zur Navigation springen

Entsorgung von Arzneimitteln : Robert Habeck: „Schmeißt keine Tabletten ins Klo“

vom

Bei Stichproben wurden Rückstände von Medikamenten in Gewässern gefunden. Richtig ist, sie am Recyclinghof abzugeben.

shz.de von
erstellt am 15.Feb.2017 | 14:42 Uhr

Kiel | In Gewässerproben aus der Nähe von fünf Kläranlagen in Schleswig-Holstein sind jeweils Spuren von neun verschiedenen Arzneimitteln nachgewiesen worden. „Medikamente gehören nicht in die Toilette und nicht in die Spüle, sondern sind Abfall“, warnte Umweltminister Robert Habeck am Mittwoch. Gemeinsamt mit Ärzte-, Tierärzte- und Apothekenkammer startete der Grünen-Politiker eine Informationskampagne zur richtigen Entsorgung abgelaufener Pillen und Tropfen - im Recyclinghof, in der Apotheke oder notfalls im Hausmüll.

„Schmeißt keine Tabletten ins Klo“, riet Habeck Verbrauchern. Laut einer Studie des Instituts für sozial-ökologische Forschung hätten 47 Prozent der Befragten ihre flüssigen und 20 Prozent die festen Medikamentenreste in der Spüle oder der Toilette entsorgt. „Das ist falsch“, sagte Habeck.

Experten wiesen in den hiesigen Gewässern nicht nur Anti-Depressiva und -Biotika, sondern auch Röntgen-Kontrastmittel und Schmerzmittel nach - ganz vorn der Wirkstoff Diclofenac. Die gemessenen Konzentrationen seien jedoch allesamt „unterhalb therapeutischer Dosen“, sagte Apothekerkammer-Geschäftsführer Frank Jaschowski. Um eine Wirkung zu erlangen, müsste ein Schwimmer schon mindestens 1000 Liter Wasser trinken, so seine Einschätzung.

Er geht davon aus: „10 bis 20 Prozent der Medikamente landen garantiert irgendwann auf dem Müll.“ Der Präsident der Ärztekammer, Franz Bartmann, rief dazu auf, über die Notwendigkeit einer Arznei stets nachzudenken. „Denn es gibt kein Medikament, dass nur die gewünschte Wirkung hat“, sagte er. Jedes Mittel habe bestimmte Nebenwirkungen. Die Wirkstoffe gelangen aber nicht nur durch unsachgemäße Entsorgung, sondern auch durch Ausscheidungen in die Gewässer. „Aus Gründen der Vorsorge ist es geboten, Wirkstoffe aus Arzneimitteln vom Wasserkreislauf fernzuhalten“, sagte Bartmann. Schädliche Wirkungen auf Tiere sind bereits nachgewiesen. So kann es bereits bei geringen Konzentrationen zu Nierenschäden, Verweiblichungen oder Kiemenschäden bei Fischen und anderen im Wasser lebenden Tieren kommen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen