt werden können“, so der Minister. Bis zum September will der Konzern laut  Sprecherin Sandra Kühnberger ein Konzept dafür erstellen. Bislang habe Vattenfall damit aber keine Erfahrung, und es liegt nur ein Plan vor, wie leichter beschädigte  Fässer geborgen werden können. Wann die Bergung gestartet werden kann und was sie kosten wird, konnte Kühberger gestern nicht abschätzen.

Außerhalb der Kavernen sei keine erhöhte Strahlung gemessen worden, so die Sprecherin. In den Kavernen herrscht eine Strahlung von bis zu 500 Millisievert pro Stunde. Ein Arbeiter in einem Kernkraftwerk darf maximal 20 Millisievert Strahlung im Jahr ausgesetzt sein.

Bis Jahresende sollen alle Kavernen inspiziert sein, darunter auch die größte Kaverne VI, in der 200 Fässer lagern. Sie ist seit 30 Jahren nicht geöffnet worden. Habeck sagt nur: „Mit weiteren zerstörten Fässern ist zu rechnen.“

Auch in den anderen beiden Atomkraftwerken in Schleswig-Holstein lagert schwach- und mittelradioaktiver Müll. Im seit sieben Jahren still stehenden Kraftwerk Krümmel (Kreis Herzogtum Lauenburg) liegen in unterirdischen Kavernen ebenfalls 189 Fässer des Typs, der in Brunsbüttel auffällig geworden ist. „Nachdem dort die ersten rostigen Fässer gefunden worden waren, sind die alle kontrolliert worden und werden weiter kontrolliert: Alle Fässer in Krümmel sind in Ordnung“, sagt Habecks Sprecherin Nicola Kabel. Viele Fässer sind nicht so alt wie die in Brunsbüttel, die zum Teil seit den 70er Jahren in den Betonkavernen liegen. Seit 1986 seien Fässer in Krümmel eingelagert worden, allerdings seien die Abfälle anders als in Brunsbüttel zuerst getrocknet und dann verpackt worden. Dazu gibt es ein ebenfalls unterirdisch gelegenes Fasslager, in dem 947 weitere Behälter liegen, die allerdings den Bestimmungen für ein Endlager entsprechen, und damit offenbar weniger korrosionsanfällig sind.

Im Akw Brokdorf (Kreis Steinburg) lagern die schwach- und mittelradioaktiven Abfälle in überirdischen Hallen. Im so genannten Aufbereitungsgebäude befinden sich 104 Fässer à 200 Litern und 24 Fässer à 180 Liter Inhalt. Im so genannten Reaktorhilfsanlagengebäude lagern 215 Fässer à 200 Liter, 330 à 180 Liter und eines mit   400 Litern Inhalt – dazu fünf so genannte Mosaik-Behälter. „Die Fässer im Aufbereitungsgebäude und im Reaktorhilfsanlagengebäude wurden zwischen 2006 und heute eingelagert und sind in ordnungsgemäßem  Zustand“, sagt Kabel. Es gebe regelmäßige Kontrollen, die einfacher seien als in Brunsbüttel, weil die meisten Behälter gut zu erreichen seien.

Wenn der Inhalt der  alten  Fässer in Brunsbüttel in endlagertaugliche Behälter umgefüllt ist, sollen die in eine Transportbereitstellungshalle auf dem Werksgelände geschafft werden. Vattenfall geht  davon aus, dass der Müll in das möglicherweise 2025 fertig gestellte Endlager Schacht Konrad geschafft werden kann.

Das bezweifeln Umweltorganisationen wie Robin Wood, die Sicherheitsbedenken gegen Schacht Konrad haben. „Die Atommüllentsorgung ist gescheitert“, sagt Sprecherin Ute Bertrand. „Betreiber und Politik haben gesagt, sie hätten das Problem im Griff – dabei haben sie gar nichts im Griff.“ Das zentrale Problem sei, dass die Atomkraftwerke weiter täglich radioaktiven Müll produzierten. Bertrand: „Wenn ich im Bad eine Überschwemmung habe, dann drehe ich doch auch erstmal den Hahn zu.“

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erstellt am 25.Sep.2014 | 10:42 Uhr

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