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Vorstoss der Drogenbeauftragten : Rauchverbot im Auto mit Kind: Viel Zustimmung aus SH

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Nicht nur Kinderärzte begrüßen den Vorschlag der Drogenbeauftragten. Aber es gibt auch Skepsis – unter anderem beim ADAC.

shz.de von
erstellt am 31.Aug.2015 | 19:55 Uhr

Wenn es nach der Drogenbeauftragten der Bundesregierung geht, gibt es bald ein Rauchverbot im Auto, sofern Kinder mitfahren. „Ich würde die Prüfung eines solchen Verbots innerhalb des Kinder- und Jugendschutzes sehr begrüßen“, sagte Marlene Mortler (CSU) am Montag und erhielt viel Zustimmung – auch aus Schleswig-Holstein.

„Eigentlich sollte es für alle Eltern ein Selbstverständlichkeit sein, dass sie weder im Auto noch sonst in geschlossenen Räumen rauchen, wenn Kinder anwesend sind“, erklärte Dethelff Banthien, Chef des Berufsverbandes schleswig-holsteinischer Kinderärzte. Mortlers Vorstoß sei „begrüßenswert, weil er die Problematik noch einmal stark in das Bewusstsein der Öffentlichkeit bringt“, meint Banthien und verweist auf das Beispiel Großbritannien, wo ab kommenden Monat das Rauchen im Auto im Beisein Minderjähriger strafbar wird.

„Oft wird ja argumentiert, man greife zu tief in die Freiheitsrechte der Eltern ein“, räumt Mortler zwar ein. Doch hier gehe es darum, „dass Kinder dauerhaft geschädigt werden, weil die Rauchkonzentration im Auto um ein Vielfaches höher ist als im Freien.“

Das Deutsche Krebsforschungsinstitut geht sogar noch weiter: Rauchen im Beisein von Kindern erfülle den Tatbestand der Körperverletzung. Es schädige nachhaltig das empfindliche kindliche Lungengewebe und fördert Asthma, schwere Atemwegsinfektionen (um 50-100 Prozent häufiger) und langfristig Lungenkrebs. Mittelohrentzündungen treten 2-3fach öfter und Hirnhautentzündungen 4-7fach öfter auf. Es kommt vermehrt zu Unruhe, Verhaltens- und Aufmerksamkeitsstörungen.

Trotzdem gibt es auch Bedenken gegen Mortlers Vorstoß. „Verantwortungsbewusste Eltern rauchen nicht, wenn ihre Kinder im Auto sind! Ich halte allerdings nichts davon, die Eltern durch zunehmende staatliche Eingriffe in ihre Privatsphäre immer weiter zu entmündigen“, meint der CDU- Verkehrsexperte im Landtag Hans-Jörn Arp.

Und auch der ADAC sieht Schwierigkeiten, weil Verbote nur dann etwas bringen, wenn wir sie auch durchsetzen könne. „Doch für die Kontrolle fehlt das Personal“, fürchtet Ulf Ewert, Sprecher des Automobilclubs im Norden. „Deshalb können wir nur an alle appellieren, im Auto nicht zu rauchen, erst recht nicht, wenn Kinder mitfahren.“

Doch mit dem Appell allein will sich die Kieler Gesundheitsministerin Kristin Alheit (SPD) nicht zufrieden geben. Der Autofahrer „wird sich vielleicht nicht von einem Verbot schrecken lassen, dennoch halte ich ein solches für richtig, wenn Kinder mit im Auto sind. Die möglichen drastischen gesundheitlichen Folgen für Kinder wiegen schwerer als mögliche persönliche Rechte von Rauchern“, meint die Ministerin. Aus ihrer Sicht würde deshalb „ein bundeseinheitliches Verbot in Autos mit Kindern begrüßt“.

Den grünen Koalationspartner, der seit Jahren gegen den Vorwurf kämpft, eine Verbotspartei zu sein, muss die Ministerin noch überzeugen. Die Grünen sind zwar auch gegen das Rauchen im Auto mit Kind. „Trotzdem sehen wir einen gesetzlichen Eingriff in der Privatsphäre sehr kritisch“, meint Marret Bohn. „Rauchverbote in Privatwohnungen oder privaten Autos halten wir für den falschen Weg“. Information, Aufklärung und Verantwortung müssten auf freiwilliger Basis funktionieren. 

Bereits vor vier Jahren haben britische Forscher Messwerte zur Feinstaubpartikelbelastung bei Autofahrten mit Rauchern veröffentlicht. Das Ergebnis ist erschreckend: Im Schnitt lag die Belastung bei 85 Mikrogramm pro Kubikmeter– dreimal  mehr als der von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) festgelegte Grenzwert. Auch das Öffnen von Fenstern reicht demnach nicht aus, um die Giftstoffe in der Luft deutlich zu senken. Die Schadstoffexposition durch Passivrauch ist bei Kindern viel höher, warnt die Flensburger Kinderärztin Eva Schafmeister: „Bezogen auf ihr Körpergewicht müssen sie bei höherer Atemfrequenz mehr Luft aufnehmen als Erwachsene. Zudem bauen Kinder die Giftstoffe langsamer ab.“
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