zur Navigation springen

Flüchtlinge in SH : „Refugees Home“: Das ist das erste Portal für Flüchtlings-Wohnungen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Zwei Schleswig-Holsteiner wollen Angebot und Nachfrage zum Wohnraum für Flüchtlinge ganz simpel zueinander bringen.

Kiel/Wismar | Die Startseite ist schlicht, die wichtigsten Fragen werden knapp beantwortet, bevor es heißt: „Tragen Sie Ihr Angebot ein. Schon haben Sie geholfen!“ Zwei Schleswig-Holsteiner haben mit „Refugees Home“ die deutschlandweit erste unabhängige Vermittlungsplattform für freien Wohnraum zur Unterbringung von Flüchtlingen eingerichtet.

Viele Flüchtlinge müssen in Zelten und Massenunterkünften leben. Daher bitten Städte und Kommunen die Bürger, Flüchtlinge in Privat-Wohnungen unterzubringen. Manch ein Hausbesitzer hat schon Angst vor Enteignung. Doch so weit muss es nicht kommen.

Ihre Idee entstand unter dem Eindruck der Berichterstattung zur Flüchtlingskrise. „Wir haben die vielen Nachrichten über volle Einrichtungen mitbekommen, immer wieder von ganzen Familien gehört, die etwa in Turnhallen auf dem Boden schlafen mussten“, erinnert sich Web-Entwickler Thorsten Greiner (42) aus Bornhöved (Kreis Segeberg).

„Es gab in den Berichten auch viele Angebote per Mail an die Flüchtlingsheime. Aber die Helfer hatten keine Zeit für die Bewältigung der Mail-Flut, weil sie sonst ihre eigentlichen Aufgaben nicht mehr erledigen konnten.“ Dieser Umstand brachte Greiner und seinen Freund Ulf Prahm auf den Gedanken, ehrenamtlich eine Plattform zu errichten. „Es gibt in Deutschland schließlich 1,7 Millionen freie Wohnungen. Und wir brauchen schnell eine Lösung, das Problem erledigt sich ja nicht von allein“, sagt Prahm, der mittlerweile als Programmierer in Wismar lebt. Er sieht in dem Portal auch eine Chance Enteignungen entgegenzuwirken.

Gemeinsam bastelten die Freunde innerhalb von zwei Wochen das Portal, Greiner kümmerte sich um Oberfläche, Design und Texte, Prahm legte eine Datenbank an. „Wir haben bewusst alles einfach und übersichtlich gestaltet, keine Gebühren, wenig Aufwand“, sagt der 43-Jährige. In simplen Schritten können Anbieter von freiem Wohnraum ihre Informationen eingeben; Objektart, Größe der Wohnung und der Zimmer, eventuell vorhandene Möblierung, Zeitpunkt des frühestmöglichen Bezugs. „Die Namen müssen nicht genannt werden“, so Prahm. Man wolle nur die unbedingt nötigen Daten erheben und den Nutzern maximalen Schutz bieten.

Der Internet Auftritt von Refugees Home ist schlicht und einfach gehalten.
Der Internet Auftritt von „Refugees Home“ ist schlicht und einfach gehalten. Foto: Refugees Home
 

Alle Informationen werden lokalisiert und in einer Karte gespeichert. Auf die Datenbank können nur Mitarbeiter von Flüchtlingseinrichtungen zugreifen, die sich zuvor als Nutzer registriert haben. Über eine Suchmaske können jene Wohnraum suchen – je nach Eingabe eingegrenzt auf ihre Region. „Die Vermittler bekommen dann die passenden Objekte angezeigt und können Kontakt zu den Anbietern aufnehmen“, so Prahm. Alles weitere sei Sache der beiden Parteien. „Unsere Aufgabe ist es nur, einen schnellen und unkomplizierten Kontakt zu schaffen.“

Bislang liegt die Zahl der eingetragenen Angebote im niedrigen zweistelligen Bereich. „Es entwickelt sich etwas zäh, das ist überraschend für uns“, sagt Ulf Prahm. Er hat neben Anfragen bei den Medien und Einrichtung eines Facebook-Auftritts von Refugees Home, die Innenministerien aller Bundesländer als mögliche Multiplikatoren angeschrieben und ist mittlerweile bereits bei den Kommunen angelangt.

„Die Recherche gestaltet sich enorm schwierig und zeitaufwendig. Es ist für uns problematisch, dass die Zuständigkeiten in allen Ländern und auch innerhalb der Länder total unterschiedlich sind“, so Prahm. Mal sei das Sozialamt, mal das Ordnungsamt involviert. Im Internet seien oftmals keine Ansprechpartner auszumachen – oder sie sind nicht erreichbar. In Schleswig-Holstein gibt es von Seiten der Kreise und Städte bislang noch keine Reaktion. Auch an die Fraktionen im hiesigen Landtag sind deshalb bereits Anfragen gerichtet worden. Immerhin die Grünen würden bei Kontakt mit Wohnraum-Anbietern bereits auf die Seite verweisen.

Thorsten Greiner und Ulf Prahm bleiben trotz der Anlaufschwierigkeiten optimistisch: „Irgendwann ist der Punkt erreicht, an dem es von allein läuft, ohne viel Werbung zu machen“, sagt Greiner. „1000 Inserate würden sicher reichen, um das Angebot endgültig interessant zu machen.“

Anbieter können freien Wohnraum melden unter www.refugeeshome.de; Vermittler schreiben eine Mail: info@refugeeshome.de

zur Startseite

von
erstellt am 07.Dez.2015 | 13:12 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen