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Opposition in SH : Reimer Böge: Nord-CDU verliert ihren Chef

vom
Aus der Onlineredaktion

Noch ein Rücktritt in Kiel: Der Landesvorsitzende der Nord-CDU, Reimer Böge, tritt nicht zur Wiederwahl an. Als Hintergrund nennt er „massive Herzprobleme“.

Kiel | Keine Woche ist es her, da hatte die CDU-Spitze Schleswig-Holsteins angesichts der Turbulenzen in der Landesregierung erklärt: Die Christdemokraten seien „auf alle Eventualitäten“ vorbereitet. Das klang nach Hoffnung auf Neuwahlen und Übernahme der Regierungsverantwortung. Jetzt jedoch kommt es anders: Die größte Oppositionspartei muss sich selbst kurzfristig neu aufstellen. Mit Reimer Böge bricht ihr der Landesvorsitzende weg. Aus gesundheitlichen Gründen gibt er den Posten Mitte November auf.

Eigentlich wollte der 62-Jährige auf dem Landesparteitag am 15. November erneut für den Vorsitz kandidieren. Seine Bestätigung galt als reine Formalie. Nun verzichtet Böge darauf. In einer persönlichen Erklärung verweist er auf „massive Herzprobleme“. Bereits Anfang September habe sein Hausarzt ihm diese Diagnose gestellt. Mit Atemnot sei er daraufhin an die Kliniken in Bad Segeberg überwiesen und dort erfolgreich behandelt worden. „Nach intensiven Gesprächen mit meiner Frau und meinen Kindern sind wir allerdings zu dem Schluss gekommen, dass ich meine Gesundheit nicht weiter herausfordern darf“, teilt Böge mit. Deshalb habe er sich entschieden, den Parteivorsitz aufzugeben.

Mit dem Abgang findet das schnelle Kommen und Gehen an der Spitze der Nord-CDU eine Fortsetzung. Erst im März 2013 hatte Böge das Amt übernommen. Er war seit dem Verzicht von Ministerpräsident Peter Harry Carstensen auf den Parteivorsitz seit 2010 bereits der dritte Frontmann der Christdemokraten. Vorgänger Böges waren zunächst Christian von Boetticher und daraufhin Jost de Jager.

Sein Abgeordneten-Mandat im Europaparlament will Böge weiter wahrnehmen. Ob dabei mit Rücksicht auf seine Gesundheit mit Einschränkungen zu rechnen ist, bleibt offen. Böge habe sich bisher nur zum Parteivorsitz erklärt, sagt Parteisprecherin Katrin Albrecht. Böge vertritt Schleswig-Holstein seit 1989 in Straßburg und Brüssel.

Bisher zugesagte Termine als Landesvorsitzender möchte der aus Hasenmoor im Kreis Segeberg stammende Böge nach Angaben der CDU-Landesgeschäftsstelle wie geplant wahrnehmen. Etwa heute Nachmittag auf Schloss Gottorf in Schleswig. Dort richtet der CDU-Kreisverband Schleswig-Flensburg seinen traditionellen Empfang anlässlich des Tags der Deutschen Einheit aus. Am Samstag spricht der scheidende Partei-Chef beim „Schleswig-Holstein-Tag“ der Jungen Union in Bad Segeberg. In der kommenden Woche steht die Teilnahme an Sitzungen in Brüssel an, für den 9. Oktober hat sich Böge das Opferfest der Muslime im Kieler Landeshaus in den Kalender eingetragen. Für die letzte Oktoberwoche plant er Urlaub.

Ein geborener Nachfolger für den Parteivorsitz drängt sich nicht auf. Gute Chancen werden Daniel Günther (41) aus Eckernförde eingeräumt. Der hochschulpolitische Sprecher der Landtagsfraktion hat sich zuletzt in der Diskussion über die künftige Lehrerausbildung in Schleswig-Holstein als talentierter Debattenredner hervorgetan. Nicht wenige in der Partei meinen, dass er sich damit für höhere Aufgaben qualifiziert habe – zumal er die CDU als einstiger Landesgeschäftsführer von innen gut kennt. „Ich sage nicht, dass ich antrete – aber wenn eine Position wie der Landesvorsitz frei wird, gehöre ich nicht zu denjenigen, die das für sich kategorisch ausschließen“, erklärte Günther auf Anfrage. Ebenso wie Schlie plädierte auch er für eine rasche Verständigung über die Nachfolge. So angeschlagen wie die Landesregierung derzeit sei, müsse die CDU jederzeit handlungsfähig sein.

Als weitere mögliche Kandidaten gelten Hans-Jörn Arp (62) und Ingbert Liebing (51). Der Steinburger Arp ist profilierter Verkehrs- und Wirtschaftsfachmann der Landtagsfraktion und zudem deren Parlamentarischer Geschäftsführer. Als Böges Nachfolger sieht er sich selbst jedoch nicht: „Schön, dass man mir den Parteivorsitz zutraut – aber ich stehe dafür nicht zur Verfügung.“ Auch sieht er keine Notwendigkeit, die Neubesetzung an der Parteispitze mit einer der Fraktionsspitze zu verbinden: „Das steht zur Zeit nicht an. Johannes Callsen hat meine volle Unterstützung.“

Der Sylter Liebing vertritt Nordfriesland im Bundestag und ist derzeit einer von vier stellvertretenden Landesvorsitzenden. Mit Blick auf die nächste Wahl sagte Liebing: „Es gilt der Grundsatz, dass der Vorsitzende für die Spitzenkandidatur in Frage kommen muss.“ Liebing selbst wollte sich jedoch „nicht an der Nachfolgediskussion beteiligen“. Vielmehr habe man bis zum Landesparteitag im November „genug Zeit, um die Lage zu sortieren“. Dass Böge nicht wieder antritt, sei schade: „Er hat einen guten Job gemacht.“ Böge habe der Partei „nach dem schwierigen Wechsel von der Regierungsverantwortung in die Opposition neue Motivation gegeben“.

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erstellt am 02.Okt.2014 | 12:56 Uhr

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