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Deutscher Atommüll : Robert Habeck erwartet baldige Anträge für Castor-Transporte aus Sellafield

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Auch SH nimmt deutschen Atommüll aus Sellafield auf. Sieben Castoren sollen in Brokdorf gelagert werden.

shz.de von
erstellt am 27.Sep.2017 | 18:31 Uhr

Kiel | Mit Anträgen der Energieversorger für Atommülltransporte aus dem englischen Sellafield nach Deutschland ist in Kürze zu rechnen. „Wenn das Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit diese genehmigt, werden in einigen Jahren voraussichtlich sieben Castoren aus der Wiederaufbereitung in Brokdorf eingelagert“, sagte Schleswig-Holsteins Energieminister Robert Habeck (Grüne) am Mittwoch am Randes des Umweltausschusses des Landtags in Kiel. Er berief sich dabei auf ein Schreiben des Bundesumweltministeriums und der Energieversorger, in dem zeitnahe Anträge angekündigt werden.

Schleswig-Holstein hatte 2013 seine Bereitschaft erklärt, einen Teil der hoch radioaktiven Abfälle aus der britischen Wiederaufbereitungsanlage aufzunehmen, die Deutschland zurücknehmen muss. „Das ist zugegeben eine zusätzliche Last“, sagte Habeck. „Sie ist aber fair verteilt - auch Bayern, Hessen und Baden-Württemberg leisten ihren Anteil.“ Das Atomkraftwerk Brokdorf darf noch bis 2021 am Netz bleiben. Das dortige Zwischenlager hat Platz für insgesamt 100 Castor-Behälter mit radioaktiven Abfällen. Aktuell stehen dort 29, bis Ende des Jahres kommen voraussichtlich fünf weitere aus dem laufenden Betrieb hinzu.

Die Kieler Landesregierung hatte 2013 neben Baden-Württemberg seine Bereitschaft erklärt, den Atommüll zu lagern. Lange Zeit fand sich aber kein weiteres Bundesland. 2015 entschied die Bundesregierung nach langem Tauziehen mit Bayern und Hessen, dass am Zwischenlager des Meilers Philippsburg (Baden-Württemberg) fünf Behälter mit verglasten mittelradioaktiven Abfällen aus der Wiederaufbereitung in Frankreich gelagert werden sollen. Für die Standortzwischenlagen in Biblis (Hessen) und Brokdorf sind jeweils bis zu sieben Behälter angedacht, für das Zwischenlager Isar (Bayern) bis zu neun Behälter mit verglasten hoch radioaktiven Abfällen aus Sellafield.

Es richtig, „dass wir hier gesamtgesellschaftliche Verantwortung übernehmen“, betonte Habeck. Mit Schleswig-Holsteins Bereitschaft sei der Weg für eine ergebnisoffene Endlagersuche frei geworden. „Ohne diese politische Einigung hätte es keinen Neustart gegeben, wir würden bei der Suche nach einem Ort für den hoch radioaktiven Atommüll noch immer auf der Stelle treten. Das können wir uns nicht leisten, es würde das Problem nicht lösen, sondern nur aufschieben“, erklärte der Minister.

Die Castor-Transporte aus Sellafield und La Hague sollen zwischen 2019 und 2021 erfolgen. Insgesamt muss Deutschland noch 21 Behälter mit hoch radioaktiven Glaskokillen aus Großbritannien sowie fünf Behälter mit mittelradioaktiven Abfällen aus Frankreich zurücknehmen.

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