Augenklinik Rendsburg : Rendsburger Klinik-Chef wirft Ministerium Blockadehaltung vor

Klinik-Chef Wüstenberg.
Klinik-Chef Wüstenberg.

Seit über zehn Jahren will die Augenklinik Rendbsurg in den Krankenhausbedarfsplan aufgenommen werden – doch den Zuschlag bekam zuletzt die Kieler Augenklinik Uthoff.

Margret Kiosz von
04. Juli 2015, 14:58 Uhr

Rendsburg | Sie sind weit über die Landesgrenzen hinaus für Qualität bekannt und gehören mit über 12.000 Operationen und 75.000 Patienten pro Jahr zu den „Big five“ in der Branche – „nur das Kieler Sozialministerium nimmt uns nicht wahr und boykottiert uns“, beklagt sich der Chef der Augenklinik Rendsburg, Martin Wüstenberg.

Seit mehr als zehn Jahren bemühe man sich, in den Krankenhausbedarfsplan aufgenommen zu werden – Voraussetzung, um stationäre Leistungen auch mit den gesetzlichen Krankenkassen abrechnen zu können. Im Mai ist erneut ein Antrag abgeschmettert worden. Jetzt wird geklagt. „Eigentlich stellen wir uns Kommunikation anders vor“, sagt Wüstenberg, der als Ärztlicher Direktor die Klinik mit 35 Medizinern und 140 Mitarbeiten leitet. Doch sein Team sehe keinen Ausweg mehr, weil die Blockadehaltung der Staatssekretärin im Kieler Sozialministerium, Anette Langner (SPD), dem Haus inzwischen massive Schäden zufüge. „Wir haben immer wieder vergeblich um ein Gespräch gebeten, wir zahlen im Gegensatz zu anderen pünktlich unsere Steuern und sind wichtig für die Versorgung der Patienten an der gesamten Westküste und in Mittelholstein“, erklärt der Augenarzt „Die Sturheit des Ministeriums macht mich sprachlos“.

Das Fass zum Überlaufen brachte jetzt eine Entscheidung Langners zugunsten der Kieler Augenklinik Uthoff, die nach Insolvenz und Verkauf erneut einen Antrag für Aufnahme in den Bettenbedarfsplan stellen musste. „Die haben einen Zweizeiler eingereicht, und das Ministerium nickt ab. Wir haben ein umfassendes Gutachten samt Wirtschaftlichkeitsprüfung vorgelegt und eine Ablehnung erhalten“, beschwert sich Wüstenberg.

Vor allem das regionale Ungleichgewicht bei der Verteilung der Klinikbetten zwischen Ost und West gibt den Rendsburgern mit ihren 13 externen Praxen ein Rätsel auf. 141 Betten gibt es in Kiel und Lübeck. Neben den 79 Uni-Betten sind das 38 bei Uthoff und 29 in der Klinik Manhagen. Im Westen hingegen gibt es ganze sechs Betten – fünf in der Rendsburger Imlandklinik und eins in Flensburg. „Die Westküste wird abgehängt“, beklagt sich Wüstenberg.

Von einem Ungleichgewicht will das Sozialministerium allerdings nichts wissen. „Die Konzentration von bestehenden Betten im Bereich Augenheilkunde in Kiel und Lübeck beruht darauf, dass dort die Standorte des UKSH sind, die den Löwenanteil der Betten halten und die landesweite Zentralversorgung für stationäre Behandlungen wahrnehmen“, erklärt Ministeriumssprecher Frank Sturz-Pindor. In den übrigen Häusern würden meist Graue-Star-Operationen durchgeführt, bei denen Kassen die Notwendigkeit einer stationären Aufnahme in Frage stellten. Unklar bleibt dabei, warum Wüstenbergs Konkurrenten trotzdem so viel besser gestellt werden.

Dabei geht es jetzt ums Eingemachte. Ein siebenstelliger Betrag geht den Rendsburgern mit ihrer großen Klinik am Paradeplatz nach eigenen Angaben flöten, weil stationär nur Privatzahler behandelt werden können sowie Patienten der AOK, mit der ein Selektivvertrag besteht. Die Ersatzkassen haben ihren Belegungsvertrag zum 1. Juli gekündigt, weil die Augenklinik keine Betten vorweisen kann, für die Kassenleistungen abgerechnet werden dürfen.

Über die Gründe für das „Nein“ aus dem Sozialministerium kann in Rendsburg nur spekuliert werden. „Hier soll offenbar der Status quo bewahrt werden“, vermutet Wüstenberg. Alteingesessenen Platzhirschen wolle man offenbar nicht wehtun. Dabei müsse die Konkurrenz gar keine Betten abgeben. Laut Gutachten des Instituts für Gesundheitsökonomie, das unserer Zeitung vorliegt, fehlen derzeit in Schleswig-Holstein zwölf augenärztliche Betten, rechnet man die Alterung der Bevölkerung und den Zuzug ein, fehlen bis zum Ende des Jahrzehnts im Norden sogar 56 Betten. Dass man heute auf die fünf Betten in der Imlandklinik zurückgreift, wenn es um Notfälle, um ältere Patienten mit vielen anderen Erkankungen oder um solche geht, die sediert werden müssen, sei keine Dauerlösung.

Zudem steckt hinter der einseitigen Bevorzugung des süd-östlichen Landesteils nach Ansicht Würstenbergs „die Ideologie von Großkliniken mit allumfassendem Fächerangebot“. Dabei gehe der Trend längst hin zu spezialisierten Fachkliniken. Zu allem Überfluss werde nicht anerkannt, dass die Rendsburger inzwischen schon 14 Praxen übernommen und damit den Zusammenbruch der regionalen ambulanten Versorgung verhindert haben. Nördlichster Augenarztsitz ist derzeit Niebüll.

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