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Naturschutz : Robert Habeck bereitet das wilde Schleswig-Holstein vor

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Dünen, Moore, Auen oder Naturwälder: Schleswig-Holsteins Natur soll wieder wilder werden. Zumindest zu zwei Prozent.

shz.de von
erstellt am 09.Okt.2015 | 11:57 Uhr

Kiel | Umweltminister Robert Habeck möchte auf zwei Prozent der Landfläche Schleswig-Holsteins komplett die Wildnis zurückkehren lassen. In der Regel sollen dafür jedoch nicht zusätzliche Flächen unter Schutz gestellt werden. Vielmehr handele es sich um eine Vertiefung des Naturschutzes in Gebieten, die bereits heute nicht mehr wirtschaftlich genutzt werden, sagte der Grünen-Politiker auf dem Landesnaturschutztag im Hohen Arsenal in Rendsburg.

Insgesamt machen die angestrebten zwei Prozent 30.000 Hektar aus. Schleswig-Holstein ist als bisher einziges Bundesland dabei, diesen Wildnis-Anteil in seinem Naturschutzgesetz zu verbriefen. Die neue Fassung des Regelwerks wird derzeit vom Landtag beraten. Urheber des Zwei-Prozent-Ziels ist allerdings nicht die Küsten-Koalition. Zumindest als Absichtserklärung findet es sich bereits in der Biodiversitäts-Strategie des Bundes. Auf einen Zeitraum, bis wann 30.000 Hektar vollständig verwildert sein sollen, mochte sich Habeck auf Nachfrage nicht festlegen. Sein Ressort erarbeite gerade die fachlichen Grundlagen für die Auswahl der Flächen.

Wanderweg durchs Wilde Moor bei Schwabstedt.
Wanderweg durchs Wilde Moor bei Schwabstedt. Foto: Bandixen
 

Als Anwendungsfälle hat der Minister „Gebiete mit einer besonderen Vorprägung“ im Auge: etwa Dünen, Moore, Auen oder Naturwälder. Sie stellen für Experten trotz allen schon vorhandenen Schutzes derzeit keine echten Wildnisgebiete dar. Um es zu werden, dürfte etwa in Naturwäldern und Dünengürteln nichts mehr nachgepflanzt werden oder auf Moorflächen selbst eine extensive Beweidung nicht mehr stattfinden. Die Natur soll sich dort nach dem Willen der Landesregierung völlig ungesteuert entwickeln dürfen. „Das schafft uns Menschen erhabene Erlebnisse und nützt gleichzeitig dem Erhalt der Arten- und Lebensraumvielfalt“, sagte Habeck.

Für ihn geht es dabei um einen „Test unserer Toleranz, wie viel Wildheit wir zulassen“. Es sei keineswegs ausgeschlossen, „dass man sich damit auch Konflikte einkauft“. Abzuwarten bleibe etwa, ob Wiesen verbuschen oder sich in Wäldern auch nicht heimische Arten ansiedeln. Der Politiker ahnt: „Das wird eine hohe Moderationsleistung bedeuten. Wenn wir Akzeptanz für mehr Wildnis erreichen wollen, müssen wir die Menschen einbinden.“ Vorbehalten von Anrainern möchte er entgegentreten, indem die wilden Areale möglichst in einem gewissen Abstand zu Nutzflächen eingerichtet werden.

Der deutsche Survival-Experte und Aktivist für Menschenrechte, Rüdiger Nehberg in seinem Wald in Rausdorf. dpa
Der deutsche Survival-Experte und Aktivist für Menschenrechte, Rüdiger Nehberg in seinem Wald in Rausdorf. Foto: dpa
 

Der Landesnaturschutztag ist seit 21 Jahren das zentrale Informations- und Dialogforum des ehren- und hauptamtlichen Naturschutzes in Schleswig-Holstein. Knapp 500 Teilnehmer waren zu zahlreichen Fachvorträgen und zum Gedankenaustausch gekommen. Ausgerichtet wurde die Traditions-Veranstaltung vom Bildungszentrum für Natur, Umwelt und Ländliche Räume (BNUR).

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