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Gabriels Stellvertreter : Ralf Stegner zum SPD-Vize gewählt

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SPD-Chef Sigmar Gabriel hat einen sechsten Stellvertreter: Der Sonderparteitag der Sozialdemokraten wählte am Sonntag den Kieler Landeschef Ralf Stegner auf diesen Posten.

shz.de von
erstellt am 26.Jan.2014 | 16:45 Uhr

Berlin/Kiel | Der 54-Jährige bekam 78,3 Prozent der in geheimer Wahl abgegebenen Stimmen. Eigentlich wäre Stegner gerne Generalsekretär geworden. Da aber bereits Partei- und Fraktionsspitze mit Männern besetzt sind, kam er nicht zum Zug. Der Parteilinke Stegner will als SPD-Vize unter anderem die Gesprächskontakte zu Linken, Grünen und FDP stärken. Sein Ziel sei „eine glaubwürdige neue Pespektive“ für eine Bundesregierung mit einem sozialdemokratischen Regierungschef.

Der „Rote Rambo“ von der Förde ist nun also der sechste Bundesvize der SPD. „Das ist natürlich eine Karikatur“, sagt Ralf Stegner zu dem Spitznamen, den ihm vor Jahren ein Journalist verpasste. „Das Medienbild ist ein Klischee, das nicht so viel aussagt.“ Als durchsetzungsstark sieht sich der 54-Jährige aber durchaus selbst. In seiner Doppelrolle als Landesvorsitzender und Fraktionschef in Kiel hat er das seit Jahren bewiesen.

Für einen Posten in der SPD-Spitze lief Stegner sich monatelang warm. In den TV-Hauptnachrichtensendungen, Talkshows und Interviews äußerte sich der Exponent der SPD-Linken über Wochen in vorderer Front während der Berliner Koalitionsverhandlungen und danach - meist ohne größere verbale Zurückhaltung. „Ich bin kein besonders guter Diplomat“, sagt er. „Ich mag die Verrenkungen nicht so sehr.“ 

Klartext reden, Konfliktfähigkeit, Belastbarkeit, Paroli bieten, polarisieren, aber auch eigene Reihen schließen - solche Qualitäten hätte Stegner eigentlich auch ins Amt eines Generalsekretärs einbringen können. „Ich hadere damit nicht“, sagt er. Als Parteivize kann er sogar unabhängiger agieren. „Feigheit ist nicht meine Sache; zur Politik gehört auch Führung.“ Stegner sieht sich als Teamplayer mit ausgeprägtem Gefühl für Unabhängigkeit.

„Was mein Rückgrat angeht, habe ich nicht übertrieben große Biegsamkeit“, sagt der Mann, den die meisten für den Bruch der großen Koalition in Kiel 2009 verantwortlich machten. Er sagt, das sei übertrieben. Als Polarisierer, der Gegner wie Parteifreunde auf die Zinnen treiben kann, hinterließ der Gastwirtssohn aus Rheinland-Pfalz seit über 15 Jahren Spuren im Norden - als Staatssekretär, Minister, Landesparteichef seit 2007 und Fraktionsvorsitzender seit 2008.

„Ich verfolge einen gradlinigen Politikstil - offen und klar“, schrieb Stegner auf seiner Homepage. „Ich habe gelernt, dass man dann auch die Konsequenzen tragen muss, wenn man so handelt.“ In Stegners Karriere lief nicht alles glatt. „Die bitterste Niederlage war die Nichtwahl von Heide Simonis, versehen ja auch noch mit falschen Verdächtigungen gegen meine Person.“ 2005 war spekuliert worden, Stegner könne der „Heide-Mörder“ gewesen sein, der in vier Wahlgängen die Wiederwahl von Simonis zur Ministerpräsidentin verhindert hatte.

2009, in mieser Großwetterlage für die SPD, verlor Stegner als Spitzenkandidat die Landtagswahl gegen die CDU mit Ministerpräsident Peter Harry Carstensen. 2011 folgte die klare Niederlage im SPD-Mitgliederentscheid zur Spitzenkandidatur 2012 gegen den heutigen Regierungschef Torsten Albig. „Meine Begabung für stark repräsentativ ausgerichtete Ämter hält sich stark in Grenzen“, räumt Stegner ein.

Als Erfolg verbucht er, dass er nach dem Mitgliederentscheid im überraschenden Schulterschluss mit Albig die Nord-SPD zusammenhielt und wieder an die Regierung führte. Auch sechs Prozentpunkte mehr bei der Bundestagswahl als im Bund sieht er auf der Habenseite. Dass er geschickt die grundskeptische Nord-SPD zu einem deutlichen Ja zum Koalitionsvertrag mit der Union bewegte, nahm sogar Lieblingsgegner Wolfgang Kubicki von der FDP anerkennend zur Kenntnis. Dass die SPD-Linke nicht rebellierte, geht auch zu Gutteil auf Stegners Konto.

Albig hält Stegner für einen der fähigsten Sozialdemokraten überhaupt. Er kenne auch kaum jemanden, mit dem er so erfolgreich und loyal zusammenarbeiten könne - ein dickes Lob für jemanden, der ihn im Kampf um die Spitzenkandidatur einst anging.

Stegner vertritt nicht nur politisch die Linke in der SPD; der HSV-Fan, der Krimis liebt und gern Skat spielt, war als Fußballer, Torwart, ebenfalls ein Linksfuß. Und wenn er nicht Politiker geworden wäre? Dann hätte er gern - so à la „Casablanca“ - in einer Abenteuer-Kneipe Klavier gespielt.

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