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Ehemaliger Medienreferent in Kiel : Reiner Pfeiffer gestorben - Schlüsselfigur der Barschel-Affäre

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Berlin/Hambergen | Fast drei Jahrzehnte nach Bekanntwerden der Barschel-Affäre ist mit dem früheren Medienberater Reiner Pfeiffer eine der Schlüsselfiguren gestorben. Das bestätigte der Samtgemeindebürgermeister von Hambergen, Reinhard Kock (SPD). Zuvor hatte dies die „Bild am Sonntag“ berichtet. Dem Bericht zufolge ist Pfeiffer bereits am 12. August in Hambergen nördlich von Bremen im Alter von 76 Jahren gestorben. Sein Leichnam sei bereits eingeäschert worden.

Die „Barschel-Affäre“ hatte 1987 die Republik in Atem gehalten. Der Medienreferent des damaligen Kieler CDU-Ministerpräsidenten Uwe Barschel, Pfeiffer, hatte den SPD-Spitzenkandidaten Björn Engholm bespitzeln lassen und gegen ihn eine anonyme Steueranzeige lanciert.

Pfeiffer stellte Barschel später als Mitwisser und sogar Initiator dar. Barschel trat schließlich zurück. Am 11. Oktober 1987 fand ein Reporter Uwe Barschel tot in der Badewanne eines Zimmers im Genfer Hotel „Beau Rivage“.

Die Chronologie der Barschel-Affäre

Uwe Barschel bei der spektakulären „Ehrenwort“-Pressekonferenz am 18. September 1987 in Kiel.

Uwe Barschel bei der spektakulären „Ehrenwort“-Pressekonferenz am 18. September 1987 in Kiel.

Foto: dpa

Bericht über Spitzeleien

7. September 1987: „Der Spiegel“ berichtet, der  SPD-Spitzenkandidat Björn Engholm werde bespitzelt.

Wahlen: CDU verliert absolute Mehrheit

12. September 1987: Am Tag vor der Wahl schildert „Der Spiegel“ Schmutzaktionen gegen Engholm. Urheber sei Reiner Pfeiffer, Referent in der Staatskanzlei von CDU-Ministerpräsident Uwe Barschel. Bei der Wahl verliert die CDU die absolute Mehrheit; es gibt ein Patt.

Das „Ehrenwort“

18. September 1987: Mit einem „Ehrenwort“ weist Barschel alle Vorwürfe zurück – und kündigt eine Woche später seinen Rücktritt an.

Mysteriöser Tod Barschels

11. Oktober 1987: Barschel wird tot im Genfer Hotel „Beau Rivage“ gefunden. Die Schweizer Behörden erkennen auf Selbstmord, bald kommen Zweifel auf.

Neuwahlen: Absolute Mehrheit für SPD

8. Mai 1988: Die SPD holt bei einer Neuwahl die absolute Mehrheit.

SPD-Sozialminister tritt zurück

1. März 1993: SPD-Sozialminister Günther Jansen gibt zu, 40.000 Mark gesammelt und an Pfeiffer gezahlt zu haben. Er tritt am 23. März zurück.

Engholm tritt zurück

3. Mai 1993: Engholm tritt als Ministerpräsident und SPD-Chef zurück. Er habe früher von Pfeiffer gewusst, als er das im Ausschuss gesagt hatte.

Ermittlungen wegen Mordverdachts eingestellt

1. Dezember 1994: Die Lübecker Staatsanwaltschaft leitet ein Ermittlungsverfahren wegen Mordverdachts  ein.

Ermittlungen komplett eingestellt

2. Juni 1998: Die Staatsanwaltschaft stellt die Ermittlungen im Fall Barschel ein. Ob es Selbstmord oder Mord war, bleibt ungeklärt.

Chefermittler bekräftigt Mord-Theorie

25. August 2011: Der ehemalige Barschel-Chefermittler Heinrich Wille bekräftigt in seinem neuen Buch „Ein Mord, der keiner sein durfte“ die Überzeugung, Barschel sei ermordet worden. Beweise dafür kann er nicht liefern.

DNA-Spuren gefunden

28. Juli 2012: An Kleidungsstücken Barschels wurden fremde DNA-Spuren entdeckt. Die Staatsanwaltschaft sieht aber keine Handhabe für neue Ermittlungen. Die Spuren reichten für einen Abgleich mit der DNA-Datei des BKA nicht aus.

 
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erstellt am 23.Aug.2015 | 13:56 Uhr

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